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NOSFERATU – Schauermär für Ensemble und Blaskapelle

11.05.2022 | QLT Redaktion

Foto: Ilja Mess

OPEN AIR AUF DEM KONSTANZER MÜNSTERPLATZ

Bei der Uraufführung von „Nosferatu“ verwandelt sich der Münsterplatz
wieder in eine fantastische Bühne. Und es wird so richtig schön gruselig,
wenn die „Schauermär für Ensemble und Blaskapelle“ für genüssliches
Schaudern sorgt.


Theater auf dem Münsterplatz ist nicht mehr wegzudenken aus dem
Konstanzer Kalender und immer ein ganz besonderes Erlebnis – sei es
wegen des imposanten Hintergrunds des Münsters, wegen der raffi –
nierten Ausstattung, wegen des großartigen Schauspielensembles oder
wegen der unterhaltsamen Inszenierungen an lauen Sommerabenden.
Seit 15 Jahren bietet das Theater Konstanz Freilufttheater auf dem
Münsterplatz, auch wenn der Aufwand enorm ist. Anwohner müssen
eingebunden, Genehmigungen von der Kirche, Stadt und anderen eingeholt werden sowie der Auf- und Abbau der Tribüne, die Platz für 600
Besucher bietet, und Technik koordiniert werden. So werden etwa 200
Scheinwerfer gehängt, 4 Kilometer Kabel verlegt, 8 Kubikmeter Bühnenbild
auf- und abgebaut sowie eine Beschallungsanlage installiert.
Dazu kommt das Fiebern, ob das Wetter hält und welche Wetter-App
wohl am zuverlässigsten ist. Der Aufwand ist es wert, denn die Menschen
lieben Theater an diesem wunderbaren Ort und die Freiluftveranstaltungen auf dem Münsterplatz sind ein echter Publikumsmagnet.


Ob „Anatevka“, „Der Glöckner von Notre Dame“, „Wilhelm Tell“,
„Cyrano de Bergerac“ oder „Viel Lärm um nichts“ – das Konstanzer
Theater hatte noch nie Angst vor großen Namen und schon gar nicht
vor großen Filmerfolgen. Nun also „Nosferatu“ – auch hier werfen
zwei hervorragende Klassiker ihre Schatten auf den Münsterplatz. Vor
einhundert Jahren wurde ein Meilenstein des Horrorgenres uraufgeführt:
Murnaus Vampirfi lm „Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens“,
heute ein Klassiker der Stummfi lmzeit und als visionärer Pandemiefi
lm aktueller denn je. Die nicht autorisierte Adaption von Bram
Stokers Roman „Dracula“ erzählt die Geschichte des Grafen Orlok
(Nosferatu), eines Vampirs aus den Karpaten, der in Liebe zur schönen
Ellen entbrennt und Schrecken über ihre Heimatstadt Wisborg bringt.
Werner Herzogs „Nosferatu – Phantom der Nacht“ ist eine Hommage
an Murnaus Stummfi lm und besticht durch die surreal-gespenstische
Atmosphäre sowie Klaus Kinski in der Titelrolle.

Klaus Kinski as Graf Dracula in ‚Nosferatu the Vampyr‘ (directed by Werner Herzog), Slovakia, 1978. (Photo by Werner Herzog/Deutsche Kinemathek/Getty Images)
Foto: Klaus Kinski, Szenenfoto © Werner Herzog Film


Nun also bringt das Theater Konstanz diesen unsterblichen Stoff vor die
geschichtsträchtige Kulisse des Münsters. Erarbeitet hat die Konstanzer
Version Stephan Teuwissen, dessen Bühnenfassungen von „Radiofamilie“
nach Ingeborg Bachmann und „Bartleby“ nach Herman Melville
beide erfolgreich am Schauspielhaus Zürich aufgeführt wurden.
Die Musik zur Konstanzer Uraufführung hat Sebastian Androne-Nakanishu, Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Kompositionswettbewerbe, komponiert. Anfang 2022 wurde er bei den
International Classical Music Awards als Komponist des Jahres ausgezeichnet und ist damit der erste rumänische Komponist, dem diese
Ehre zuteil wurde. „Der rumänische Komponist Sebastian Androne
ist ein echtes Talent, das seine Kreativität und Vielseitigkeit sowohl in
zeitgenössischen Musikwerken als auch in Soundtracks für Kino und
Theater unter Beweis stellt.“, so die ICMA-Jury.


Auf die Bühne bringt das komisch-musikalische Melodram die Schweizer
Regisseurin Mélanie Huber. Ihre Inszenierungen, in denen Musik
eine große Rolle spielt, wurden mehrmals zu internationalen Festivals
eingeladen, u.a. „Radikal Jung“ Volkstheater München, Autorentheatertage
Deutsches Theater Berlin, Schweizer Theatertreffen. Von „Theater
heute“ wurde Huber gleich viermal als „Beste Nachwuchskünstlerin
des Jahres“ nominiert.


„Der herumreisende Wissenschaftler Professor von Hasselt spricht vor
dem Verein der Bildungsfreudigen über widernatürliche Phänomene
unter besonderer Berücksichtigung des Vampirismus. Kaum eine Person
schenkt ihm Glauben.“ So beginnt Teuwissens Spektakel um den
tragisch-grausigen Grafen Orlok, seines Zeichens Vampir. Die Schauermär
geht von vermutlich wahren Begebenheiten aus – so ganz genau
wissen wir das ja nie. Tatsache ist, im Jahre 1922 nähert sich Graf
Orlok einem hübschen, friedlichen Städtchen am Bodensee. Zeichen
und Warnungen zum Trotz glauben alle, die Bedrohung könne ihnen
nichts anhaben…


Erwartet wird genüssliches Schaudern, schräges Jammern und großes
Melodrama. Denn vom himmelhoch Erhabenen zum abgründig
Lächerlichen ist es bei dieser melancholisch-bizarren Gestalt nur ein
kleiner Schritt. Neben großartigen Musikern aus der Region und dem
wunderbaren Theaterensemble, ist auch das STADTENSEMBLE des
Theater Konstanz, das mit „Hin und Her“ seine erste Premiere erarbeitet
hat, in die Inszenierung eingebunden. Da darf man gespannt sein.
Premiere ist am 18. Juni, gespielt wird bis Ende Juli 2022.

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Wessenbergstr. 41
Konstanz
Tel. +49 (0)7531 / 900 2150,
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