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Von Dürer bis heute. 150 Jahre Kunstsammlung Überlingen

14.09.2022 | QLT Redaktion

Otto Hierl-Deronco: Dame in Gelb, 1900
Das Gemälde wurde auf zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt, unter anderem 1905 auf der Biennale in Venedig. Städtische Sammlungen Überlingen

Städtische Galerie Fauler Pelz, 26. Mai – 20. November 2022

Zum Jubiläum präsentiert die Städtische Galerie Überlingen bekannte und unbekannte Höhepunkte aus der städtischen Kunstsammlung – vom Mittelalter bis heute. Die didaktische Ausstellung beleuchtet die Werke aus ungewohnten Perspektiven und nach thematischen Gesichtspunkten. Im Mittelpunkt stehen folgende Themen: „Modern oder antimodern? Die Regeln der Kunst“, „Dürer und sein Echo“, „Der Kampf der Frauen: Künstlerinnen von der Antike bis zum Feminismus“.

Der Begriff der „modernen Kunst“ existiert schon lange vor der Moderne, allerdings mit unterschiedlichen, je nach Zeit und Kontext variablen Bedeutungsschichten. Die Interpretation von „modern“ als progressiv und nonkonformistisch entsteht erst allmählich im späten 19. Jahrhundert, als parallel auch der Begriff „antimodern“ geboren wird.

Folgt die moderne Kunst gewissen „Regeln“?

Schon seit dem 15. Jahrhundert existieren einzelne Grundsätze und Kriterien zur Beurteilung der Qualität von Kunst, die bis in die aktuelle Gegenwart ihre zeitlose Gültigkeit bewahrt haben. Dazu gehört zuallererst die Kategorie des Schöpferischen: der Reichtum an Erfindungskraft als Qualitätsmaßstab, die Priorisierung der viel zitierten „Inventio“ beziehungsweise „invenzione“ (Bilderfindung) – eine kategorische Bedingung, deren Erfüllung bereits Leon Battista Alberti um 1435 von jedem Kunstwerk einfordert. Der seit den 1990er Jahren ein wenig überstrapazierte Terminus „Innovation“ greift diese Kategorie wieder auf, doch engt er den erweiterten und poesievolleren Begriff des Schöpferischen oder „Eigenschöpferischen“, wie Emil Nolde formuliert, ungewollt etwas ein.


Modern ausgedrückt galt und gilt: Jedes Kunstwerk sollte eine eigenständige künstlerische Haltung seines Schöpfers erkennen lassen. Ein weiterer Grundsatz lautet: Kunst darf nie gekünstelt, gewollt, angestrengt, bemüht wirken. Dies verbirgt sich hinter einem klassischen Leitsatz der italienischen Kunsttheorie seit der Renaissance: „L’arte consiste nel nascondere l’arte“ – sinngemäß übersetzt: Ein Kunstwerk sollte souveräne Leichtigkeit („sprezzatura“) ausstrahlen und den Augen des Betrachters die Anstrengung des Künstlers vorenthalten.

Ausstellungsdaten
Von Dürer bis heute.
150 Jahre Kunstsammlung Überlingen
Bis 20. November 2022

Städtische Galerie Fauler Pelz
Löwengasse / Landungsplatz
88662 Überlingen

www.staedtischegalerie.de



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