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How to Win at Photography – Die Fotografie als Spiel

21.04.2021 | QLT Redaktion

Take a Better Picture, 2018 © Dorothée Elisa Baumann

„How to Win at Photography – Die Fotografie als Spiel“ vom 05.06.–10.10.2021 im Fotomuseum Winterthur erkundet die Fotografie als spielerisches Unterfangen. Die Ausstellung untersucht das Verhältnis von Spiel und Bild und stellt dabei unerwartete Verbindungen zwischen der Geschichte der Fotografie, der Gamifizierung des Sichtbaren sowie den Praktiken der Bildproduktion mit (und in) Computerspielen her.

Die Gruppenausstellung How to Win at Photography umfasst mehr als vierzig Positionen; darunter zeitgenössische als auch historische Arbeiten aus dem 20. Jahrhundert. Durch eine Assemblage von multimedialen Kunstwerken und vernakularen Bildern hinterfragt die Ausstellung das Wesen und die Funktion der Fotografie in der Gegenwart.

Spielen wir mit der Kamera oder spielt die Kamera letztlich mit uns? Haben wir wirklich die Kontrolle oder sind wir nur Spielfiguren in grösseren technischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Netzwerken? Was können spielerische Formen der Fotografie auf politischer und gesellschaftlicher Ebene bewirken? Wer oder was vollzieht den Akt des Sehens und Fotografierens – Menschen, Maschinen oder eine Kombination aus beiden? Und schliesslich: Wer spielt mit und wer gewinnt?

Dies sind nur einige der Fragen, denen How to Win at Photography nachgeht.

Die Ausstellung ist in fünf Kapitel unterteilt: Camera Play – Das Spiel mit dem Apparat, Game Travel – Das Spiel als Reise, Role Play – Das Spiel mit Identitäten, Replay –Wiederholung als Spiel und Gameplay – Die Regeln des Spiels. Camera Play hinterfragt die Funktion der Kamera und die Art und Weise, wie sie die Realität formt und hervorbringt. Im Zuge dessen thematisiert das Kapitel die Beziehung zwischen Apparat und Fotograf_in. Game Travel bietet eine visuelle Taxonomie von Spielumgebungen. Mit seiner Erforschung simulierter Umgebungen ist dieser Teil der Ausstellung eine Reise in das bekannte Unbekannte. Role Play widmet sich dem Spannungsfeld zwischen normativer Repräsentation und fluiden Identitäten, etwa durch individuell gestaltete Avatare und inszenierte Porträtfotografien. Das Kapitel Replay erkundet einerseits, wie Wiederholung unsere Erinnerung und Wahrnehmung beeinflusst, andererseits aber auch die Verbindung von Original und Kopie. Schliesslich befasst sich der Bereich Gameplay mit der Entstehung von Regeln und Bewertungssystemen in der zeitgenössischen Fotografie und mit den Prozessen der Gamifizierung, die sich in der Bemessung des Werts von Bildern durch Klicks, Likes und Follower_innen ausdrückt.

How to Win at Photography lädt die Besucher_innen dazu ein, sich mit den spielerischen Aspekten der Fotografie zu beschäftigen. Die Ausstellung wirft einen Blick auf die Werke von Künstler_innen und Fotograf_innen, die mit oder auch gegen die Kamera spielen. Dabei untersuchen sie unter anderem Umgebungen und Strukturen von Videospielen und befragen Vorstellungen von Identität, Geschlecht und Klasse.

«Die Drittel-Regel befolgen, den entscheidenden Moment einfangen, die Belichtungszeit beherrschen, gegen die Kamera spielen, Likes und Follower_innen sammeln, alle Normen und Konventionen brechen, die Apparatur hinterfragen, das Spiel gewinnen – diese Ausstellung erkundet das Spiel als Sprache und Fotografie als eine Art des Sehens. »

Marco De Mutiis, Digital Curator, Fotomuseum Winterthur

Mit Arbeiten von: Cory Arcangel, Claude Cahun, John Hilliard, Cindy Sherman, Ai Wewei, John

Fotomuseum Winterthur, weitere Infos hier