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Zuhause nicht sicher – Stärker als Gewalt

09.12.2020 | QLT Redaktion

Foto: Jennifer Möhrle

Die Imperia erstrahlte in Orange, überall waren blaue Fahnenmit der Aufschrift „Frei leben ohne Gewalt“ zu sehen, Apotheken verteilten kostenlose Pflastermäppchen mit dem Aufdruck „Pflaster sind gut – Beratung ist besser“, die Stadtverwaltung veröffentlichte das Video„Sag Nein zu Gewalt!“, in der Stadt wurde Informationsmaterial zum Hilfetelefon und zur bundesweiten Kampagne „Stärker als Gewalt“ verteilt.

So haben auch 2019 die Meldungen über Gewaltvorfälle an Frauen wieder zugenommen. Dennoch wird Gewalt gegen Frauen oft bagatellisiert oder ignoriert. Die Folge: Betroffene sprechen aus Scham und Angst nicht über das Erlebte. 2020 ist die Situation durch die Covid19-Pandemie nicht einfacher geworden. Die aktuelle Corona-Krise stellt viele Familien und Partnerschaften vor große Herausforderungen. Einschränkungen im Alltag und ungewohnte Tagesabläufe sowie Unsicherheit sorgen für Anspannung. Auch Zukunftsängste und finanzielle Sorgen verstärken den Stress. So kann es häufiger zu Streit, Aggressionen oder Gewaltausbrüchen kommen. Während des Lockdowns nahmen die offiziellen Meldungen zu Partnerschaftsgewalt zwar zunächst nicht signifikant zu. Die Fachwelt geht jedoch davon aus, dass diese Situation der häuslichen Isolation geschuldet war. Nach dem Lockdowns schnellten dann die Meldungen (zum Beispiel beim bundesweiten Hilfetelefon um 20% nach oben.

Alle fünf Minuten wird in Deutschland eine Frau misshandelt, gestalkt oder bedroht. Jede dritte Frau in Deutschland ist mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Jeden dritten Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem aktuellen oder ehemaligen Partner getötet. Betroffen sind Frauen aller sozialen Schichten und jeden Alters. Opfer von Partnerschaftsgewalt sind zu über 81 Prozent Frauen. Bei Nötigung und sexuellen Übergriffen in Partnerschaften sind die Opfer zu 98,4 Prozent weiblich, bei Stalking und Bedrohung in der Partnerschaft sind es fast 88,5 Prozent. Bei vorsätzlicher, einfacher Körperverletzung sowie bei Mord und Totschlag in Paarbeziehungen sind 77 Prozent der Opfer Frauen. Der internationale Aktionstag geht auf ein Ereignis in den 60er Jahren zurück. Lateinamerikanische und karibische Feministinnen riefen den 25. November zum Gedenktag der Opfer von Gewalt an Frauen aus. 1999 wurde der Gedenk- und Aktionstag offiziell durch die Vereinten Nationen aufgegriffen. Später initiierten diese die “Orange the World-Kampagne“. Die Farbe Orange symbolisiert dabei eine Zukunft ohne Gewalt gegen Frauen. Daher auch die aktuelle Aktion der Frauenvereinigung Soroptimist International in Konstanz, die die Imperia für zwei Wochen in Orange erstrahlen ließ. Die Frauen- und Menschenrechtsorganisation Terre des Femmes hat das Flaggen der blauen Fahnen initiiert, die in Konstanz seit rund 20 Jahren rund um den 25. November an vielen Orten in der Stadt gehisst wurden.

Wo gibt es Hilfe?

Lokale Anlaufstellen:

• Polizei, Tel. 110: Die Polizei hilft, kann Täter der Wohnung verweisen und vermittelt an Beratungsstellen oder hilft bei der Aufnahme im Frauenhaus.

• Frauen helfen Frauen in Not e.V., Tel.: +49 7531 679 99
Email: beratung@gewaltgegenfrauen.de

• Frauenhaus Konstanz (AWO): Tel.: Telefon: +49 7531 157 28

• Bundesweites kostenloses Hilfetelefon: 08000 116 016. Überregionale kostenlose und anonyme Hotlines. Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bietet weiterhin rund um die Uhr und in 18 Sprachen Beratung für Betroffene, für deren soziales
Umfeld und für Fachkräfte.

• Für Täter oder tatgeneigte Personen: Bundesweite kostenfreie Hotline 08000 116 016. (Montag bis Freitag, jeweils 9 -18 Uhr). Für Menschen, die befürchten, eine Straftat zu begehen. Insbesondere Personen, die zu Gewalt neigen oder Personen mit sexuellen Phantasien gegenüber Kindern können ein kostenloses und anonymes Angebot nutzen. Informationen: www.bevor-was-passiert.de



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