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Gewerbemuseum Winterthur – illustriert & inszeniert

17.08.2022 | QLT Redaktion

Foto: Michael Lio

Raffiniert inszenierte Geschichten voller Witz und Poesie sowie Illustrationen, die Erwachsene wie auch Kinder in ihren Bann ziehen – das sind Bilderbücher. Die vom Bilderbuchexperten Hans ten Doornkaat kuratierte Ausstellung „Bilderbücher: illustriert & inszeniert“ rückt noch bis zum 23.10. ein Medium in den Fokus, das zwischen Erzählung, Illustration und visueller Gestaltung oszilliert und mit der Präsentation von zahlreichen zeitgenössischen, internationalen und nationalen Positionen eine überraschende Vielfalt auffächert.

Erzählweisen …
Was macht der Falz des Buches mit der Geschichte, wie wird der Bildraum eingesetzt? Welche Assoziationsräume eröffnen sich durch Farben und Formen in der Abfolge der Seiten? Bilderbücher zeigen nicht einfach illustrierte Texte, sie generieren mit den Illustrationen und dem Umgang mit der Materialität des Buches neue Bedeutungsebenen, die selbst sprachenähnlich funktionieren. So werden Geschichten – seien sie komisch, gesellschaftskritisch, fantastisch (oder alle drei Varianten) – mitunter ganz ohne Worte erzählt, dafür aber mit mehreren Bildebenen. So kann das nur das Bilderbuch! Die Ausstellung erkundet die vielfältigen Möglichkeiten.

… und Illustrationen
Es sind die Illustrationen, die in den Buchseiten die Geschichten zum Leben erwecken. Von farbintensiver Verspieltheit zu minimalistischen Grautönen, von digitaler Makellosigkeit zu groben Skizzen und von ungewöhnlichen Formaten über Pop-up-Effekte bis hin zu gelochten Buchseiten: Die Gestaltungsmöglichkeiten der Illustrierenden scheinen endlos.

Materialität …
Die Verbindung von Bildern und Wörtern erschafft in vielen Medien Bemerkenswertes, doch im Bilderbuch ist es die Materialität des Buchs selbst, die in den Mittelpunkt rückt: Ausklappseiten sprengen das Buchformat, durch Paper-Engineering entfalten sich komplexe Pop-up-Effekte und ein durchs ganze Buch gestanztes Loch kann Seite für Seite neu gelesen werden.

… und Bilderbuchmachen
Welche Schritte unternehmen Illustrierende, bis am Ende das fertige Bilderbuch entstanden ist? Die Ausstellung setzt Bilderbücher in den Kontext gestalterischer Prozessualität und nimmt in Ateliersituationen vor Ort Schweizer Illustratoren in den Fokus.

Meta-Bilderbücher …
Heute machen Bilderbücher auch ihre Fiktionalität zum Thema. Das Erfinden und Entwickeln der Geschichte wird als Metakonstruktion zu einem Teil der Handlung. Figuren diskutieren mit Autoren oder nehmen die (Un-)Möglichkeit, die eigene Geschichte umzuschreiben, in den Blick. Ähnlich wird mit der Rolle der Betrachtenden gespielt, wenn beispielsweise Bücher auf den Kopf gestellt werden müssen, damit die Figuren nicht herausfallen. Im Zentrum steht das Spiel mit dem eigenen Status, das Bewusstmachen und Brechen von Erwartungen. Nicht zufällig reizen Metabilderbücher die physischen und ästhetischen Möglichkeiten des Mediums besonders vielfältig aus.

www.gewerbemuseum.ch



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