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Kreuzlingen – Stabwechsel im Theater an der Grenze

06.10.2022 | QLT Redaktion

Deutschlehrerin

„Alles hat seine Zeit“, so begründen die beiden Programmleiter Birgit Auwärter und Simon Hungerbühler ihren schrittweisen Rückzug nach acht Jahren Visieren, Planen, Organisieren, Einladen und Gastgeben. „Eigentlich wollte ich vor zwei Jahren schon kürzertreten“, sagt Simon, „aber damals hörte gerade Fritz Brechbühl als Präsident auf. Zwei Abgänge wollte ich dem Theater nicht zumuten. Dann kam der Umzug aus der Theaterscheune ins Kult-X – auch das war kein guter Zeitpunkt, um den Verein allein zu lassen.“ Der Umzug bestärkte auch Birgit in ihrem Entschluss: „Mein Herz hing am alten Gebäude. Jetzt im neuen Haus sollen neue Menschen neue Ideen umsetzen können.“

Im November soll Michael Goldbach aus Tägerwilen offiziell in ihre Fußstapfen treten. Er war in den vergangenen vier Jahren im Helferkreis dabei und freut sich nun darauf, die Vielfalt der Schweizer Kleinkunstszene noch näher kennenzulernen. Derzeit wird der 46-Jährige eingearbeitet. Die ersten Schritte bei der Programmierung hat er schon getan und für den 5.11. die Gruppe „Pelati Delicati“ verpflichtet, die ihre Version von Dantes „Divina Commedia“ zeigen wird. „Ich selbst freue mich aber auch auf den Auftritt von Stefan Waghubinger am 15.12.“, so Michael. „Ich mag die schnorrige Art des Kabarettisten.“ Eine Lesung der besonderen Art bietet am 17.9. Ralf Schlatter. Er präsentiert seinen Roman „Muttertag“ mit Worten, Tönen und einer Live-Video-Installation. Es geht um den Abschied eines Sohns von seiner Mutter. Thematisch – nicht stilistisch – verwandt ist Judith Bachs Solo-Kabarettprogramm „Endlich“ am 11.11. Die plaudernde Pianistin läßt ihre Bühnenfigur „Claire“ erleben, dass ausgerechnet am Grab der Großmutter Geschichten lebendig werden. Amüsantes Infotainment gibt es am 25.9. mit dem „Kunscht Cabaret“. Der Regisseur Fabrizio Pestilli und die drei Schauspieler Manuel Schunter, Kevin Blaser und Joe Fenner machen sich über die Kunstwelt lustig, und das auf Hochdeutsch, Schweizerdeutsch, Italienisch und Englisch. Am 2.10. leistet das Theater an der Grenze einen unterhaltsamen Beitrag zur Gender-Debatte: Melanie Dörig und Meinrad Koch singen Appenzeller Volkslieder und zanken in Innerrhoder Dialekt über Mann- und Frau-Sein.

Kindertheater gehört zum gerne erfüllten Leistungsauftrag des Theaters an der Grenze, obwohl oft Plätze im Zuschauerraum frei bleiben. Deshalb ermutigen die scheidenden und der kommende Programmleiter explizit Erwachsene, sich mit zeitgenössischem Kindertheater auseinanderzusetzen. Die nächste Chance gibt es am 3.12. mit „Search&Found“. Zwei Suchassistenten (Liliane Weber und Christine Camenzind) helfen verlorene Dinge wiederzufinden. Wiedertreffen kann man im Theater an der Grenze Susanne Odermatt. Am 29.10. zeigt sie ihr neues Stück „Die Deutschlehrerin“.

Näheres unter: www.theaterandergrenze.ch



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