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Theater Konstanz schnuppert Zirkusluft

15.05.2019 | QLT Redaktion

Im Sommer 2019 bietet das Zirkuszelt auf Klein Venedig direkt am Konstanzer Bodenseeufer Erlebnisse der besonderen Art – Theater im Zelt und auf der Freilichtbühne, Konzerte und Workshops, Zirkusshows zum Staunen mit Clowns und Akrobaten und ein großes kulinarisches Angebot. Familie Bügler, die ihren Circus Salto Mortale bereits in der achten Generation führt, gastiert in Konstanz und öffnet ihr Zirkuszelt als Theaterspielort von Anfang Juni bis Ende Juli. Gestartet wird im Zelt am 2.6. mit einem Gastspiel im Rahmen des Bodenseefestivals – Francesco Tristano – live in concert! Tristano, Artist in Residence des diesjährigen Festivals, lebt in zwei musikalischen Welten, sowohl in der Klassik als auch in Techno und Electro. Seine Musik ist Ausdruck einer Offenheit, die keine Grenzen duldet.

Das Theater Konstanz zeigt ab 15.6. ein Zirkusspiel von Christoph Nix nach einer wahren Geschichte, die Uraufführung von „Foottit und Chocolat“ über den ersten schwarzen Clown und seinen weißen Partner – eine Hommage an die Menschlichkeit im Angesicht der Clownerie. Die eigens für Konstanz erarbeitete Bühnenfassung über Aufstieg und Fall des Rafael Padilla wird von Mark Zurmühle, Olli Hauenstein und Christoph Nix in Szene gesetzt. Lange war sie vergessen, die Geschichte des ersten schwarzen Clowns, genannt Chocolat, und seines weißen Partners Foottit. Gemeinsam stolperten sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Zirkusmanegen und über die großen Bühnen Frankreichs. Als autoritärer Weißclown und leidender schwarzer Dummer August revolutionierten sie die Clownskunst. Auf der Suche nach einem neuen Manegenpartner entdeckte Clown George Foottit den aus der kubanischen Sklaverei entflohenen Rafael Padilla. Ihre gemeinsame Show wurde zum Publikumsmagneten und sie feierten gemeinsame Erfolge.

Es folgt für Kinder ab 6 Jahren „Sagt der Walfisch zum Thunfisch“, ein Stück über Zugehörigkeit und Ausgrenzung, über die Kraft des Witzes und die Notwendigkeit der Liebe. Vervollständigt wird das sommerliche Theaterprogramm dann auf der großen Bühne unter freiem Himmel von Carl Zuckmayers Seiltänzerstück „Katharina Knie“, in dem Solidarität in Zeiten wirtschaftlicher und politischer Not thematisiert wird. Katharina, die Tochter des alten Zirkusdirektors und Seiltänzers Knie, ist der Star des kleinen Wanderzirkus Knie. Ihr Vater ist stolz auf ihr Talent und bestimmt sie zur Erbin des Familienunternehmens.
Als die von den Auswirkungen der Inflation geplagte Truppe in einem Dorf gastiert, wird die überschaubare Zirkuswelt aus dem Gleichgewicht gebracht. Katharina stiehlt einem Bauern erst den Hafer, dann das Herz und steht vor der Entscheidung: Fortsetzung des Wanderlebens mit der eingeschworenen Zirkusgemeinschaft oder ein bodenständiges Dasein an der Seite des Bauern Rothacker? Katharinas Entscheidung stellt die alte Zirkusdynastie vor die Überlebensfrage. Ergänzt wird das Programm durch Vorstellungen des Circus Salto Mortale und regionaler Kinder- und Jugendzirkusgruppen sowie Zirkus-Workshops für Kinder. Genießen Sie Theaterspektakel, Zirkusluft und die ganz spezielle Atmosphäre auf Klein Venedig – vor, während und nach den Vorstellungen.


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Sonett

 

Im Großen Haus erlebt man ein nicht nur musikalisches Highlight, das Musical „Cabaret“ in der Inszenierung der englischen Choreographin und Regisseurin Rosamund Gilmore. Cabaret ist ein musikalischer Bilderbogen Berlins am Ende einer Epoche, der vom zwielichtigen Nachtclub-Conférencier bis zur Pensionswirtin, vom Tingel-Tangel-Star bis zum jüdischen Gemüsehändler reicht.
Im Rahmen des Internationalen Bodenseefestivals feiert am 17.5. „Die Hauptstadt“ Premiere. In seinem mit dem Deutschen Buchpreis 2017 ausgezeichneten Roman spannt Robert Menasse einen weiten Bogen zwischen den Zeiten, den Nationen, dem Unausweichlichen und der Ironie des Schicksals, zwischen kleinlicher Bürokratie und großen Gefühlen. Und durch Brüssel läuft ein Schwein, das die Aufmerksamkeit aller, vor allem der Medien, auf sich zieht. In Kooperation mit dem Bodenseefestival mit dem Thema Benlelux übernimmt Artist in Residence Francesco Tristano die musikalische Leitung, Regie führt Mark Zurmühle, Schauspieldirektor am Theater Konstanz.
Noch einmal wird im Stadttheater am 19.5. um 18 Uhr „Warten auf Godot“ gezeigt, bevor die Inszenierung zu den Baden-Württembergischen Theatertagen nach Baden-Baden reist. Intendant Christoph Nix inszeniert Beckets „Warten auf Godot“ in einem Bühnenbild, das Raum für die Darsteller und für Fantasie lässt. Die Zeit des Dazwischen, die Zeit des Wartens, aufgeladen mit clownesker Komik und der Tragik des Absurden. Wladimir und Estragon sind irgendwo und irgendwann und warten auf Godot. Sie wissen nichts über ihn, wann und ob er überhaupt kommt. Ein weiteres Figurenpaar kommt hinzu, Diener Lucky mit seinem Herrn Pozzo. Alles wiederholt sich, aber schlechter als zuvor.

 

In der Werkstatt steht die deutschsprachige Erstaufführung „Ich verschwinde“ von Arne Lygre, die 2013 den Ibsenpreis gewann, auf dem Plan. Der norwegische Erfolgsautor setzt auf den Kern des Theaters – die Sprache – und entwickelt ein komplexes Stück über die unsichtbaren Verbindungen der Menschen im Zeitalter existentieller Erschütterungen. Die Deutsche Erstaufführung „Meer“ bringt Regisseur Wulf Twiehaus auf die Bühne der Spiegelhalle. Hier begegnen sich sechs Figuren an einem unbekannten Ort des zugleich Möglichen als auch Unmöglichen.

www.theaterkonstanz.de
Foto: Theater Konstanz/Ilja Mess



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