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Gallus Frei-Tomic im Interview mit QLT

12.08.2020 | QLT Redaktion

Gallus Frei-Tomic, Primarlehrer, Literaturkritiker und Vermittler sowie Herausgeber der Literaturblätter.ch ist seit August offiziell neuer Programmleiter im Bodman-Literaturhaus Gottlieben. Er hat ein spannendes Programm auf die Beine gestellt und startet mit acht Veranstaltungen in die neue Saison. Mit einem kleinen Sommerfest am 22.8. lädt er mit einer literarisch-musikalischen Auftaktveranstaltung ins Bodman-Literaturhaus. Wir haben mit ihm gesprochen über seine Pläne, seine Leidenschaft die Literatur und die Liebe zu seinem für ihn sakralen Medium Buch.

Qlt: Ihre Amtszeit im Bodman-Literaturhaus hat bereits begonnen und es laufen die Planungen und Umsetzungen. Ich denke Sie werden mit Spannung erwartet und bringen ein breites Spektrum mit – worauf wollen Sie setzen?

G. F.-T.: Ich bin direkt von der Stiftung angefragt worden und war vorher bereits im Stiftungsrat der Kulturstiftung Thurgau aktiv und habe diverse Veranstaltungen wie die Frauenfelder Lyriktage organisiert oder bereits moderiert bei Veranstaltungen im Literaturhaus. Jetzt geniesse ich, dass ich die nächsten drei Jahre dort schalten und walten kann und freie Hand habe in meiner Wahl und Organisation. Wichtig ist mir persönlich auch, die deutsche Seite mit zu integrieren und neue Formate zu präsentieren.

Qlt: Sie sind selber Literaturvermittler mit Ihrer eigenen Plattform literaturblätter.ch? Können Sie uns darüber erzählen wie diese entstanden ist?

G. F.-T.: Seit zehn Jahren mache ich die Literaturblätter – suche mir fünf Bücher aus und mache fünf Kurzrezensionen dazu. Ich schreibe diese von Hand und illustriere diese mit Handzeichnungen. Vor vier Jahren habe ich mit meiner Domain literaturblätter.ch gestartet. Die Idee war, die Plattform als Werbeträger für die Literaturblätter zu nutzen. Aber die Liebhaber meiner handgeschriebenen Literaturblätter sind andere als die User meiner Domain. Auf meiner Website kann man sich allgemeine Impulse holen zu aktuellen Büchern und spannendem Lesestoff. Dort gibt es sowohl Rezensionen als auch Gastbeiträge von Schriftstellern oder AutorenInnen. Das handgelesene Blatt hat seine eigene Ästhetik und spezielle Leserschaft. Durch meine Plattform als auch meine Veranstaltertätigkeit konnte ich so in den letzten zehn Jahren ein großes Netzwerk aufbauen, woraus ich nun schöpfen kann für die Programmleitung.

Qlt: Was sind die konkreten Pläne zur neuen Programmplanung?

G. F.-T.: Für mich ist es zunächst neu, in einem Amt zu wirken und dementsprechend bin ich gespannt. Vorher habe ich Veranstaltungsreihen organisiert, jedoch ohne Erwartungshaltung. Da ich nicht nur konventionell Lesungen vorbereite, sondern das Programm öffne für neue Formate und auch Mischformen, wird man sehen, wie es ankommt beim Publikum.
Was ich übernehme ist die Reihe „Début“ mit Judith Zwick aus Konstanz. Oder es gibt ein Gefäss, das nennt sich schreibende Paare und literarische Gespräche mit diesen Paaren, wo es neben der Literatur auch um gesellschaftliche Themen geht. Eine andere Reihe, die wir machen, nennt sich Literatur am Tisch. Da wird man in einer Gruppe beim Essen über das gelesene Buch sprechen. Ein weiteres Gefäss sind lyrisch-musikalische Veranstaltungen, wo ich Lyriker mit Musiker zusammenbringe und die individuell eine Performance einstudieren, die sie dann vor dem Publikum präsentieren. Ich kann da von meinen Erfahrungen meiner literarischen Veranstaltertätigkeit profitieren und Formate, mit denen ich gute Erfahrungen habe, nun in den neuen Kontext des Bod-
man-Literaturhauses bringen. Es gibt heute ganz verrückte Formate und spannende Formen und das würde ich gerne auch ein bisschen ausprobieren und austesten.

Qlt: Welche Themen interessieren Sie persönlich?

G. F.-T.: Spezielle Themen begleiten mich nicht – höchstens die Entgrenzung, Grenzen öffnen, sich nicht beschränken oder eingrenzen zu lassen. Es wird im Frühling auch eine Fotografieausstellung geben. Auch wenn es nicht einfach ist – möchte ich Literatur, Kunst und Musik zusammenbringen. Meine Tochter ist professionelle Illustratorin, für meine Literaturblätter und Werbeträger arbeiten wir da auch zusammen.

Qlt: Was bedeutet das Medium Buch für Sie und im Gesamtkontext der aktuellen Medienlandschaft?

G. F.-T.: Ich bin ein extremer Haptiker – ich lese auch keine E-Books. Für mich ist Schrift auch etwas wichtiges. Ich bewundere die Tätigkeit des Schreibens und liebe die perfekte Verschmelzung von Form und Inhalt. Schöne Bücher entzücken mich. Ich habe unzählige Bücher bereits gelesen – jedes meiner Bücher verbindet auch eine besondere Begegnung. Gelesen habe ich schon immer. Das Buch ist für mich wie eine Reliquie. Es gibt für mich gewisse Überbücher – sie haben für mich einen gewissen Heiligenstatus. Ich lese auch gerne laut und geniesse den Sound. Ohne ein Buch gehe ich nicht aus dem Haus. Es begleitet mich überallhin. Ich brauche es sozusagen immer griffbereit. Auch im Bodman-Literaturhaus ist niemand anders die Königin wie die Literatur und ich freue mich nun auf diese Tätigkeit.

        Das Interview führte Jasmin Hummel



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