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Theater die Färbe – CORONA-PAUSE VERLÄNGERT

21.12.2020 | QLT Redaktion

Alexander Klages in der Rolle des Cyrano de Bergerac

CORONA-PAUSE VERLÄNGERT BIS 10.1.2020. Wieder einmal melden wir uns aus einem Lockdown, von dem zur Stunde niemand weiß, wie lange er angesichts der beängstigenden Infektions-Zahlen andauern wird. Und gerne hätten wir Ihnen längst von unseren aktuellen Aktivitäten und Vorhaben berichtet, wenn diese nicht fast wöchentlich durch neue Meldungen und Corona-Maßnahmen ausgebremst oder hinfällig geworden wären.

Seit einem Dreivierteljahr ist nichts mehr so, wie es einmal war: nach der ersten Schließung im Früh- jahr hatten wir im Sommer Gelegenheit für einen Neuanfang in der „Gartenlaube“, unserer eigens für das musikalisch-literarische Kabarett „Wochenend’ und Sonnenschein …“ eingerichteten neuen Spielstätte im Freien. Die Besucher kamen in großer Zahl (wie es die Corona-Beschränkungen eben erlaubten) und teilten unsere Lust, wieder Theater erleben zu dürfen und unsere Vorfreude auf die neue Spielzeit. Diese eröffneten wir im September mit einem Gastspiel des legendären Schweizer Duos Dodo Hug & Efisio Contini. Tags darauf fand unser alljährliches Theaterfest zum Spielzeitbeginn statt, wobei ich Gelegenheit hatte, das Ensemble, die Mitarbeiter, den neuen Spielplan und unsere vielen weiteren geplanten Vorhaben zu präsentieren, dabei auch mich selbst als neue Theaterleiterin und Geschäftsführerin der Färbe. Dank guten Wetters konnten wir das Fest im Färbegarten feiern (für ausgelassene Stimmung und Unterhaltung sorgten die Dieter Rühland Band und die Schauspieler) und mußten keinen der vielen angemeldeten Gäste wegschicken.

Am 2. Oktober war es dann so weit: mit „Kunst“ von Yasmina Reza fand die erste Premiere dieser Spielzeit in der Färbe statt – mit coronabedingten 40 Plätzen und vor einem begeisterten Publikum. Diese Produktion sollte der Anlaß für ein interdisziplinäres Projekt sein: die Zusammenarbeit von Regisseur Klaus Hemmerle und dem Künstler und Bühnen-bildner Harald F. Müller brachte die Idee hervor, Museen bzw. „Kunst“-Stätten in Singen einzubinden, nicht zuletzt um eine Verbindung der Singener Institutionen zu schaffen. So gastierte das Färbe-Stück in der Atelierhalle stratozero und im Museum Art & Cars MAC. Danach war man sich einig, daß dies nicht zum letzten Mal gewesen sein sollte. Leider fiel das letzte Gastspiel im Kunstmuseum dem Lockdown Anfang No-vember zum Opfer. Doch sicherlich werden wir mit Christoph Bauer einen Ersatztermin in 2021 finden und hoffen wieder auf die Unterstützung von Siegmund Kopitzki, der bei den anschließenden Publikumsgesprächen für eine glänzende Moderation gesorgt hatte. Nach Möglichkeit zeigen wir das Stück auch noch einmal in der Färbe, wo die Vorstellungsserie durch die Corona-Schließung Ende Oktober ein jähes Ende fand. Einige Zuschauer, deren Auffüh-rungstermine abgesagt werden mußten, haben bereits angefragt.

Mit einer Präsentations-Veranstaltung für Lehrer am 6. Oktober gab es den Auftakt für weiteres Neuland, das das Theater „Die Färbe“ mit dem Klassenzimmerstück „Die Eisbärin“ von Eva Rottmann be-treten hat: wir gastieren an Schulen in Singen und Umgebung und überraschen die Schüler mit dem rotzfrechen Auftritt einer Blog-gerin über Mobbing, Selbstfindung und den Umgang mit sozialen Medien. Leider mußten wir die Buchungen wegen Corona erst einmal stornieren und konnten bisher nur zwei Aufführungen spielen. Doch wir bieten das Stück für „die Zeit danach“ noch bis mindestens Schuljahresende an. Zur Deckung unserer Produktions-kosten erhalten wir dankenswerterweise Hilfe vom Kulturbüro der Stadt Singen, der Kriminalprävention sowie der Schulsozialarbeit. Und ein großer Dank an Stephan Glunk, der uns bei der Umsetzung mehr als tatkräftig unterstützt hat!

