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missa solemnis – Beethoven und seine Zeit

16.03.2022 | QLT Redaktion

Glarisegger Chor

Ludwig van Beethoven wurde 1770 in Bonn als Sohn des Sängers Johann van Beethoven und dessen Frau Maria Magdalena geboren. Sein Großvater, Ludwig van Beethoven, kam aus den Niederlanden und war Hofkapellmeister des Kurfürsten von Köln. Die Familie lebte in Bonn, der Residenzstadt des Kurfürsten. Beethoven erhielt schon als Kind eine breite musikalische Ausbildung an verschiedenen Instrumenten und in Gesang. Mit bereits vierzehn Jahren hatte er eine feste Anstellung als Organist und wirkte als Cembalist und Bratschist in der Hofkapelle. Aus dieser Zeit sind bereits einige Klavierkompositionen erhalten. Die Schulbildung Beethovens hingegen blieb recht rudimentär.

Ludwig van Beethoven (1770–1827); idealisierendes Gemälde von Joseph Karl Stieler, ca. 1820

Der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Maximilian Franz von Österreich, Bruder des österreichischen Kaisers Joseph II. und der französischen Königin Marie-Antoinette, war von den Ideen der Aufklärung geprägt und betrieb eine ebenso aufgeklärte Reformpolitik. Als Dienstherr des Vaters förderte er eine Reise des sechzehnjährigen Beethovens nach Wien, um bei Mozart Komposition zu lernen. Dies kam jedoch nicht zu Stande. Gründe dafür könnten sein, dass Mozart mit der Komposition des Don Giovanni sehr beschäftigt, sowie voller Sorge um seinen sterbenskranken Vater war. Mozart soll aber von Beethoven Notiz genommen und geäußert haben: „Auf den gebt acht – der wird einmal in der Welt von sich Reden machen.” Die Jugend Beethovens war auch geprägt von liberalem Denken und dem Gedankengut der Aufklärung. Als er neunzehn war, brach in Paris die Französische Revolution aus, mit deren Ideen er in Bonn in Kontakt kam.

Nach dem Tod der Mutter 1787 übernahm Ludwig van Beethoven zunehmend die Verantwortung für die Familie mit den zwei jüngeren Brüdern, die dem alkoholkranken Vater zunehmend entglitt.
1792 ermöglichte der Kurfürst Beethoven, nachdem dieser Josef Haydn in Bonn begegnet war, erneut einen Aufenthalt zu Studienzwecken in Wien. Kurz darauf starb sein Vater. 1794 besetzten französische Truppen das Rheinland, und der kurfürstliche Hof musste fliehen. So war kein Anlass mehr für eine Rückkehr. Beethoven fand in Wien adelige Förderer, vor allem Fürst Karl Lichnowsky. Dieser sorgte finanziell für Beethoven und knüpfte für ihn Kontakte. So konnte Beethoven sich seiner Weiterbildung, dem Komponieren und dem Musizieren widmen. In seinen ersten Jahren in Wien trat Beethoven als virtuoser Pianist mit besonderer Fähigkeit im freien Fantasieren hervor. Er unternahm mit großem Erfolg auch Konzertreisen nach Prag, Dresden und Berlin. Zwischen 1794 und 1804 schrieb er 20 seiner 32 Klaviersonaten. Die Kammermusik Beethovens steht seinen großen Orchesterwerken in nichts nach. Neben den Klaviersonaten sind dies insbesondere drei Gruppen von Streichquartetten: Eine erste Gruppe von sechs entstand zwischen 1798 und 1800, eine zweite folgte zwischen 1806 und 1810. Die dritte entstand ab 1824. Die Uraufführung der 1. Sinfonie in C-Dur op. 21 unter seiner Leitung im April 1800 war ein großer Erfolg für ihn als Komponisten von Orchesterwerken.

