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Nichts versäumt Tour 2018 – Pop-Ikone Nena im Interview

16.04.2018 | QLT Redaktion

Nena wurde als Popidol der Neuen Deutschen Welle in den 1980er Jahren weltbekannt. Nun feiert die Sängerin aus Hagen, die eigentlich Gabriele Susanne Kerner heißt und bereits dreifache Großmutter ist, ihr 40. Bühnenjubiläum. Ab Mai präsentiert sie ihre größten Erfolge auf einer ausgedehnten Tournee. Olaf Neumann traf die Sängerin vorab in einem Dorf bei Hamburg zum Gespräch. Der erste Eindruck: Nena ist tiefenentspannt und wirkt deutlich jünger als ihre 58 Jahre. Schönheit kommt von innen und von schönen Gedanken, lautet ihr Anti-Aging-Rezept. Sichtlich fit und bester Laune erklärt sie bei Kaffee und Kuchen ihre Welt

Nena, Deine Jubiläumstournee unter dem Motto “Nichts versäumt” ist Deine längste Konzertreise seit 2010. Was treibt Dich nach 40 Jahren auf der Bühne noch an?
Nena: Tourneeleben ist für mich meistens bunt, aufregend und schön. Ich bin seit 40 Jahren auf der Bühne, und es bleibt spannend. Immer noch ist jedes Konzert neu und anders. Es ist herrlich, mit den Leuten, die in unsere Konzerte kommen, im direkten Austausch zu sein. Was mich auch immer wieder fasziniert, ist, dass man in den letzten Minuten vor einem Auftritt nicht einfach aussteigen kann. Man kann sich nur noch voll auf das Abenteuer einlassen, ohne zu wissen, was genau passieren wird. (lacht)

Bei vielen Künstlern, die früh starten, ist das Erwachsenwerden die schwierigste Phase. Wie bist Du mit dem frühen Erfolg klar gekommen?
Nena: Ich war 17, als ich meine erste Band gründete und von da an hab ich praktisch im Proberaum gewohnt. Wenig später standen wir als Band mit unserem allerersten Live-Konzert auf der Bühne. Noch bevor wir groß drüber nachdenken konnten, standen plötzlich ein paar A&R-Jungs vor der Tür und wollten uns unbedingt einen Plattenvertrag aufschwatzen. (lacht) Es hatte ihnen gereicht, uns einmal live zu sehen. Sie wollten es unbedingt, und wir wollten es auch. Jugendlicher Leichtsinn war für mich immer ausschließlich positiv besetzt. Und diese Kraft führt mich auch heute noch in tolle Abenteuer.


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Sonett

Was hast Du Dir damals als erstes geleistet?
Nena: Von dem Geld kauften wir uns eine erste eigene PA und einen alten Bus. Da passte alles rein: Mein Hund, die Instrumente, die PA, ein paar Taschen und die komplette Band natürlich. So sind wir erst mal ein Jahr lang an jedem Wochenende durch Deutschland getourt. Angebote gab es genug, ausgelassen haben wir nichts. Während dieser Zeit waren wir auch im legendären Hotline-Studio in Frankfurt und haben unser erstes The Stripes-Album aufgenommen. Von dort aus ging’s für mich wenig später direkt nach Berlin und ich gründete die Nena-Band. Unser Durchbruch war der TV-Auftritt im Musikladen 1982. „Nur Geträumt“ verkaufte sich gleich am nächsten Tag 40.000mal. Und von da an waren wir erst mal die Mega-Stars. Wenn man Schritt für Schritt auf etwas hinarbeitet, woran man glaubt, kommt man mit einem solch immensen Erfolg superklar. Es war die große Freude für uns alle. Und es sollte ja auch nicht so schnell wieder aufhören.

Waren die frühen 80er Jahre eigentlich eine gute Zeit für den Karrierestart?
Nena: In meinem Fall ja offensichtlich schon. (lacht) Nur dass ich nicht morgens beim ersten Augenaufschlag gesagt hab: “Nena, du musst jetzt Karriere machen”. Das war bei mir nie die Motivation. Es ist eben dann einfach passiert. Als ich meine allererste Band hatte, wusste ich nicht mal, dass es goldene Schallplatten gibt. Aber ich habe immer auch gern Erfolg gehabt. Es ist auch ein mega Erfolg für mich, dass ich seit 40 Jahren auf der Bühne stehe und die Konzerte immer voll sind. Danke!

Erinnerst Du Dich noch an Deinen allerersten Auftritt?
Nena: Ich erinnere mich an alles. Den Tag, den Ort, die Leute, die da waren … Das war im Hasper Jugendheim. Ich hatte damals noch keinen Führerschein und spielte vor 28 Menschen. 24 davon waren Family und Friends, drei oder vier Leute hatten sich ein Ticket gekauft. Ich ging mit Mega-Respekt auf die Bühne und dachte, das wird eine krasse Herausforderung für mich. Und dann stand ich plötzlich da oben. In dem Moment wusste ich: Das ist es!

Woran denken Du, wenn Du heute auf der Bühne stehst?
Nena: An nichts. Würde ich während einer Show anfangen zu denken, wüsste ich, ich bin nicht wirklich drin. Die genialsten Dinge passieren, wenn man nicht denkt. Sportler, die gerade einen Rekord aufstellen, reflektieren in dem Augenblick mit Sicherheit nicht. Der Flow ist für mich der schönste Zustand. Man handelt rein intuitiv und Dinge kommen wie ein Blitz zu einem.

Warum schaut man manchen Künstlern völlig gebannt zu, während andere einen kalt lassen?
Nena: Die innere Haltung ist der Schlüssel. Und wie viel ein Mensch von sich zeigt und rauslässt. Man kann Musik ausschließlich konsumieren und sich damit berieseln lassen oder man erlebt die Schwingung der Töne ganz tief und fühlt sie. Und wenn ich von mir nichts zeigen will, kann ich auch nicht erwarten, dass Menschen mich spüren. Das ist mein Anspruch. Ich will nicht einfach nur irgendwas runtersingen.

Viele Künstler geben offen zu, Workaholics zu sein. Bist du schon mal auf eine Tournee gegangen, obwohl Du Dich müde und ausgebrannt fühltest?
Nena: Ich arbeite sehr gerne und viel, aber ich passe auch auf mich auf. Außerdem habe ich auch genug Zeit, mich auf eine Tournee vorzubereiten. Und meine Nichts-Versäumt-Tour ist mein Highlight des Jahres. Dafür tue ich alles, um komplett am Start zu sein. Ich werde alles geben und freue mich auf die Leute, die in die Konzerte kommen, auf das Herumreisen mit meiner Band-Familie und die Musik, die uns alle verbindet!

Welche persönlich wichtigen Ziele konntest Du in Deinem Leben nicht realisieren?
Nena: Ich habe immer das realisiert, was mir wirklich wichtig war. Und so geht`s auch weiter. Das trägt mich durchs Leben.

 

Nena macht mit ihrer Nichts Versäumt-Tour 2018 auch bei uns halt:

Sa, 12.05.2018 – Stadthalle SINGEN; Beginn: 20:30 Uhr

Mo, 14.05.2018 – bigBOX Allgäu KEMPTEN; Beginn: 20:30 Uhr

Weitere Infos unter www.allgaeu-concerts.de

Text: Olaf Neumann | Foto: Kristian Schuller


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