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Überlingen – Noltes Theater wird digital

23.11.2020 | QLT Redaktion

Überlingen. Theater muss sein, auch in Zeiten von Corona. Aber wie? Na digital! Neben ihrem realen Theatersaal im Überlinger Gunzoweg haben die beiden Theatermacher Oliver und Birgit Nolte während des neuerlichen zweiten Lockdowns eine zweite Bühne aufgebaut. Der Zuschauer benötigt dazu nur einen Computer. „Wir haben mit dem digitalen Format die Freiheit zurückerlangt“, freuen sich die beiden. Die Stücke werden live gespielt. Keine Aufführung gleicht der anderen. Wie im richtigen Leben und im realen Wintertheater, das nun doch noch stattfinden kann.

„ Eine Fortsetzung unseres Spielbetriebs mit Präsenzveranstaltungen im geschlossenen Raum – das ist bis mindestens April 2021 für uns nicht planbar“, sagt Oliver Nolte. „Daran ändert auch ein potenzieller Impfstoff nichts.“ Eine Idee musste her und die trägt Oliver Nolte schon länger mit sich herum. Die Grenzen des Raumes aufheben, ohne die Nähe zu verlieren: Mit dem digitalen Theatersaal hat Nolte ein Konzept entwickelt, in dem dies gelingen soll. Über die Webseite www.noltesdigitalebuehne.de kann der Besucher in eine Welt eintauchen, die den Zauber des Theaters mit der Möglichkeit des Diskurses verbindet. Die Zahl der Zuschauer bleibt auf maximal 60 begrenzt. Die Inszenierungen werden überdacht und angepasst.

„Mit Ruhestörung+“ startet das Wintertheater Überlingen am 27./28. November. Oliver Nolte spielt Eugen Ruges Monolog in neuer, digitaler Inszenierung mit philosophischem Nachgespräch und Diskussion mit den Zuschauern. Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 25 Euro. www.noltesdigitalebuehne.de

Dass Kommunikation gerade jetzt immens wichtig und vor allem möglich ist, dafür steht auch der neue Lyrikabend von Birgit Nolte: „Shared Reading“. Die Gedichte werden vorab den Besuchern mitgeteilt, so dass sie schon mal reinlesen und sich damit beschäftigen können. Im Anschluss an die Rezitation erläutert die Diplom-Sprecherin und Sprecherzieherin, wie sie sich inhaltlich einem Gedicht nähert und wie darstellerisch – als Schauspielerin und Sprecherin. Danach gibt es Raum zur Diskussion. Erster Termine: Samstag, 5. Dezember, 20 Uhr. Eintritt: 20 Euro.

Im Januar wird Wolfgang Haug, Verleger, Lektor, Übersetzer und Herausgeber, seine gerade veröffentlichte Biographie über den Schriftsteller Theodor Plievier vorstellen. Für Februar und März sind zwei Termine mit Oliver Nolte und dem Philosophieprofessor Julian Nida- Rümelin, der sich aus München zuschaltet, geplant. Die Veranstaltung schließt damit an das Wintertheater 2019 an und steht unter dem gleichen Thema: „Einstimmig – Frieden und Freiheit gibt es nur miteinander“. Und auch Oliver Noltes wunderbarer „Kontrabass“ wird im März wieder zu sehen sein.

Auf Theater im Gunzoweg wollen Noltes dennoch soweit möglich nicht verzichten. „Hailix Nächtle“ soll wie geplant im Dezember stattfinden. Ab Januar steht Birgit Nolte mit ihrem berührenden Musikabend „Billy Holiday – Lady sings the Blues” auf der Bühne. Falls für die Theaterwelt auch im Dezember ein Lockdown gilt, wird die humoristische Einstimmung aufs Fest eventuell im digitalen Raum stattfinden. Wer schon mal reinschauen will: www.noltesdigitalebuehne.de . Dienstags und donnerstags sind Noltes ab 20 Uhr ebenfalls da. Bei der öffentlichen digitalen Probe können die Zuschauer mit ihnen gemeinsam die neue Technik ausprobieren. Genutzt wird die Videosoftware Zoom. Wer anonym bleiben möchte, kann bei den Aufführungen selbstverständlich ohne Namen und Kamera dabei sein.

Es werden spannende Monate – für die Zuschauer und die Theatermacher. Denn auch Theaterfans, die aus anderen Gründen als Corona keine realen Theaterhäuser mehr besuchen können, sind plötzlich wieder mit dabei. „Eigentlich hoffen wir, dass wir uns durch die digitale Bühne neue künstlerische Ausdrucksformen und Veranstaltungsformate erschließen, die auch nach Corona Bestand haben“, hoffen Noltes. Weitere Infos und den kompletten Spielplan gibt es auch unter www.noltes.biz.



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