Am 1. November wurden alle Kultureinrichtungen, also auch die Theater (in unserem Fall doppelt dramatisch: auch die Gastronomie!) erneut geschlossen. Ensemble und Regisseur sind unter Vertrag, die Premiere von „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand war für den 4. Dezember vorgesehen. Da weder am 1. noch am 21. Dezem-ber an ein Ende des Lockdowns zu denken war (und inzwischen leider auch niemand mehr an den 10. Januar 2021 richtig glauben mag), haben wir den November genutzt: Regisseur Andreas von Studnitz und die Schauspieler Alexander Klages (Cyrano), Milena Weber (Roxane), Reyniel Ostermann (Christian), Elmar F. Kühling (de Guiche) und Daniel Leers (Le Bret, Montfleury, Kapuziner) haben die Inszenierung in der Basilika fertig gestellt. Es fand am 1. Dezember eine interne Premiere statt – ohne Zuschauer und ohne Presse – also mit einem Wort keine richtige Premiere. Diese bringen wir zeitnah heraus, sobald die Theater wieder spielen dürfen. Andreas von Studnitz, der ei-gens für die Basilika eine Singener Fassung von Rostands „Romantischer Komödie“ geschrie-ben hat, wird zurückkommen, die Endproben leiten und Ihnen seine Inszenierung präsentie-ren, auf die Sie wirklich sehr gespannt sein dürfen!

Die Basilika wird von der Stadt Singen gerade renoviert, und mit ein bißchen Glück sind die Außenarbeiten bis dahin fertig gestellt. Die Größe des Raumes bietet optimale Voraus-setzungen, um den coronabedingten Abstand mit allen Hygienevorschriften gewissenhaft umzusetzen. Wegen Corona wird es reservierte Plätze ge-ben, und natürlich hoffen wir sehr, daß dann auch wieder eine kleine Bewirtung möglich sein wird.

An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, daß die Zusammenarbeit mit den Betreibern des Gasthauses Sonne SabitDedaj und XhevatKrasniqi für uns ein wirklicher Glücksfall ist. Und wir wünschen uns sehr, daß die beiden Gastronomen baldmöglichst Gelegen-heit haben, die Färbe-Kneipe neu zu beleben und für eine angemessene Bewirtung in der Basilika sorgen können. Übrigens:derzeit bieten sieim Gasthaus Sonne einen attraktiven Liefer- und Abholservice an! Geplant ist, daß parallel zur Basilika-Produktion in der Färbe Gastspiele in kleiner Besetzung stattfinden: so beispielsweise die Komödie „Mona Lisa ohne Rahmen“ von Thomas Rau mit Dina Roos und Michel Wyss. Diese sollte unser Feiertagsprogramm zwischen den Jahren sein, nachdem sie im März wegen Corona schon einmal ausfallen mußte. Außerdem sind wir in Verhandlung mit der Konstanzer Schau-spielerin Anne Simmering, die mit ihren Solo-Stücken in der Färbe auftreten wird.

Seit 1. Dezember sind wir in Kurzarbeit, sind mit unserem Büro in neue Räume umgezogen, haben den Fundus aufgeräumt und machen Pläne für die Zukunft. Nach der Cyrano-Premiere sollen die Proben zu „Der Trafikant“ von Robert Seethaler beginnen, ein wunderbares Stück, das u.a. in den nächsten Jahren Abiturslektüre sein wird. Im Anschluß ist eine Uraufführung unter dem Arbeitstitel „Bauernopfer“ von Detlef Vetten geplant. Der Münchner Journalist und Autor hat sie uns angeboten, nachdem ihn seine letzte Zusammenarbeit mit uns vor zwei Jahren vollkommen begeistert hatte. Ob es danach noch ein Sommerstück, ggf. im Färbegarten geben wird, ob wir alle Pläne umsetzen kön-nen oder auf später verschieben müssen, hängt in der Tat vom Infektionsgeschehen der kommenden Zeit und den damit verbundenen Maßnahmen ab …

Selbstverständlich soll es in der Zukunft auch wieder den Jazz Jour Fixe geben, die Kooperation mit den städtischen Bibliotheken möchten wir erhalten und ausbauen: Autorenlesungen in der Färbe und in der Basilika, Lesungen der Färbe-Schauspieler bei Bibliotheksveranstaltungen, Vorlese-Nachmittage mit neuer oder klassischer Kinder-Literatur in der Bibliothek. Das Abonnement Supplément zur grenz-überschreitenden Zusammenarbeit mit dem Stadttheater Schaffhausen soll neu aufgelegt werden, ein Auftritt im Rahmen des Gems Open Air ist verabredet, und bei „Kunst“ haben wir bereits je eine Matinée-Vorstellung am Sonntag für jedes Stück eingeführt.

www.die-faerbe.de



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