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Rosgartenmuseum Konstanz »Die Mosbruggers«

17.06.2026 | QLT Redaktion

Foto: Staatliche Kunsthalle Karlsruhe

Das Rosgartenmuseum in Konstanz präsentiert in seiner Werkschau die aus Vorarlberg stammende Künstlerfamilie Mosbrugger. Zwischen 1795 und 1869 waren die Mosbruggers als Kunstmaler am Bodensee, im Südwesten und in der Ostschweiz tätig und prägten die Kunst- und Kulturlandschaft. In ihrer Zeit erlebten sie kriegerische Unruhen und Krisen, aber auch politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbruch.

QLT hat mit Tobias Engelsing, dem Direktor der Städtischen Museen Konstanz, über die Ausstellung gesprochen.

Die drei Maler der Mosbrugger-Familie waren in der Zeit von 1795 bis 1869 am Bodensee tätig, in einer Zeit der Umbrüche: Napoleon Bonaparte führte als Reformer ein neues Rechtssystem in Europa ein und ordnete die Landkarte neu. Wie kann man diese Zeit charakterisieren? 

Am Bodensee kam es zu Beginn des 19. Jahrhunderts zu tiefgreifenden politischen Umwälzungen: Der neue französische Herrscher Napoleon Bonaparte schlug bisherige vorderösterreichische Gebiete zwischen Bregenz und Freiburg zum neuen Großherzogtum Baden. Auch Konstanz wurde 1806 badisch, was den Bewohnern gar nicht gefallen hat, sie waren wegen der niedrigen Steuern gerne Österreicher gewesen. Der frühe Napoleon war ein großer Reformer: Rechtsstaatlichkeit statt mittelalterlichem Stadtrecht, Gewerbefreiheit statt Zunftzwang und mehr individuelle Freiheit. Nach seinem endgültigen Sturz 1815 wickelten die alten konservativen Mächte viele dieser Reformen wieder ab, es begann eine bleierne Zeit der Kontrolle jeder freiheitlichen Regung.

Wie unterschieden sich die drei Mosbruggers Wendelin, Friedrich und Joseph in Bezug auf deren Talent, Arbeiten und Erfolg?

Wendelin war ein Meister der Porträtkunst, Landschaftsmalerei fand er nachrangig. Der württembergische König machte ihn zum Hofporträtmaler, Mosbrugger hatte Aufträge im ganzen Südwesten und in der Ostschweiz. Sein Sohn Friedrich war ein genialisch begabtes Talent. Er arbeitete in Italien, war ein bedeutender Genremaler und ein glänzender Porträtist, starb aber schon mit 26 Jahren an verseuchtem Trinkwasser in St. Petersburg. Der jüngste Sohn, Joseph, wurde zum romantischen Chronisten der Bodenseelandschaft. Seine poetisch weiten Landschaftsbilder hängen noch heute in Schlössern und Museen.

Konnte man in dieser Epoche von der Malerei gut leben?

Es gab bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in der Provinz noch keine Kunstvereine und keine Galerien. Wer ein Bild wollte, ging ins Atelier und bestellte ein Porträt oder eine Landschaft. Nur wenige Künstler, wie etwa Marie Ellenrieder, die Schweizer Johann Jakob Biedermann und Johann Heinrich Bleuler oder Wendelin Mosbrugger konnten auskömmlich von ihrer Kunst leben. Viele sogenannte „Kleinmeister“ mussten billige Touristenblätter produzieren oder Malunterricht geben, um recht und schlecht zu überleben.

Wie veränderte sich die Malerei mit dem Entstehen neuer Repro-Techniken und dem aufkommenden Tourismus am Bodensee?

