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Große Emotionen am Theater Konstanz

13.03.2019 | QLT Redaktion

Cabaret – Willkommen beim Tanz auf dem Vulkan
Dem Theater Konstanz ist es gelungen, die englische Choreographin und Regisseurin Rosamund Gilmore an den Bodensee zu holen, die nun im großen Haus das Musical „Cabaret“ inszeniert. Wie keine andere Zeit stehen die wilden Zwanziger für ein Leben im Moment, ein Reich des Möglichen, die Magie des Aufbruchs. Immer dabei auch die Fratze der Armut, des Hasses, der Restriktion. Cabaret ist ein musikalischer Bilderbogen Berlins am Ende einer Epoche, der vom zwielichtigen Nachtclub-Conférencier (Ingo Biermann) bis zur Pensionswirtin (Katrin Huke), vom Tingel-Tangel-Star (Anne Simmering) bis zum jüdischen Gemüsehändler (Ralf Beckord) reicht. Silvester 1929: Die braunen Schatten werden immer größer und gleichzeitig tanzt man im Kit-Kat-Klub alles, was Mode ist. Cabaret-Star Sally Bowles genießt die Liaison mit dem schüchternen Amerikaner Cliff (Arlen Konietz), der über das Roaring Berlin staunt. Dann die Katastrophe: Kündigung, improvisiertes Überleben in einer Pension. Sally treibt ab, die ersten Fensterscheiben splittern – die Nazis sind da. Cliff verlässt Berlin – ohne Sally, die daran glaubt, auch in Zukunft als umschwärmtes Showgirl die Welt außerhalb der Bühne vergessen zu machen. Die musikalische Leitung hat Tobias Schwencke übernommen, der auch bei „Jesus Christ Superstar“ und bei der Musikkomödie „Ewig jung“ verantwortlich war. Die Musiker tragen das ihre zu diesem Ohrenschmaus bei: Frank Denzinger, Benjamin Engel, Carlo Schöb, Stefan Gansewig, Rudolf Hartmann, Albert Arpi Ketterl, Christian Kramer, Andreas Reif. Man kann sich also wieder auf ein musikalisches Highlight im Stadttheater freuen, das am 12.4. Premiere feiert.

Macht und Ohnmacht
Im Großen Haus läuft bis 27.3. Lot Vekemans „Momentum“, ein Stück über den Preis der Macht und verlorene Ideale und bis 26.4. ist „Der brave Soldat Schweijk“ in der Inszenierung der in Israel geborenen Regisseurin Sapir Heller zu sehen. Jaroslav Hašeks Schelmenroman zeigt Schweijks Odyssee durch die osteuropäischen Gebiete des Ersten Weltkriegs. Als Offiziersdiener an der Front lässt der skurrile Antiheld Schweijk Militärchargen und Kriegsbürokraten im Feuerwerk seines bizarren Widerspruchsgeistes tanzen und reißt die nationale Hierarchie der österreich-ungarischen Vielvölkerarmee lachend nieder. Er treibt sein wildes Spiel mit einer zwischen Lethargie und Chaos zerrissenen Welt, die den Einzelnen zu einer Nummer und die Menschenseele überflüssig werden lässt.Derweil wird in der Werkstatt noch bis 23.3. „Gerron“ gespielt. Charles Lewinskys Bestseller-Roman zeichnet ein weitgehend auf Tatsachen beruhendes Porträt des Schauspielers und Regisseurs Kurt Gerron, der 1944 mit seiner Frau nach Theresienstadt deportiert wurde. Auf die Bühne in der Werkstatt des Theater Konstanz bringt Regisseurin Annette Gleichmann ihre Fassung als beeindruckendes Puppen- und Schauspiel. Gerron bekommt den Auftrag, einen Film zu drehen, der das erniedrigende Dasein im Ghetto als Paradies schildern soll. Inmitten dieser Hölle stellt sich die Frage der Moral, doch solange gedreht wird, können die Darsteller nicht deportiert werden.
Auch die beiden Monologe „Der Reichsbürger“ und „Eine Art Liebeserklärung“ werden weiterhin in der Werkstatt gezeigt.

Große Themen für Kinder
Im März präsentiert das Theater Konstanz „King A“, eine Ode an jedes Ritterherz von Inèz Derksen, in der Spiegelhalle für Familien auch nachmittags und abends. Die niederländische Autorin hat mit ihrer Überschreibung der Artussage für viel Furore gesorgt und begeistert nicht nur Kinder ab 8 Jahren mit ihrer Mischung aus Action, Humor und Hintersinn. Für das Gute eintreten, mächtig sein, Mut haben, Abenteuer bestehen, um die Ehre kämpfen, treu sein, bewundert werden – was macht einen Ritter oder eine Ritterin aus? Als Artus das Schwert aus dem Stein zieht, soll er König werden, hat dazu aber gar keine Lust. Viel zu viel Verantwortung! Was ist gut für das Land? Was ist richtig für die Menschen? Artus entwickelt seine eigene Vision: Eine bessere, friedlichere, gerechtere Welt soll es sein. Er setzt alle an einen runden Tisch, die Tafelrunde, an der kein Platz sein soll für den eigenen Vorteil, für Neid und Korruption. Demokratie wird geprobt. Auch wenn wilde Schwertkämpfe und Drachenjagden nicht zu kurz kommen. Ritterin Guinevere soll Artus‘ Frau werden, verliebt sich aber in seinen besten Freund Lanzelot. Was nun? Ist eine große ritterliche Eigenschaft das Verzeihen?
In der Werkstatt ist ab 30.3. „Patricks Trick“ für Kinder ab 10 Jahren zu sehen. Patrick erfährt, dass sein ungeborener Bruder behindert sein wird. Wie geht er damit um? Mit poetischer Leichtigkeit und einer Menge ungewöhnlicher Fragen wagt sich Autor Kristo Šagor in seinem preisgekrönten Stück an ein Tabuthema aus der Perspektive eines Kindes. Regisseurin Miriam Dold inszeniert zusammen mit ihrem Team dieses spannende Thema.


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Kohn

Hereinspaziert!
Theater Konstanz präsentiert Zirkuszelt
Im Sommer 2019 bietet das Zirkuszelt auf Klein Venedig Erlebnisse der besonderen Art – Theater im Zelt und auf der Freilichtbühne, Konzerte und Workshops, Zirkusshows zum Staunen und ein großes kulinarisches Angebot. Familie Bügler, die ihren Circus Salto Mortale bereits in der achten Generation führt, gastiert in Konstanz und öffnet ihr Zirkuszelt als Theaterspielort von Mitte Juni bis Ende Juli. Gestartet wird im Zelt mit einem Zirkusspiel von Christoph Nix nach einer wahren Geschichte, der Uraufführung von „Foottit und Chocolat“ über den ersten schwarzen Clown und seinen weißen Partner – eine Hommage an die Menschlichkeit im Angesicht der Clownerie. Es folgt für Kinder ab 6 Jahren „Sagt der Walfisch zum Thunfisch“ und vervollständigt wird das sommerliche Theaterprogramm dann auf der großen Bühne unter freiem Himmel von Carl Zuckmayers Seiltänzerstück „Katharina Knie“.Genießen Sie Theaterspektakel, Zirkusluft und die ganz spezielle Atmosphäre auf Klein Venedig am Ufer des Bodensees – vor, während und nach den Vorstellungen.
Vorverkaufsstart: 19. März 2019

www.theaterkonstanz.de

Fotos: Foto1/4  Ilja Mess, Foto2/3 Bjørn Jansen


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