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Festival Kammermusik Bodensee – Sehnsucht

19.08.2021 | QLT Redaktion

Starsopranistin Malin Hartelius

27. – 29.8. auf dem Lilienberg in Ermatingen

Wie oft hatten Sie in den letzten Monaten Sehnsucht? Sehnsucht nach der Rückkehr zur Normalität, Sehnsucht nach Nähe, nach Geborgenheit, nach einem feinen Essen im Restaurant, Sehnsucht nach Live-Konzerten… Was könnte also passender sein in diesem Jahr, als die Sehnsucht als Motto des Festivals Kammermusik Bodensee 2021 zu wählen.

Die Liebe und die Sehnsucht sind auch in der Musik allgegenwärtig und so ist denn die Sehnsucht das verborgene Band, das die Werke des diesjährigen Festivals zusammenhält. Sie prägt die Texte der Werke mit Gesang und die Grundstimmung in den Instrumentalwerken. Die menschliche Stimme vermag dieser Sehnsucht am unmittelbarsten Ausdruck zu verleihen, aber auch die Streichinstrumente bringen in uns verborgene Saiten und Emotionen zum Klingen. Dazu gesellt sich die Klarinette mit ihrem sehnsuchtsvollen Klang.

Neben der schwedischen Starsopranistin Malin Hartelius empfängt das Schweizer Klaviertrio die Bratschistin Ruth Killius, den Cellisten Sébastien Singer und mit Mariana Rüegg, Klarinette und Audrey Haenni, Violine auch zwei junge grossartige Schweizer Nachwuchsmusikerinnen. Weitere Nachwuchstalente aus dem Thurgau und der übrigen Schweiz gestalten die Matinee am Sonntagvormittag. Erleben Sie die jungen Musiker auch im öffentlichen Workshop für Gesang, geleitet von Malin Hartelius.

Unter dem Titel „Nur wer die Sehnsucht kennt“ eröffnen am Freitagabend zwei Sehnsuchtslieder von Franz Schubert das Festival: das „Lied der Mignon“ und „Auf dem Strome“ für Sopran, Viola und Klavier. Weiter erklingen vier Deutsche Lieder von Louis Spohr für Sopran, Klarinette und Klavier und zwei der beliebtesten Instrumentalwerke Robert Schumanns, seine Fantasiestücke op. 73 für Klarinette und Klavier und das Klavierquintett op. 44.

Die Sehnsucht nach Vergangenem steht im Mittelpunkt des träumerischen Programms vom Samstag. Die drei Werke mit Gesang besingen alle die Sehnsucht nach einem geliebten Menschen. In der „Elégie“ von Massenet für Sopran, Cello und Klavier und im „Chanson Perpétuelle“ von Chausson für Sopran und Klavierquintett ist es der verlorene Geliebte, während Respighi in seinem lyrischen Gedichtepos „Il Tramonto“ – „Der Sonnenuntergang“ für Sopran und Streichquartett ein Werk von reiner musikalischer Poesie schafft. Auch die zweite Violasonate von Brahms nimmt diese Melancholie auf. Mozarts erstes Streichquartett und drei Slawische Tänze von Dvořák bilden dazu einen lebensfreudigen Kontrapunkt.

E.T.A. Hoffmann schreibt über Beethovens zweites Trio des Opus 70, es „erwecke eben jene unendliche Sehnsucht, welche das Wesen der Romantik ist.“ Eine erstaunliche, aber zutreffende Aussage! Die 1907 entstandenen „Three Songs“ für Sopran, Viola und Klavier von Frank Bridge beschreiben existentielle Fragen: Wohin die Seele geht, wenn wir sterben oder die Gedanken und die Liebe, die auch nach dem Tode eines geliebten Menschen bleiben, wie Musik, die in der Erinnerung weiterklingt. Nahtlos schliesst sich diesem tiefsinnigen Zyklus das erste Klaviertrio von Anton Arensky an, das dem Andenken an den grossen Cellisten Charles Davidoff gewidmet ist. Ein eindrückliches romantisches Tongemälde in russisch-elegischem Stil.

Mit diesem reichhaltigen Programm möchte das Festival Kammermusik Bodensee die Sehnsucht der Musikfreunde nach emotionalen Konzerterlebnissen stillen. Geniessen Sie ein entspanntes Musikwochenende auf dem Lilienberg mit seinem hellen Konzertsaal, dem grosszügigen Park mit Blick auf den Untersee und dem umfassenden Angebot mit hochstehender Gastronomie und sehr schönen Gästezimmern.

Alle Details unter: www.kammermusikbodensee.com



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