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„King A“ – Eine Ode an jedes Ritterherz

19.02.2019 | QLT Redaktion

So lautet das von Regisseur Ingo Putz inszenierte Stück des JTK, das am 10. Februar in der Spiegelhalle eine umjubelte Premiere feierte. Autorin Inèz Derksen überschreibt gekonnt den Mythos um König Artus und prüft anhand ihrer herrlich menschlichen Figuren das Idealbild des Ritters.

Als die Zuschauer die Tribüne der Spiegelhalle betreten, werden sie von herrlichem Popcornduft empfangen. Das Bühnenbild erinnert an einen Zirkus – auf der Bühne steht ein Karussell, das sich im weiteren Verlauf noch um die essenziellen Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens drehen wird. Wie möchten wir zusammenleben und für welche Werte stehen wir ein? Fragen, die für King A nicht so leicht zu beantworten sind. Schicksalhaft, oder doch eher zufällig geht das Schwert Excalibur, das zuvor fest in einer Popcornmaschine verankert ist, in seinen Besitz über und damit auch eine schwere Bürde an den neu erkorenen King A, der in seiner Rolle als Regent bisweilen mehr überfordert, als geehrt wirkt. Die Erwartungen der spitzhütigen, verbissenen Elite an King A sind groß. Das zeigt nicht nur die kilometerlange Inaugurationsrede, die der König halten soll, sondern ist auch in den Anforderungen des geistlichen Oberhaupts ersichtlich, das ihn überdies direkt von Gottes Gnaden aus in die Sinnkrise stürzt. Eine wunderbar komische Szene, in der Antonia Jungwirth in der Rolle der Gwinnifer versucht, die wirren italienischen Worte des göttlichen Stellvertreters auf Erden zu übersetzen – Das gelingt überraschend gut! Aus den sinnlosesten Wortkomposita und Aneinanderreihungen à la „Spaghetti-Cappuccino-Mussolini“ vermag sie Sinnvolles zu dolmetschen.

Zwischen denken, reden und handeln
Artus ist kein Tyrann. Im Gegenteil, er schafft eine nach den Regeln der Demokratie funktionierende Tafelrunde, in der niemand besser als der andere sein und jede Stimme ihren Wert für die Gesamtheit haben soll. Alle Mitglieder haben ein ähnliches Idealbild, wenn es um die Theorie des Ritterseins geht. Lediglich die Umsetzung der wohlwollenden Ideen in die Tat, gestaltet sich verschieden und so wird Artus Bruder Kai zu seinem Widersacher.


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Während Artus sich eine friedliche, gerechte Welt herbeisehnt, die keinen Platz für Neid und Korruption lässt, in der die Starken für die Schwachen einstehen, ist Kai der Meinung, dass das wahre Rittertum nicht darin begründet liegt den ganzen Tag über Politik zu schwafeln. Er will das Land durch seine Taten von allem Bösen befreien, auch mit Gewalt, wie sich herausstellt. Er hält wenig von den Bestrebungen seines Bruders das Schwert beiseite zu legen und die Vernunft regieren zu lassen. Das Rittertum ist für ihn eher eins, das aus der Leidenschaft entspringt und sich durch ruhmvolle, mutige Taten auszeichnet. Was wäre es auch ohne das viele sich in den Wäldern herumtreiben, alleine sein, Abenteuer erleben und Drachen jagen? Eindrucksvoll zeigen die Ritter der Tafelrunde ihr Können in choreographierten Schwertkämpfen, die das Publikum zum Staunen bringen. Der Drache erscheint in einem urkomischen aufblasbaren Kostüm und führt in einem Smalltalk seine Rolle als omnipräsente Gefahr und Bedrohung für das Königreich ad absurdum. So bittet er regelrecht darum gejagt zu werden, sofern es sich denn zeitlich für den Ritter einrichten ließe. Spätestens jetzt wird es Zeit alte Feind-, aber auch Rollenbilder zu überdenken!

Liebe folgt keinen Regeln
Gwinnifer, eine mutige Ritterin, die ihren männlichen Kollegen in Nichts nachsteht, erklärt sich bereit zur Königin an Artus‘ Seite zu werden. Als einziges Mädchen im Bunde ist das wohl eine spontane und praktische Entscheidung. Verlegen wendet sie sich an Artus mit den Worten „Ich würd‘s machen.“ Sie erkennt jedoch schnell, dass das Hochzeitskleid eine unbequeme Robe ist, in die sie nicht so recht reinpasst, zudem hat sie ein Auge auf den tapferen Lanzelot geworfen, der ihre Liebe auch erwidert. King A ist ein Jugendstück, das zeigt, was passiert, wenn Gefühle sich tugendhafter Regeln entziehen. Gwinnifer und Lanzelot sind Artus‘ beste Freunde. Werden sie einen Weg finden sich zu lieben ohne ihren Freund zu verlieren? Artus muss sich entscheiden, ob die Tafelrunde auch über persönliche Befindlichkeiten hinaus Bestand hat und so wird die edelste aller ritterlichen Tugenden die Bereitschaft anderen zu verzeihen.

Tickets für „King A“ sind an der Theaterkasse und unter www.theaterkonstanz.de erhältlich.

Text: Lea Lynn Asiklar

Fotos: Theater Konstanz/Bjørn Jansen



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