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Vom Suchen und Finden – Ausstellung bei THE VIEW

21.03.2019 | QLT Redaktion

Johannes Dörflinger setzt sich in seiner Kunst mit Bildern, Symbolen und Archetypen auseinander. Er ordnet dem Menschen elementare Bilder zu, die als Grund – oder Urformen zu verstehen sind und in ihrer archaischen Einfachheit tiefe symbolische Bedeutung haben. Der Künstler führt eine Welt vor Augen, in der Mensch, Natur und das Universum miteinander in Verbindung stehen und bietet mit seiner Kunst Orientierungspunkte in unserer modernen Welt. Dörflingers künstlerisches Oeuvre spannt sich vom Bildnerischen, Zeichnerischen über das Skulpturale bis hin zur Fotografie. Seine Schaffenszeit zieht sich über mehrere Jahrzehnte, die ihn gelehrt haben, dem künstlerischen Prozess zu vertrauen. Im gemeinsamen Gespräch schildert er die angesammelte künstlerische Erfahrung als eine Verschiebung vom „künstlerischen Suchen“ zu einem „künstlerischen Finden“ in seinen Arbeiten. Werke des Künstlers sind in Sammlungen der Tate Gallery, London, dem Guggenheim Museum in New York und der Albertina in Wien. Der Künstler arbeitet seit den 1990er Jahren mit Polaroid – Aufnahmen, eine Technik, die am Aussterben ist, da wechselnde Firmen die Polaroids produzieren und sich die chemische Zusammensetzung der Polaroids so über die Jahre verändert hat. Diese Veränderungen sorgen dafür, dass die Bildträger sich nicht mehr wie einst manipulieren und verfremden lassen. Johannes Dörflinger übermalt seine Polaroid – Aufnahmen, meist in Gelb, Rot, Grün und Blau, und lässt so eine neue Bildwelt entstehen. Seine Übermalungen bezeichnet er als „Transformationen“, was fast schon wie ein alchemistischer Prozess anmutet, bei dem aus der Veränderung von Stoffen ein anderer entsteht.

Seit den frühen 1970er Jahren bildet das Thema Tarot einen wichtigen Bestandteil in Dörflingers Werk. Er hat drei verschiedene Fassungen gefertigt: Tarot (1975), Tarot für Oskar Schlemmer (1988) und Tarot – Modelle für Groß – Skulpturen (2002). Die 22 Skulpturen entlang der Kunstgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen tragen die Namen der „Großen Arkana” – der Trümpfe des Tarot. Die insgesamt acht Meter hohen Skulpturen bestehen aus rostfreiem Edelstahl. Durch den besonderen Farbauftrag mit Kolibri -Rot changieren die Skulpturen – je nach Lichteinfall – von einem hellen Rosa bis zu einem tiefen Violett. Für die Betrachtung der Arbeiten ist es jedoch nicht erforderlich, das System des Tarot zu kennen. Die Namen der großen Arkana, z.B. Liebe, Gerechtigkeit, Tod, Wiedergeburt, Universum, sind jedem vertraut und bezeichnen uralte, grundlegende Themen der Menschheit.
Die Arbeiten von Dierk Maass sind stets ein Bekenntnis zum Echten. Er nutzt die Kamera wie der Maler seinen Pinsel. Dabei bearbeitet er seine Bilder nicht digital, sondern alle Effekte, ob Unschärfe, Überbelichtung oder Spiegelungen, wählt er als künstlerisches Stilmittel, um das Motiv hervorzuheben. So bricht er mit Sehgewohnheiten und entwickelt auf seine Weise eine eigenständige künstlerische Praxis. In der Serie „Upside Down“ spielt der Künstler Dierk Maass mit fotografischen und malerischen Elementen. Die Spiegelungen vermischen die Grenze zwischen dem eigentlichen Motiv und der optischen Illusion. Struktur und Farbpalette verleihen den Bildern eine besondere Spannung. Der Fokus des Fotografen richtet sich auf ein alltägliches Phänomen, durch seine künstlerische Sprache hebt er es aber in den Kontext des Besonderen. Die Fotografien von Dierk Maass erzählen die unterschiedlichsten Geschichten: vom Leben der Menschen an extremen Orten, von der Erhabenheit der Natur, aber auch von der Beziehung zwischen den beiden. In einer Zeit, in der wir Bilder leicht manipulieren und künstlich erstellen können, ist es eine Besonderheit, dass ein Fotograf mit den Gegebenheiten, die er vorfindet, arbeitet. Vielleicht ist dieses rare Bekenntnis zum Echten der Grund, warum die Werke von Dierk Maass solch eine Präsenz ausstrahlen.

