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12.08.2026 | QLT Redaktion

WEISS AUCH, GRAU, VIELLEICHT SCHILLERND
In seiner Sommer-Ausstellung führt der Kunstverein Konstanz bis zum 20.09. vier Künstlerinnen zusammen: drei Künstlerinnen, Christiane Dessecker, Leonie Mertes und Jaeyun Moon haben bei der vierten, Katharina Hinsberg, Professorin für Konzeptuelle Malerei an der Hochschule der Künste Saar in Saarbrücken, studiert. In der Ausstellung WEISS AUCH, GRAU, VIELLEICHT SCHILLERND widmen sich alle vier Künstlerinnen dem Medium Zeichnen. Jede nähert sich zeichnerischen Aspekten wie Geste, Struktur, Differenz und Wiederholung auf eigene Weise. Gemeinsam ist die Annahme, dass die zeichnerische Linie ihren Ursprung in der körperlichen Bewegung hat und sich im Raum oder im Bildkörper selbst plastisch einschreiben kann.
Christiane Desseckers Arbeit führt zurück in eine unlängst vergangene Zeit, die noch immer nachwirkt: Ihre wandfüllende Zeichnung aus vielen Einzelblättern »Spreading mit unterschiedlichen Härtegraden« entstand während der Pandemie als eine sehr eigenständige, persönliche Verarbeitung eines bedrohlichen Geschehens. Je nach gemeldeten Fallzahlen zeichnete sie mit weichem oder härterem Bleistift. Die eng aneinander gruppierten Einzelblätter lassen über zwei Wandflächen hinweg ein Geflecht entstehen, das die unablässige Folge dieser beunruhigenden Zeit spiegelt.
Farbe als Material kommt bei Jaeyun Moons Arbeiten ins Spiel. In einem komplexen, langwierigen Prozess trägt die Künstlerin immer wieder Farbe auf den Leinwandgrund auf und übermalt die einzelnen Schichten. Auch bei ihr nimmt das Tagesgeschehen Einfluss auf die Wahl der künstlerischen Mittel. Längst hat sich die ursprünglich zweidimensionale Bildstruktur in ein Raumgebilde verwandelt, das Moon nun einer Bearbeitung unterzieht. Mit einem Messer schneidet die Künstlerin in die Farbschichten hinein, orientiert sich an den Linien der einzelnen Farbverläufe und trägt behutsam, in sorgfältig durchdachten Schritten Farbe ab und legt darunterliegende Ebenen frei.
Leonie Mertes’ Zeichenweise lässt sich zum einen als subkutane Operation beschreiben: Das weiße Blatt Papier ritzt sie mit einem Cutter leicht an, gerade ausreichend, um mit dem Graphit-Stift in die Öffnung zu fahren, diese zu vergrößern. Unter der Papierhaut arbeitet sich der Stift immer weiter vor. Auch bei einer zweiten Arbeitsweise bleibt das Papier nicht einfach nur der Zeichengrund: Mit einem spitzen Graphitstift löst sie, vom Rand des Papierbogens beginnend, durch eine kräftige, dichte Strichführung einzelne Fasern, die sich von der Fläche gewölbt in den Raum erheben.
Katharina Hinsbergs Aufmerksamkeit gilt der Linie. Oft wird sie geschnitten, wobei der Schneideprozess die filigranen Papierlinien entstehen lässt. In ihrer neuesten Werkgruppe »Säumnisse« wird der Schnitt so wichtig wie die Linie: Die Ausgangslinie ist hier der
Blattrand, der mit roter Tusche eingefärbt wird, um anschließend mit dem Messer entlang eines Lineals ausgeschnitten zu werden. Die entstehenden Schnittkanten werden wieder rot gefärbt, zueinander verschoben und zu einem neuen Format zusammengesetzt.
Zu der Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm.
Weitere Informationen:
www.kunstverein-konstanz.de