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STADTENSEMBLE – Das soll Ihre Bühne werden!

14.10.2020 | QLT Redaktion

Die Initiatorinnen auf der Rheinbrücke, passend zum Thema des Stückes für das Stadtensemble

„Idealerweise entsteht Kunst“. Das ist die Idee, die hinter der Neugründung des „Stadtensembles“ vom Stadttheater Konstanz steht.

Dieses neue Ensemble des Stadttheaters soll aus Menschen der Stadt bestehen. Keine Schauspieler, sondern Menschen, die Lust haben, leidenschaftliches und ehrliches Theater zu spielen. Den Teilnehmenden wird die Möglichkeit gegeben, unter professionellen Bedingungen einen eigenen Theaterabend zu entwickeln. Dies gemeinsam mit der Regisseurin Anne-Stine Peters aus Hannover und Tanja Jäckel, die als Tanz- und Theaterpädagogin und Regisseurin am Jungen Theater tätig ist. Ziel dabei ist aber nicht, die Teilnehmenden als professionelle Schauspieler auszubilden. Es geht nicht darum, das perfekt gespielte Stück auf die Bühne zu bringen. Den Initiatorinnen ist wichtig, dass Gefühle von der Bühne ins Publikum gebracht werden. Es geht um die Geschichten der einzelnen Teilnehmer*innen. Um die Erfahrungen, den Austausch der Generationen. Es geht um Grenzen, die inneren und die äußeren und es geht um Grenzüberwindung. Diese Themen sollen im Rahmen des Stückes „Hin und Her“ des Schriftstellers Ödön von Horváth behandelt werden. Das Stück entstand 1933 vorerst unter dem Namen „Brücke“ und handelt im Ursprung von zwei Staaten, die ein Grenzfluss teilt. Der Protagonist, ein Abgeschobener, darf weder in das eine, noch in das andere Land einreisen – er kann also nicht hin und nicht her. Da die Initiatorinnen aber vor allem mit den Geschichten der Menschen arbeiten wollen, dient das Stück als schützende Basis und wird nicht nachgespielt.

Unsere Grenzen
Das Stück wird in Bezug auf die Grenze zwischen der Schweiz und Konstanz gesetzt, die Anfang des Jahres geschlossen war. Die Intendantin Karin Becker will in den Dialog mit den Menschen gehen und die verschiedenen Grenzwahrnehmungen, vor allem der Generationen, auf die Bühne bringen. Welche Erfahrungen haben die Teilnehmenden mit dieser Grenze gemacht? Welche Grenzen haben die Menschen in der Vergangenheit miterlebt? Welche verschiedene Arten von Grenzen gibt es und wie kann man diese überwinden?

„Teilhaben, nicht nur teilnehmen“
15 bis 20 Teilnehmer*innen sollen Teil des Stückes werden. Bei einem Kennenlern-Workshop am 10.10. und 11.10. hatten die Interessierten die Möglichkeit, das Konzept kennenzulernen und sich vorzustellen. Von 16 bis 99 Jahren war jeder willkommen. Die Initiatorinnen freuen sich über ein breites Generationenspektrum und über Vielfältigkeit. Mehrere Monate werden die Proben unter professioneller Anleitung stattfinden. Wichtig ist dem Stadttheater auch, dass die Menschen teilhaben und nicht nur teilnehmen. Es soll zum Stück dieser Menschen werden, die Geschichten derer erzählen und schließlich auch in den normalen Spielbetrieb aufgenommen werden.

Die Uraufführung ist am 10.4.2021 in der Spiegelhalle angesetzt.

www.theaterkonstanz.de

Text/Foto: Lilli Blank



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