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Kulturpreis 2019 der Stadt Lindau für Dr. Nikolaus Brass

06.12.2018 | QLT Redaktion

Der Kulturpreis der Stadt Lindau wird im nächsten Jahr an den Lindauer Komponisten Dr. Nikolaus Brass verliehen. Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker und Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn freuen sich, im Oktober 2019 bei einer Feierstunde im Alten Rathaus einen Kulturschaffenden auszuzeichnen, dessen Werk auch weit über die Grenzen Lindaus bekannt ist.

Der 1949 in Lindau geborene Nikolaus Brass nahm neben seinem Medizinstudium in München ab 1968 private Kompositionsstudien bei Peter Kiesewetter an der Musikhochschule München auf. Während er sein Medizinstudium an der Freien Universität mit dem Staatsexamen abschloss, studierte er begleitend Kompositionsstudien an der Hochschule für Musik bei Frank Michael Beyer und führte diese in privaten Studien bei Helmut Lachenmann in Hannover weiter. Nachdem er mehrere Jahre als Arzt tätig war, widmete er sich zunehmend der Musik. Besonders prägend für ihn waren die wiederholten Besuche der Darmstädter Ferienkurse zwischen den Jahren 1978 und 1986, bei denen er auf Morton Feldman traf. Feldman beeinflusste sein weiteres musikalisches Schaffen nachhaltig.

Seit 2003 gab es zahlreiche Ur- und Erstaufführungen seiner Kompositionen bei den wichtigsten Festivals für Neue Musik, wie z.B. die Aufführung der Komposition „structures of echo – lindauer beweinung“, die 2003 in Stuttgart unter Rupert Huber vom SWR Symphonieorchester und dem SWR Vokalensemble Stuttgart mit 32 Stimmen und Orchester dargeboten wurde. Drei Jahre später folgte die Uraufführung von „VOID II“ durch das Rundfunksinfonieorchester Berlin (RSB) beim Festival Ultraschall in Berlin. Eine Besonderheit dieser Komposition ist der ideelle Bezug zur Architektur des Jüdischen Museums in Berlin. Bei einer späteren Konzertaufführung der Kompositionen „VOID I“ und


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„VOID II“, im Jahr 2009, kam es in diesem Zusammenhang sogar zu einem Podiumsgespräch zwischen Nikolaus Brass und dem Architekten des Jüdischen Museums, Daniel Libeskind, in dem sie sich über Formen des Gedenkens in Architektur und Musik austauschten. Bedeutende Projekte der letzten Jahre waren unter anderem im Rahmen der Biennale für neues Musiktheater 2012 in München die Präsentation seines Musiktheater-nucleus „memory“ und die Komposition des Wettbewerbsstücks „etchings“ für den internationalen Musikwettbewerb der ARD im Jahr 2016.

Charakteristisch für seine Kompositionen sind, laut Meret Forster von BR Klassik, „fließende Zeitprozesse, Fragen von Ordnung und Störung, das […] Abtasten der akustischen Außenfläche nach dem, was sie als Widerhall in sich birgt sowie Aspekte der menschlichen Existenz“ in einem „permanenten Kreisen von Verlieren und Wiederfinden“ (Meret Forster: Rezension der CD Songlines, BR-Klassik, 17. Februar 2010). Seine Werke werden häufig rezipiert und vielfach interpretiert u.a. von ensemble ascolta, ensemble recherche, ensemble resonanz, den Neue Vokalsolisten Stuttgart und dem Münchner Kammerorchester. Zudem gab es vielfältige Rundfunksendungen über Brass, bis hin zu eigenen Rundfunkbeiträgen und Textbeiträgen für Musikzeitschriften. Seine Werke sind bei Ricordi Deutschland verlegt. Die Labels NEOS und con legno veröffentlichten zudem bislang vier Portrait-CDs mit Kammer- und Orchester Musik von Brass. Nachdem Nikolaus Brass 1999 den Förderpreis für Musik der Landeshauptstadt München erhielt, folgte zehn Jahre später, 2009, der Musikpreis der Landeshauptstadt. Seit 2014 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Passend zu seinem 70. Geburtstag im nächsten Jahr, folgt nun der Kulturpreis der Stadt Lindau. Der seit dem Jahr 2010 bestehende Preis, der 2019 zum fünften Mal vergeben wird, repräsentiert den Dank der Stadt Lindau an herausragende Kulturschaffende, die in Lindau verwurzelt sind und mit ihrem Werk die städtische Kulturgeschichte mitschreiben.



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