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Kultur in allen Ecken – Schloss Achberg feiert Jubiläum

12.08.2020 | QLT Redaktion

Sabine Groß, Vague Promises, 2018
© VG Bild-Kunst, Bonn 2020, Foto: anja koehler | andere-art.de

Seit Frühjahr 1995 ist Schloss Achberg für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet seinen Gästen alljährlich ein reiches Kulturangebot. Zum
Jubiläum können Besucherinnen und Besucher auf dem Weg zum Schloss Achberg anhand von 25 Fahnen die bewegte Ausstellungsgeschichte der letzten Jahre Revue passieren lassen. Auch im Schlossgarten werfen 25 bunte Kuben – kleine Sitzwürfel und große begehbare Kuben – einen Blick auf die lebendige Kultur an diesem besonderen Ort. Hier kann man den Konzertmitschnitten aus dem Rittersaal lauschen, in die Schlossgeschichte eintauchen oder einfach die Seele in einer Hängematte baumeln lassen.

Ausstellung „Berliner Zimmer – Homecoming Artists“
Schloss Achberg versammelt bis zum 25.10.2020 Positionen von elf international erfolgreichen Künstlerinnen und Künstlern, die alle ein geografisches Merkmal eint: Sie stammen aus Oberschwaben und leben in Berlin: Nándor Angstenberger, Angelika Frommherz, Friedemann Grieshaber, Sabine Groß, Veronike Hinsberg, Thomas Locher, Gerold Miller, Peter Pumpler, Albrecht Schäfer, Andrea Zaumseil und Francis Zeischegg. Nun sind sie mit ihren Werken auf Heimatbesuch zurückgekommen. Die meisten Werkgruppen und Installa-
tionen wurden eigens für Schloss Achberg eingerichtet und treten in einen überraschenden Dialog mit der barocken Architektur.

Kurzfilm zur Ausstellung
Weil keine Vernissage im Rittersaal stattfinden konnte, ist gemeinsam mit dem Kurator Prof. Dr. Martin Oswald ein kurzer Ausstellungsrundgang gefilmt worden. Unter www.schloss-achberg.de ist ein Link verfügbar, unter dem Interessierte die Ausstellung erstmals bequem von zu Hause besichtigen können.

Berliner Zimmer – Prof. Dr. Martin Oswald über die Ausstellung
Im Mittelpunkt der Werkauswahl für die Achberger Ausstellung stehen künstlerische Fragestellungen, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Raum befassen bzw. selbst einen räumlich-skulpturalen Zugang suchen. Der Titel „Berliner Zimmer“ ist deshalb durchaus doppeldeutig: Nicht nur werden aus den barocken Räumen des Schlosses nun die Kunst-Zimmer der Berliner. Das Berliner Zimmer selbst ist eine Anspielung auf eine Spezialität des Berliner Wohnungsbaus im späten 19. Jahrhundert: Ein großes, oft lichtloses Durchgangszimmer, das als Aufenthalts- und Empfangsraum diente. „In der Gegenwart transformiert das Berliner Zimmer wiederum zur Metapher für einen Raum, in dem sich sämtliche Probleme der Gegenwart wie in einem Brennglas verdichten, egal ob in Politik, Kultur oder Gesellschaft. Soziale Spaltung, Diversität, Gentrifizierung, Transgression… wohin das Durchgangszimmer führt, bleibt offen“, so Kurator Martin Oswald. Er ergänzt, „dass es freilich vorher nicht abzusehen war, dass die Realisierung der Ausstellung in einen solchen zeitlichen Kontext fiel. Ausgerechnet die Tendenz zu einer Auflösung des Raums, dank müheloser Überwindung der Distanzen, führte dann zu einer globalen Kontamination des gerade endgültig überwunden geglaubten Raumes.“ Der Kurator schreibt in seinem Ausstellungstext „dass es eine mehr als frappierende Erfahrung ist, beobachten zu können, welche Akzentverschiebung die Wahrnehmung der künstlerischen Werke vor dem Hintergrund einer gewandelten Welt erfährt.“ Zu dieser Ausstellung ist ein reich illustrierter Katalog mit Texten zum Werk der Künstlerinnen und Künstler (ISBN: 978-3-944685-11-3, 15 Euro) erschienen.

