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THEATER KONSTANZ – RESPEKT IST ZUMUTBAR. IMMER.

14.09.2022 | QLT Redaktion

Ingo & Miguel, Foto: Ilja Mess

Team Becker startet in die dritte Spielzeit. Auch wenn in den ersten beiden Spielzeiten nicht immer alles wie geplant stattfinden konnte, so durften doch viele Erfolge gefeiert werden – sowohl beim Publikum als auch bei der Presse. „Jeder stirbt für sich allein“ nach dem Roman von Hans Fallada, „Nibelungenleader“ von Kristo Šagor, „Anna Karenina“, Jelineks „Das Licht im Kasten“, das schräge Musical „The Black Rider“ sowie die beiden Inszenierungen auf dem Münsterplatz „Viel Lärm um nichts“ und „Nosferatu“ – um nur einige zu nennen.


Hausregisseur Kristo Šagor wurde mit der Uraufführung „Der fabelhafte Die“ von Sergej Gößner gleich zu mehreren Festivals eingeladen, u.a. zu den Mülheimer Theatertagen und dem Festival Schöne Aussicht in Stuttgart. Ein weiterer Erfolg: Trotz Corona konnte das Theater Konstanz 170 neue Abonnenten gewinnen.

Die Spielzeit 2022/2023 wurde unter das Motto „Respekt ist zumutbar. Immer.“ gestellt, das einem Essay von Carolin Emcke entnommen ist. Die soziale Ungerechtigkeit nimmt zu. Positionen verhärten sich. „Wir müssen uns wieder gegenseitig Gehör schenken. Mit Respekt streiten und den eigenen Standpunkt immer wieder aufs Neue infrage stellen“, wie Intendantin Karin Becker im neuen Spielzeitheft schreibt.

Dem Publikum werden in der kommenden Spielzeit 22 Premieren, davon 7 Uraufführungen und eine deutschsprachige und eine deutsche Erstaufführung präsentiert. Von Kammerspiel, Schauspiel, Komödie, Musical, Kinder- und Jugendstücken bis zu mobilen Theaterabenteuern ist wieder ein breites Spektrum geboten. Eröffnet wird die Spielzeit am 23.9. im Stadttheater mit einem Klassiker: „Der zerbrochne Krug“ in der Regie von Schirin Khodadadian, die bereits „Jeder stirbt für sich allein“ in Konstanz inszeniert hat. Die scheinbare Provinzposse um Korruption, Lug und Betrug entpuppt sich rasch als Drama um Macht und Machtmissbrauch, in dem Positionen gesichert und Verhältnisse zementiert werden.

In der Werkstatt startet das Theater Konstanz am 24.9. mit der Uraufführung „KARL!“ – eine Stückentwicklung von Susanne Frieling und Hannah Stollmayer. Etwa 2 Millionen Kinder in Deutschland leben mit einem Geschwisterkind mit Behinderung. Ihr Beitrag zur sozialen Teilhabe ihrer Geschwister ist enorm. Sie selbst und ihre eigenen Bedürfnisse werden jedoch oft nicht wahrgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Theater HORA aus Zürich, richtet Regisseurin Susanne Frieling mit „KARL!“ den Blick auf diesen blinden Fleck.

Am 15.10. wird dann das Junge Theater Konstanz in der Spiegelhalle mit „und alle tiere rufen: dieser titel rettet die welt auch nicht mehr“ von Thomas Köck für Publikum ab 14 Jahren eröffnet, inszeniert von Hausregisseur Kristo Šagor. Eine Bestandsaufnahme, bei der die Empörung überwiegt. Wir Menschen hätten es ja in der Hand, etwas zu ändern, oder nicht?

www.theaterkonstanz.de



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