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Theater für junge Menschen – mit Anspruch und Spaß

10.11.2021 | QLT Redaktion

Wunschpunsch, Foto: Ilja Mess

Gleich drei Inszenierungen für Kinder und Familien stehen am Theater Konstanz in den nächsten Wochen auf dem Plan. Und das hat nicht nur mit den traditionellen Stücken in der Vorweihnachtszeit zu tun.

Seit Mitte der 1990er Jahre entstehen Theaterstücke für ein junges Publikum nicht mehr ausschließlich an speziellen Kindertheatern oder in der Vorweihnachtszeit. Zu den Vorreitern gehört das Theater Konstanz, das schon 1989 das „Junge Theater Konstanz“ (JTK) gründete. Seit der Spielzeit 2020/2021 leitet Autor und Hausregisseur Kristo Šagor das JTK, dessen theaterpädagogische Abteilung nicht nur die speziellen Angebote für Kinder und Jugendliche begleitet, sondern auch im Erwachsenentheater beratend tätig ist. Das JTK bietet einerseits professionelles Theater für ein junges Publikum, andererseits mit den verschiedenen Mitmachclubs eine Spielwiese für Kinder und Jugendliche, auf der sie sich mit eigenen Stücken und Formaten ausprobieren können.

Über die gesamte Spielzeit hinweg zeigt das JTK Stücke für junge Theaterfans ab drei Jahren in allen drei Spielstätten des Theaters sowie mobile Produktionen in Schulklassen und Kindergärten.

Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch
Schon in der letzten Spielzeit wollte das Konstanzer Theater Michael Endes Zaubermärchen mit verblüffend aktueller Brisanz präsentieren. Doch dann funkte der Lockdown dazwischen und sorgte für Enttäuschung sowohl beim Publikum als auch beim Theaterensemble. Nun endlich ist es soweit. Das Familienstück „Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ feiert am 14.11. im Stadttheater Premiere und wird Kinder ab 6 Jahren in seinen Bann ziehen. Alles beginnt in der Villa Alptraum des Zauberrates Beelzebub Irrwitzer, der noch mindestens eine neue Seuche in die Welt setzen und das Klima so manipulieren will, dass entweder Dürreperioden oder Überflutungen entstehen. Denn es ist Silvester, er hat sein Soll an Bösem noch nicht erfüllt und deshalb steht der teuflische Gerichtsvollzieher auf der Fußmatte. Ebenso seine Tante Tyrannja Vamperl, mit der er sich nun zusammenraufen muss. Düstere Aussichten für die Welt. Doch da erscheinen Kater Maurizio und Rabe Jakob, die vom Hohen Rat der Tiere entsandt wurden, um den besorgniserregenden Vorgängen auf der Erde auf den Grund zu gehen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Maurizio und Jakob sollen gemeinsam wieder Licht und Farbe in die Welt bringen!

„Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch“ erschien 1989 als Michael Endes letzter vollendeter Roman. Seine komödiantische Verarbeitung einer tödlichen Bedrohung wirkt heute frischer und aktueller denn je und erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Den Theaterliebhaber Ende hätte womöglich besonders gefreut, dass der Wunschpunsch immer wieder neu auf die Bühne gestellt wird.

Noch mehr Kindertheater
Für Kinder ab 3 Jahre inszenieren Barbara Fuchs und Jörg Ritzenhoff „Angeknipst!“, ein musikalisch-maschinelles Tanz- und Figurentheater (ab 21.11. in der Werkstatt). Hier rappelts im Karton! Der Saug-Roboter, der alles auf der Bühne in sich hineinschaufelt, will endlich zum Einsatz kommen. Der Multi-Roboter, der singen und tanzen kann, möchte am liebsten eine Party mit ganz vielen Kindern veranstalten. Und der chaotische Trash-Roboter, der aus Müll Musik macht, plant seinen großen Auftritt.

Und in der Spiegelhalle ist noch bis 26.11. für ein Kinder- und Erwachsenenpublikum ab 10 Jahren „Der fabelhafte Die“ von Sergej Gößner in der Regie von Kristo Šagor zu sehen. So bunt wie das Leben selbst – zwischen Geschichtenkaleidoskop, Zirkus backstage und großer Show! Mit dem stärksten Mann der Welt, der gerne Socken stopft, der Ente Klaus, die alle für einen Schwan halten und einigen mehr. Gößners Geschichten entlarven so manche Schublade, die wir im Kopf haben.

Familien und Gesellschaft, Liebe und Leidenschaft
Ein vielseitiges Angebot wird auch im Erwachsenentheater präsentiert. So ist im Großen Haus ab 29.10. „Anna Karenina“ von Armin Petras, nach dem gleichnamigen Roman von Leo Tolstoj, zu sehen. Petras hat aus Tolstojs Gesellschaftspanorama der Belle Époque ein Theaterstück destilliert, in dem es um die zeitlose Sehnsucht nach der großen, alles aus- und erfüllenden Liebe geht.

Danach folgt hier ab 26.11. die Kriminalkomödie von John Buchan und Alfred Hitchcock „Die 39 Stufen“, ein rasantes und ein turbulentes Theatervergnügen. Das Leben des Londoner Junggesellen Richard Hannay ändert sich schlagartig, als ihm ausgerechnet im Theater die mysteriöse Annabella buchstäblich in den Schoß fällt. Von der Polizei als Mörder gesucht, vom Spionagering „39 Stufen“ gejagt, flüchtet er durch das Vereinigte Königreich bis in die schottischen Highlands, läuft über fahrende Züge, duckt sich unter angreifenden Doppeldeckern weg, rettet sich durch Wälder und Moore und landet schließlich wieder zum Showdown im Londoner Palladium. Vier Schauspieler in 39 Rollen nehmen uns mit auf die abenteuerliche und halsbrecherische Reise dieses Helden wider Willen. 

In der Werkstatt begeistert weiterhin „All das Schöne“. In diesem wunderbaren Stück beginnt ein siebenjähriger Junge mit einer Liste, auf der alle Dinge stehen, die das Leben lebenswert machen. Die Liste endet im Erwachsenenalter bei einer Million Dingen wie Eiscreme, Vinyl Schallplatten, der Geruch von alten Büchern oder Die ganze Nacht durchreden. Dem britischen Autor Duncan Macmillan ist es gelungen, einen lebensbejahenden Monolog über das todernste Thema Suizid zu schreiben – hinreißend komisch, berührend und niemals sentimental. Ungestüm spielt sich Dominik Puhl in die Herzen des Publikums, das es ihm mit Standing Ovations dankt.

Währenddessen gelangt in der Spiegelhalle ab 11.12. „Muttersprache Mameloschn“ zur Aufführung. „Kein Mensch, nur eine Mutter, schafft es, dich jederzeit mit einem Halbsatz zu töten.“ Dieses Zitat von Maxi Obexer hat Sasha Marianne Salzmann ihrem Stück vorangestellt. Mit viel Humor erzählt sie darin von drei Generationen: Großmutter, Mutter und Tochter, die nicht mit, aber auch nicht ohne einander können – eine
typische Familie eben.

Tickets:
Theaterkasse Kulturkiosk Wessenbergstr. 41
Telefon +49 (0)7531 / 900 2150

Öffnungszeiten:
Di – Fr: 10 – 18:30 Uhr
Sa: 10 – 13 Uhr

www.theaterkonstanz.de



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