Das Gehörleiden, das schließlich zu Beethovens Taubheit führte, zeigte sich erstmals 1798 – bereits mit 28 Jahren. Es bedeutete das Ende der Konzerttätigkeit und beeinträchtigte seinen gesellschaftlichen Umgang erheblich. Er benützte Hörrohre und später Konversationshefte zur Kommunikation. Die Krankheit bewirkte eine schwere persönliche Krise, die Beethoven im Herbst 1802 – mit 30 Jahren – zum sogenannten Heiligenstädter Testament bewegte. In diesem, einem nie abgeschickten Brief an seine Brüder stellte er seine Lage und seine Verzweiflung dar und ordnete seine Angelegenheiten für den Fall des Todes.
Er schrieb, dass ihn nur die Kunst am Leben erhalte. Nach dieser inneren Auseinandersetzung folgte bis etwa 1812 Beethovens produktivste Zeit als Komponist: Die Sinfonien Nr. 3 bis 8, Klavierkonzerte, Violinkonzerte und weitere Werke. Ein Charakteristikum dieser Schaffensperiode ist zuerst die kraftvolle Überwindung von Angst, Zerstörung, Dunkelheit hin zu Freude und Leichtigkeit.

Beethoven war nie verheiratet. Er verliebte sich oft in adelige Damen. Seine Heiratsanträge blieben trotz gegenseitiger Zuneigung erfolglos, weil damals Adelige für gewöhnlich keinen Nicht-Adeligen heirateten. Äußerlich war Beethoven nicht sehr anziehend. Er war klein, hatte Pockennarben im Gesicht und erschien manchmal etwas ungepflegt. Er litt an akuten und chronischen Erkrankungen. Die Abhängigkeit von adeligen Geldgebern machte ihm, dem Anhänger der Aufklärung, zu schaffen und beeinträchtigte die Beziehung zu seinen Gönnern. Sein Bruder Johann, der es als Apotheker in Wien zu einigem Wohlstand brachte, unterstützte Beethoven in seinen letzten Lebensjahren. Immer wieder feilte Beethoven an seinen Werken, überarbeitete und korrigierte sie.

1812 gilt als ein Schicksalsjahr für Beethoven. Sein Gehörleiden wurde immer schlimmer, finanzielle Sorgen machten ihm zu schaffen, seine Kompositionstätigkeit kam zum Erliegen. Erst mit der Anregung zu Wellingtons Sieg 1813 kam sie wieder in Fluss. Die Uraufführung 1814 zusammen mit derjenigen der 7. Sinfonie war ein großer Erfolg und eines der letzten Konzerte, die Beethoven selbst gab. Die Inthronisation des Erzherzogs Rudolph von Österreich zum Erzbischof von Olmütz 1820 war für Beethoven der Anlass für die Komposition einer Messe. Diese beschäftigte aber Beethoven über mehr als vier Jahre mit Forschungen auf den Gebieten der Theologie, Liturgie und der Geschichte der Kirchenmusik. Andere Projekte mussten zurückstehen. Die Erstaufführung erfolgte im April 1824 konzertant in Sankt Petersburg. Parallel zur Messe arbeitete Beethoven an den 33 Veränderungen über einen Walzer von Anton Diabelli sowie an der 9. Sinfonie, die im Mai 1824 erstmals erklang. Eine Gruppe von fünf Streichquartetten bildete bis zum Herbst 1826 Beethovens letzte Werke. Verschiedene Erkrankungen führten am 23. März 1827 mit erst 56 Jahren in Wien zum Tod. Die Beisetzung fand unter großer Anteilnahme der Wiener Bevölkerung und mit einer von Franz Grillparzer verfassten Grabrede statt.

Beethoven bezeichnete die Missa solemnis als sein „größtes und gelungenstes Werk“. Es entstand etwa zur gleichen Zeit wie die 9. Sinfonie. Nachdem der Glarisegger Chor in den letzten Jahren mit dem Requiem von Mozart (2021), mit Verdis Requiem (2018) sowie dem Programm Mozart Plus (2019) großen Anklang fand, wird er zusammen mit den Zürcher Symphonikern am 13.5. Beethovens Missa solemnis in Kreuzlingen, sowie am 16.4. in Dornach und am 15.5. in Zürich zur Aufführung bringen.

Weitere Infos unter: www.glariseggerchor.ch

39. Glarisegger Chorkonzerte
BEETHOVEN: MISSA SOLEMNIS

SA, 16. April 2022, 19:00 Uhr
Goetheanum, Dornach

FR, 13. Mai 2022, 19:30 Uhr
Dreispitz, Kreuzlingen

SO, 15. Mai 2022, 17:00 Uhr
Tonhalle am See, Zürich

Tickes gibt es unter www.glariseggerchor.ch/tickets



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