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Aram Haus – Künstlerischer Leiter der ART BODENSEE

12.06.2019 | QLT Redaktion

QLT: Aram Haus – Sie sind seit Februar diesen Jahres neuer künstlerischer Leiter der ART BODENSEE. Eine spannende Position. Sind Sie gut angekommen? Wie sind Ihre ersten persönlichen Eindrücke?
Aram Haus: Ja, gut angekommen, danke. Genauso liebevoll wie Sie hier nun fragen, wurde ich hier am Bodensee empfangen, mit Spannung und Motivation etwas zu verändern. Nach dem Durcharbeiten der Besucher*innen und Aussteller*innen-Befragungen (und v.a. deren Auswertung) stellte sich heraus: Es gibt viel zu reparieren, alles lösbare Herausforderungen: Qualität der Kunst steigern, gesamtheitliches Konzept anleiten, Identität etablieren.
Messe Dornbirn ist Schritt für Schritt dran und obgleich jetzt im Juni noch nicht alles umgesetzt wird, was gesamtkonzipatorisch geplant ist, wird es von 28. bis 30.6. für Fachleute Seltenes und für das Publikum Spektakuläres zu sehen geben. Ambition groß, Optimismus groß, das Potential der geographischen Situation, der unfassbar schönen Messehallen und der Kapazität der Region und aus deren Kulturlandschaft zu schöpfen.

QLT: Sie sind Kurator und Konzeptkünstler – wofür schlägt Ihr Herz mehr? Die kuratorische oder künstlerische Seite? Wie vereinen Sie diese beiden Pole in Ihrer konkreten Messearbeit?
Aram Haus: Beide Arbeits-Herangehensweisen sind mir bedeutsam für einen ganzheitlichen Zugang zur Materie. Die einsame Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit, einer inneren Generierung und dem entgegengesetzt, das Kontextualisieren der Arbeit anderer Artists und Zeitgeister. Beides pflegt Anstrengungen und Reize.
Die Arbeit als bildender Künstler stelle ich, ob der aktuellen Ereignisse in Vorarlberg tatsächlich zeitweise zurück, obgleich ich versuche in einer Form kontinuierlich bildend zu arbeiten. Kuratieren bedeutet länderübergreifende Projekte, Kooperationen mit Institutionen, Zusammenarbeit mit Menschen großen Geistes, die inspirieren. Das speist.

QLT: Sie sind Gründer der ACHSE Enterprises. Welches Konzept verfolgen Sie damit? Was genau ist die ACHSE Enterprises?
Aram Haus: In der Achsenzeit wurden, vereinfacht gesprochen, Politiker durch Intellektuelle ersetzt, also eine Zeit, in der sich die Menschen am Leitbild der philosophischen, kunstschaffenden und denkenden Freigeistern an der Spitze ihrer Gesellschaften orientierten und das zum Erblühen all dieser Kulturen führte. Unabhängig voneinander brachten die Gesellschaften Denkergrößen hervor, deren Namen bis heute präsent sind: Lao-Tse, Konfuzius, Platon, Aristoteles, Zarathustra und Siddharta Gautama.
ACHSE Enterprises besteht derzeit aus zwei Unternehmungen: Wiener ACHSE ist ein europäisches Netzwerk aus Kunst- und Kulturschaffenden, das interdisziplinäre Projekte im Kontext der zivilen Gesellschaftskultur etabliert. (www.wienerachse.org). ACHSE Verlag ist ein aus diesem Netzwerk hervorgegangener Verlag im Kontext der Künste. Mit Pussy Pairs und ACHSE Africa widmet sich auch der Verlag zivilgesellschaftlich relevanten Projekten. www.achseverlag.com
Audience Development/Engagement, Capacity Building und Crossborder Mobility sind die drei Hauptsäulen, auf der die Arbeit der ACHSE Enterprises beruht.


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QLT: Haben Sie schon neue Ideen und konkrete Ziele für das Messeformat ART BODENSEE?
Aram Haus: Durchaus. Die Ideen sind vielfältig und schlagen sich im diesjährig extravaganten Rahmenprogramm nieder: STATE OF THE KUNST ist eine begleitende Kunstausstellung mit Werken bedeutender deutschsprachiger Artists, unter ihnen Josef Beuys, Ashley Hans Scheirl, Imi Knoebel, Gelatin, Valie EXPORT, Jonathan Meese und Brigitte Kowanz. Erstmalig präsentiert ART BODENSEE einen Artist in Residence. Milan Mladenovic erschafft im Laufe des Juni für Besucher*innen interaktive Kunstwerke. Eine Sonderausstellung der österreichischen Staatskünstlerin Elke Krystufek, hochbrisantes Podium, Lectures, Ehrungen und Preisverleihungen, Kinderprogramm und Netzwerkveranstaltungen runden die Kunstmesse ab. Gönnen Sie sich dieses außergewöhnliche Ereignis!
Eindeutiges Ziel für die einzige Kunstmesse am Bodensee ist, das Potential der Region zu schöpfen, künstlerisch, kulturell, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Bis 2022 soll ART BODENSEE ein in Europa anerkanntes Gegenwartskunstmarktformat sein und gleichzeitig Kommunikationsplattform für die Region um den Bodensee und für angehende und erfahrene Kunstkäufer*innen ein verlässlicher Partner sein.

QLT: Was ist das Besondere in diesem Jahr? Gibt es ein Highlight?
Aram Haus: Der Spirit dieses Jahr ist das Besondere. Der Relaunch der Messe zieht viele neue Kräfte. Es sind viele kulturelle Schlüsselpersonen in den Prozess integriert, die sich großzügig einbringen. Aufregende Galerien, Neulinge und alte Meister*innen, Artists und Art-Conaisseurs sind aufmerksam und ein gewisses Risiko steigert den fun factor. Highlights der ART BODENSEE 19 sind die diverse europäische Galerienlandschaft, weitgehend unbekannte großformatige Pastelle von Francis Bacon, erstmals gezeigt in Österreich und die Installation des ART BODENSEE Artist in Residence Milan Mladenovic, bei der die eine Lichtwand rein durch die Gedankenkraft der Besucher’*innen erlischt oder erstrahlt.

Das Interview führte Jasmin Hummel
Foto: Udo Mittelberger



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