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Stadttheater Schaffhausen – Ein Starchoreograf, Alexis Sorbas & Der eingebildete Kranke

09.01.2026 | QLT Redaktion

Foto: Patrick Pfeiffer

Hochkarätiges für die Liebhaber des zeitgenössischen Tanzes wird es am 15.1. geben. Für die Choreografie »Turning of Bones« arbeitet der britische Starchoreograf und Tänzer Akram Khan erstmals mit Gauthier Dance zusammen. Der Titel »Turning of Bones« spielt dabei nicht nur auf ein hauptsächlich in Madagaskar praktiziertes Ritual der Erinnerung an – Famadihana, bei dem die Menschen die eingehüllten Überreste der Vorfahren aus den Gräbern holen, um sich neu mit ihren Ahnen und ihrem Erbe zu verbinden. Famadihana könnte tatsächlich auch die Herangehensweise an diese Produktion bezeichnen, bei der Akram Khan in die Geschichte seiner eigenen Werke eintaucht. Die Ausschnitte werden über eine neu komponierte Musik von Aditya Prakash miteinander verwoben. Im Gegensatz zu den aufwendigen Settings der ursprünglichen Fassungen strebt Akram Khan für diesen Abend eine ganz andere, abstraktere Stimmung an, die den Tanz in den Mittelpunkt stellt. Schon jetzt ist klar: Khans kompromissloser, absolut herausfordernder Ansatz trifft bei Gauthier Dance auf eine kongeniale Company. 

Gleich am 17.1. steht mit Alexis Sorbas ein großes Schauspiel nach dem Roman von Nikos Kazantzakis – mit Miroslav Nemec & Orchistra an. Ein von Selbstzweifeln geplagter Schriftsteller trifft auf den vor Lebensfreude sprudelnden Freigeist Alexis Sorbas. Fest entschlossen, seinen Beruf aufzugeben und das Leben der einfachen Leute zu teilen, bietet der Autor dem Abenteurer die Stelle des Vorarbeiters in dem Bergwerk an, das er an der Küste Kretas geerbt hat. Während der Intellektuelle auf seinen analytischen Verstand setzt, verkörpert Sorbas den reinen Instinktmenschen. Für Sorbas entsteht die Welt jeden Tag neu, und Freiheit bedeutet für ihn, das Leben mit allen Freuden und Katastrophen anzunehmen. Zwischen den beiden ungleichen Männern entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft. Regisseur Martin Mühleis hat ein modernes Melodrama geschaffen, und damit eine Paraderolle für Miroslav Nemec (seit 1991 verkörpert er die Rolle des Ivo Batic im Münchner Tatort).

Einer der Bühnenklassiker überhaupt dürfte »Der eingebildete Kranke« von Molière am 20.1. sein. Bearbeitet wurde das Stück von Martin Heckmanns. Argan, ein wohlhabender und schlecht gelaunter Privatier, leidet vor sich hin und keine noch so teure Behandlung vermag seinen (Welt-)Schmerz zu heilen. Kein Wunder: Seine Krankheit bildet er sich bloß ein. Mit zu viel Zeit und zu viel Geld ausgestattet gibt Argan sein ganzes Vermögen für wirkungslose Medizin aus. Dabei bemerkt er nichts von den falschen Absichten seiner Mitmenschen:  Die Ärztin bereichert sich fröhlich an seiner Hypochondrie, während es seiner geldgierigen Frau Béline mit dem Tod ihres Mannes insgeheim nicht schnell genug gehen kann. Auch seiner Tochter Angélique gegenüber ist er ignorant und will sie, entgegen ihrem Willen, mit dem Sohn seiner Ärztin verheiraten. Argans griesgrämige Launen bekommt vor allem sein Dienstmädchen Toinette zu spüren.  Doch sie durchschaut die Tricks und lässt sich nicht herumkommandieren. Indem sie die Verhältnisse von Hausherrn und Bediensteter umkehrt, serviert Toinette Argan all die Wahrheiten, die er verleugnet.

www.stadttheater-sh.ch



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