Zunächst einmal: Der europäische Realismus wertete die Landschaftsmalerei auf. Künstlerinnen und Künstler machten sich nun ein möglichst genaues Bild von Landschaften, doch auch sie „komponierten“ mit Blickachsen und idealen Raumaufteilungen ihre Motive. Mit ihrer attraktiven Kunst gehörten sie zu den ersten professionellen Werbern des beginnenden „Tourismus“: Wohlhabende wollten nun all die großartig dargestellten Landschaften auch selbst sehen. Die neuen Drucktechniken der Lithografie, des Stahl- und Holzstichs lieferten zudem große Auflagen von Ansichten: Diese neuen „Souvenirs“ machten auch für den zauberhaften Bodenseeraum Werbung.

Die heute als „Biedermeierzeit“ bekannte Epoche nach 1815 war von politischem Stillstand, rückwärtsgewandter Romantik sowie gesellschaftlichem Aufbruch gleichermaßen geprägt. Das Bürgertum zog sich in das kleine private Glück zurück. Hatte diese Zeitstimmung Wirkung auf die Arbeit der Künstlerinnen und Künstler? 

Ja, sehr sogar: Zum bürgerlichen Wohnzimmer gehörten Porträts der Liebsten. Das verschaffte vielen Künstlern Aufträge. Junge Frauen erlernten in der Konditionierung als künftige Hausfrauen nicht nur Haushaltsführung, sondern auch Zeichnen, Silhouettenschneiden, Sticken, also künstlerische Techniken – manche talentierte Künstlerin konnte aber ihre Kunstbegabung wegen der strikten Rollenfixierung von Frauen nicht zum Beruf ausbauen. Die Biedermeierzeit war aber auch innovativ: meist hochadlige Auftraggeber vergaben exquisite Aufträge an die besten Malerinnen und Maler, Porzellangestalter, Schmuck- und Möbeldesigner der Zeit: So entstand der zeitlos funktionale, bis heute elegante Biedermeierstil vor allem bei Möbeln, Glas, Porzellan und in der Mode.

Die Werke der Mosbruggers wurden zuletzt vor 52 Jahren ausgestellt. Wie viele Werke sind in der Ausstellung zu sehen und woher stammen sie?

Wir haben im gemeinsamen Bodenseekulturraum das Glück, mit Museen, Adelshäusern und privaten Sammlungen grenzenlos zusammenzuarbeiten. Leihgaben sind untereinander nie ein Problem. So können wir rund 120 Gemälde, zahlreiche exzellente Zeichnungen und Skizzenbücher sowie eindrucksvolle Alltagsgegenstände zeigen, die aus bedeutenden Sammlungen nach Konstanz gekommen sind.

Gibt es wieder einen begleitenden Dokumentarfilm?

Um diese heute fern und fremd erscheinende Welt des 19. Jahrhunderts vor allem für unsere jüngeren Zielgruppen anschaulich zu machen, haben wir einen unterhaltsamen Dokumentarfilm über unsere drei „Stars“ und ihr Leben gedreht. Der Film läuft erst im Museumskino, später auf unserem Youtube-Kanal, wo auch unsere bisherigen Filme etwa zur NS-Zeit, zur nicht nur lustigen Geschichte der Fasnacht und zur Revolution von 1848zu sehen sind.

Vielleicht noch ein Wort zur Finanzierung. Wie schaffen Sie den Spagat zwischen den Budgetkürzungen und dem Erschaffen dieses neuen Museumserlebnisses?

Etliche unserer Projekte werden nicht aus Steuergeldern finanziert, sondern aus Drittmitteln, so etwa der Doku-Film. Die von uns aufgebaute museumsnahe Siegert Stiftung, die Museumsgesellschaft, Schweizer Stiftungen und viele private Förderinnen und Förderer helfen uns, den Bildungsauftrag, den Museen und Galerien immer noch ernst nehmen, auf moderne, lebendige und auch unterhaltsame Weise zu erfüllen.

Herr Engelsing wir wünschen viel Erfolg mit der Ausstellung und danken Ihnen herzlich für das Gespräch.

Näheres zum umfangreichen Rahmenprogramm unter
www.rosgartenmuseum.de




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