Philippe Mahler kommt ursprünglich aus der Glasmalerei. Vielleicht rührt daher seine Faszination für die besondere Lichtführung in seinen Arbeiten. Seine Werke halten spezielle Lichtstimmungen fest und bestimmen damit wesentlich die Atmosphäre der Bilder. Durch den subtilen Einsatz von Licht und Schatten gelingt es Mahler, den Raum zu beleben und ganz im Bereich einer Malerei von Lichtwerten, Tönen und Klängen das Motiv zu komponieren. In seinen Werken sind räumliche Perspektiven zentral, bei denen er hauptsächlich stillebenhafte Arrangements, Landschaften und Intérieurs darstellt. Die Bilder befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen räumlicher Öffnung und Begrenzung und thematisieren in einer sinnlichen Dimension bühnenartige Räumlichkeit.


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Sonett

Philippe Mahler beschäftigt sich seit langem konsequent mit existentiellen Themen. Seine Fokussierung auf die alltägliche kontemplative Stimmung strahlt eine besondere Poesie aus. Mahlers Arbeiten haben etwas Rätselhaftes, da in keinem der Werke Menschen anwesend sind, ihre Präsenz aber doch zu erahnen ist. Auf den ersten Blick realistische Darstellungen erweisen sich die Malereien bei näherer Betrachtung als imaginäre, innere Bilder. Die menschenleeren Motive sind individuelle Reflexionsflächen für den Betrachter, eine Einladung, den eigenen Gedanken freien Lauf zu lassen. Die Werkbetrachtung wird so zu einem sinnlichen Erlebnis. Auf den ersten Blick scheinen die Bilder völlig harmonisch zu sein, betrachtet man jedoch die Details genauer, fallen einem Brüche, Farbabweichungen und andere Kontraste auf. Der Künstler bemerkt dazu: „Vieles in meinen Bildern stimmt nicht, z. B. gehen die Türen gar nicht zu. Doch das Gesamtbild muss passen. Damit dieses stimmt, muss man entweder alles richtig machen – oder gar nichts“. Die Bilder halten die Balance zwischen Harmonie und Bruch gut aus.

Werner Schlotters Arbeitsfelder sind Holz -, Stein- und Bronze Skulpturen sowie Terrakotta -Plastiken und Zeichnungen. Ihm geht es in seinem bildnerischen Schaffen um die Auseinandersetzung mit der Beschaffenheit des jeweiligen Materials. Da er in seinen Arbeiten eine Vielzahl an Materialien nutzt, wandelt sich seine künstlerische Sprache von Werk zu Werk: Mal erkennt man eine Tendenz zum Abstrakten, eine Rückbesinnung auf archaische Formen, Mal einen minimalistischen Stil. Seine Plastiken tragen häufig keinen Titel, eine Form einen eingrenzenden Kontext zu verweigern und den Betrachter so herauszufordern, mit dem Werk eine Beziehung einzugehen. Seine Zeichnungen sind sowohl skizzenhafte Kohle – Acryl – Bilder, als auch Zeichnungen in Bleistift, Kreide oder Ziegelpigment. Werner Schlotter kann man in seiner Arbeitsweise fast als einen Archäologen und Sammler bezeichnen. Denn seine Werke gestaltet er aus persönlich gesammeltem Material: Backsteinen und Ziegeln. Dabei handelt es sich um die letzten Zeugnisse von meist zerstörten Gebäuden. Die Fundstücke sind von ihrem ersten „Leben“ als Baustücke noch gezeichnet. Zementreste, Bruchstellen, Kerben und Risse erzählen von einer Zeit bevor sie ihren Eingang in die Kunst gefunden haben. Die Arbeiten von Werner Schlotter sind von einer besonderen Materialität geprägt. Form und Werkstoff gehen eine Verbindung ein und bestimmen miteinander den gestalterischen Prozess. Die archaischen Formen, die dabei entstehen werden von den Spuren der Bearbeitung durch den Künstler noch unterstrichen. Dem Ausstellungstitel entsprechend hat auch seine Arbeitsweise viel mit dem Aspekt des Findens zu tun: „So entdecke ich immer wieder neu formbestimmende Kräfte im Stoff, Materialstruktur und – textur, die ich in die Formentwicklung einbeziehen kann.“ Es ist, als ob er mit seinen Werken in einem engen Dialog steht und diese ihm verraten, wie sie von ihm geformt werden möchten. Formentwicklung einbeziehen kann.“ Es ist, als ob er mit seinen Werken in einem engen Dialog steht und diese ihm verraten, wie sie von ihm geformt werden möchten.

Informationen für Besucher:
Laufzeit 28.3 bis 3.5. 2019
Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr
Eintritt frei
Kontakt: The View Contemporary Art
Fruthwilerstr. 14
CH – 8268 Salenstein
T +41 (0)71 669 19 93
info@the-view- ch.com
www.the-view-ch.com

Bild: Philippe Mahler, Pandora, 2015, Öl auf Leinwand



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