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Patrick Manzecchi – Talking to Myself

14.12.2022 | QLT Redaktion

Patrick Manzecchi wurde 1969 in Paris geboren und lebt seit 1977 in Konstanz. Seine Mutter ist die Künstlerin Mimi Manzecchi, sein leiblicher Vater war der 1979 verstorbene Jazzdrummer Franco Manzecchi, der mit Chet Baker und Stéphane Grappelli gearbeitet hat. Manzecchi Jr. kann ebenfalls hochkarätige Referenzen aufweisen, wie beispielsweise Sheila Jordan, Sebastian Studnitzky und Paolo Fresu. Seine neuste CD „Talking To Myself“ hat er solo in Konstanz eingespielt und beim Label Element 113 in Freiburg herausgebracht. Erhältlich ist sie als CD via manzecchi.de und als Download via e113.eu und allen weiteren, gängigen Plattformen. QLT verlost 3 CDs und wünscht swingende Weihnachten. Einsendungen an gewinnspiel@qlt.de unter dem Stichwort „Solo Drums“. Einsendeschluss ist der 21. 12.

QLT: Patrick, wir kennen uns seit Jahrzehnten und ich muss zugeben, dass ich Dein neues Album noch nicht gehört habe. „Talking to Myself“ – was muss ich mir darunter vorstellen?

PM: Der Versuch mich aus der Rolle des gewohnten Sideman zu lösen, den man kennt. Steilvorlage dabei war natürlich die Pandemie. Ich weiß mittlerweile gar nicht mehr wie viele geplante Konzerte und Tourneen abgesagt wurden. Aus der Not eine Tugend zu machen, war zwar ein kleiner Trost, aber naheliegend. Und so habe ich aus über 120 Drum Soli einen Gesamtbogen von etwa 45 Minuten geschaffen, was gar nicht einfach war. Ich will meine Zuhörer ja nicht langweilen, sondern einladen genauer hinzuhören. Mein Schlagzeugspiel ist ohnehin nicht technisch angelegt, noch nie gewesen. Eher lass ich mich motivisch treiben, entwickle Melodien, spiele mit überraschenden Effekten, impliziere Ruhe und Gelassenheit. Keinesfalls will ich beliebig klingen. Kreativ, aber stets swingend. Das wollte ich versuchen einmal festzuhalten.

QLT: Wie fühlt sich das an, in Corona Zeiten ein Album zu produzieren? Woher hast Du die Energie und die Inspiration genommen?

PM: Wie gesagt, Corona hat einen ja geradezu verdammt, sich auf sich selbst zu besinnen. Daher war die Auseinandersetzung mit meinen eher schnell und spontan eingespielten Soli irgendwo auch Reduktion auf mein ureigenstes Schlagzeugspiel. Die zwei Tage Studio waren irrelevant, das war eher easy. Dann aber erst einmal ruhen lassen, und dann kam die
eigentliche Hauptarbeit: abhören und nochmals abhören, aussuchen, aussortieren, abmischen, ganze 24 Soli kombinieren, um einen musikalischen Bogen und eine Gesamtstimmung und damit auch eine künstlerische Aussage zu schaffen. Außerdem war mir ein natürlicher Sound wichtig. Das ist bei den heutigen Hörgewohnheiten gar nicht mehr so selbstverständlich, die meisten Studiosessions klingen mittlerweile wie aufgeblasene Schuhkartons. Für mich passt es aber, für den Zuhörer hoffentlich auch.

QLT: Dein großes Vorbild ist Dein legendärer Vater Franco Manzecchi, dem Du diese Produktion auch gewidmet hast. Wer hat Dich über ihn hinaus am meisten inspiriert?

PM: Willst Du Namen hören? Vielleicht die Schlagzeuger Elvin Jones, Tony Williams, Daniel Humair, Philly Joe, Peter Erskine. Aber auch deutsche Drummer wie Holger Nell, Jochen Rückert, Wolfgang Haffner – man muss manchmal gar nicht so weit suchen. Und natürlich meine Eltern. Meine Mutter, die Künstlerin Mimi, und ihr Mann, der Architekt Fery Müller, haben mich in meiner Haltung stets be- und gestärkt. Außerdem all meine Begegnungen mit guten Musikern und Musikerinnen.

QLT: Ich habe Dich außerhalb des Jazz auch von einer ganz anderen Seite erlebt. Das Konzert mit Paul Amrod und Dir zusammen mit der unvergleichlichen „James Brown Horn Section“ (Pee Wee Ellis & Fred Wesley) war für mich eines der Highlights im Konstanzer Kulturzentrum. Der mittlerweile verstorbene Pee Wee gilt als Erfinder des Funks, mit Rose Ann Dimalanta (aka RAD) war auch die Keyboarderin von Prince auf der Bühne. Inwieweit schlägt Dein Herz auch für den Funk?

PM: Sehr! James Brown, Kool & The Gang, Earth Wind & Fire, Johnny Guitar Watson… sagenhaft. Ich liebe einfach gute Musik. Da mache ich keinen Unterschied, stilistisch betrachtet. Im Pop und Rock Bereich mag ich außerdem Santana, The Doors, David Bowie, Fischer Z. Auch guten HipHop schätze ich sehr. In der Klassik schlägt mein Herz besonders für Debussy, Ravel und Strawinsky. Im Jazz für Duke Ellington, Charlie Parker, Dizzy, Miles, Coltrane, Cannonball, Weather Report, Jan Garbarek… ach, so viele.

QLT: Was haben wir darüber hinaus von Dir zu erwarten? Rastlos, wie ich Dich kenne hast Du sicher noch weitere spannende Projekte im Kopf?

PM: Erst einmal bin ich mit der großartigen indonesischen in München lebenden Violinistin Luluk Purwanto zu hören, im Konstanzer Kunstverein am 13.1. aber auch mit Bernhard Gedrat im K9/Paulskirche. Auf den New Yorker Trompeter Joe Magnarelli freue ich mich auch schon sehr! Wir sind Mitte / Ende Februar bis Anfang März auf großer Deutschland- Tournee, bei der wir auch in Konstanz Halt machen, und zwar am 3.3. in meiner Reihe „Jazz im Kulturzentrum“. Ansonsten sind weitere Projekte geplant, u.a. mit Sandy Patton und Joo Kraus. Mit Paul Amrod, aber auch mit Alex Behning, beide aus Konstanz, bin ich derzeit auch dabei, etwas auszubaldowern. Dazwischen 2-3 CD-Einspielungen, wenn alles reibungslos abläuft. Spätestens zum Jahresende bin ich hierzulande wieder mit der HS French Connection unterwegs, wie unlängst ja auch. Wenn es doch noch klappt, dann vorher schon in Frankreich und Belgien. Darauf freue ich mich wirklich sehr, haben wir doch auch erst eine neue, sehr schöne CD herausgebracht.

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