Kunstbegegnung: Kombinieren, Zuhören, Mitreden
Führungen durch die Ausstellung sind jeden Sonntag um 14:30 Uhr in kleinen Gruppen möglich. Eine Teilnahme an einem Führungstermin mit dem Kurator ist über die Verwaltung von Schloss Achberg buchbar, wie auch der Besuch einer Autorenlesung mit Volker Demuth. Der aus Oberschwaben stammende und heute in Berlin lebende Autor liest aus seinem zuletzt erschienenen, autobiografischen Buch „Niederungen und Erhebungen“ vor. Volker Demuth wirkte bis 2004 als Professor für Medientheorie. Er entwickelte mit dem „RaumPoem“ eine räumliche und multimediale Form der Lyrik und erhielt für sein Werk u.a. die Ehrengabe der Deutschen Schillerstiftung. Im Anschluss findet eine offene Gesprächsrunde, moderiert von Prof. Dr. Martin Oswald, statt. Eine unterhaltsame Kunstbegegnung mit kreativem Gestalten steht unter dem Motto „Kunst mit Kind und Kegel“ für Familien im Begleitprogramm zur Ausstellung. Nach vorheriger Anmeldung erkunden die Teilnehmer in kleinen Gruppen die Kunst in den Ausstellungsräumen. Mit Hilfe von Farbkarten, Spielutensilien und leicht zugänglichem Vermittlungsmaterial können die Besucher vielseitig und interaktiv das Kombinieren und Arrangieren von künstlerischen Gestaltungselementen ausprobieren. Angeregt von den Raum-Kompositionen sind alle im Anschluss eingeladen, im Atelier selbst aktiv zu werden. Unter fachkundiger Anleitung entstehen eigens erfundene Installationen, „Mininaturkunstwerke“ in Schachteln. Mit dem Kinderkunstführer können Familien auch individuell auf Entdeckungsreise gehen.

Jubiläumsfest im Schlossgarten am So. 20.09. ganztägig, freier Eintritt
Nach 25 Jahren gibt es viel zu zeigen, zu hören und zu erzählen. Gemeinsam mit Landrat Harald Sievers darf man sich auf diesen besonderen Festtag freuen, der im Schlossgarten mit einem Jubiläumsfest gefeiert wird: Begrüßt wird mit einem Ökumenischen Gottesdienst. Bernhard „Barny“ Bitterwolf, der oberschwäbische „Tausendsassa“, Buchautor, Lehrer, Musiker und Mundart-Komödiant wirft im Anschluss einen echt oberschwäbischen Blick auf das kulturelle Leben in der Region.

Die Blecharbeiter: eine szenische Musik-Performance!
Das Sonus Brass Ensemble aus Vorarlberg spielt ein Konzert für die ganze Familie. Bei ihrem Programm „Die Blecharbeiter“ treffen die fünf Freunde zufällig aufeinander. Aus Langeweile stöbern sie in einem Haufen Blech herum. Und siehe da – der vermeintliche Schrott tönt, klappert und klopft. Schnell ist auch der Name der Band gefunden: „Die Blecharbeiter“!

Glas Blas Sing: Flaschenmusik vom Feinsten!
Am Nachmittag hören Sie unterhaltsame Musik des Glas Blas Sing Quartetts. Die vier Berliner sind mit ihrem Programm „Flaschmob“ zu Gast – das mit Abstand beste Flaschenmusikprogramm aller Zeiten, denn Upcycling bedeutet in diesem Fall keinesfalls mit dem Fahrrad bergauf zu fahren. Die Musiker upcyclen Flaschen und verwandeln so ein scheinbar nutzloses Abfallprodukt zu neuen, faszinierenden Musikinstrumenten. Originelle Texte, handwerkliche Perfektion und stimmige Choreografie ergeben ein ebenso verblüffendes wie unwiderstehliches musikalisch-komisches Gesamtpaket, das im Pop- und Klassik-Universum neue Welten eröffnet.

Kinder staunen im „Königlichen Hoftheater“
Für kleine Schlossbesucher führt das „Königliche Hoftheater Lumumba“ gleich zwei Puppentheaterstücke auf: Im Märchen der „Froschkönig“ fällt Prinzessin Sofia die goldene Kugel in den Brunnen. Der Frosch bringt ihr das geliebte Spielzeug herauf und ringt ihr ein Versprechen ab: er soll fortan ihr Spielgefährte sein. Da mischt sich das verhätschelte Hofkätzchen Lolli ein und fährt die Krallen aus…
Wer ist der Feind aller Bösewichte und ein pfiffiger Held? Der Kasperl! Er ist der beste Freund vom Seppl. Den Kindern ist er ein verlässlicher Partner, die er sicher durch das Abenteuer „Kasperl, Seppl und der Flaschengeist“ führt.

INFO ZUM JUBILÄUMSFEST
Bei sehr schlechtem Wetter kann das Jubiläumsfest nur mit einem verkleinerten Programm im Schloss stattfinden. Aktuelle Informa-
tionen unter www.schloss-achberg.de

Besucherservice
Während der Öffnungszeiten ist das Schloss Achberg Team an der Schlosskasse (Tel.: 08380 1440) erreichbar und gibt gerne Auskunft ob Wartezeiten für den Besuch der Ausstellung „Berliner Zimmer“ bestehen. Es gelten die jeweils aktuellen Hygiene- und Schutzmaßnahmen. Die Konzerte, Veranstaltungen, Führungen und Workshops finden nur nach Voranmeldung und mit reduzierter Teilnehmerzahl statt.

Schlosscafé
Das Schlosscafé der Allgäuer Landfrauen bietet an Samstagen, Sonn- und Feiertagen eine kleine Auswahl regionaler Gerichte und leckere hausgemachte Kuchen an.

Öffnungszeiten bis 25.10.
Fr 14 bis 18 Uhr, Sa/So/Feiertage 10 bis 18 Uhr
Eintritt: Erwachsene 7 Euro, ermäßigt 6 Euro, Familien 13 Euro



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