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Wer Huhn sagt muss auch Hahn sagen

15.09.2021 | QLT Redaktion

… und wer seine Hühner Eier legen lässt, sollte die männlichen Küken aus der Legelinie nicht vergessen. Das ist die Überzeugung der Gründer der Huhn & Hahn Initiative. Diese ermöglicht die Aufzucht der männlichen Küken in der Legehennen-Haltung zusammen mit Partnerbetrieben in Baden-Württemberg und Bayern.

DIE EIER-HÖFE AUS BADEN-WÜRTTEMBERG PRAKTIZIEREN BEREITS SEIT DEM JAHR 2017 DIESEN GROSSEN SCHRITT, HIN ZU EINER BESSEREN TIERHALTUNG
Gemeinsam mit den Landwirten der Huhn & Hahn Initiative der 08-Gruppe „Die Eier-Höfe aus Baden-Württemberg“ und gleichgesinnter Bio-Landwirte aus Bayern der Edeka Südwest und Okle, den Firmen
BÜRGER sowie der Diakonie und Metzgerei Mader ist es gelungen, bereits seit dem Jahr 2017 diesen großen Schritt hin zu einer besseren Tierhaltung zu gehen.

WARUM WERDEN KÜKEN BISLANG GETÖTET?
Jedes Jahr werden allein in Deutschland etwa 45 Millionen Hühnerküken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Dabei handelt es sich um die männlichen Geschwister der Legehennen. Die weiblichen Küken dürfen als Legehennen weiter leben und uns mit leckeren Eiern beglücken. Da Hähne jedoch keine Eier legen, werden die männlichen Küken der Legelinie aus wirtschaftlichen Gründen aussortiert. Sie eignen sich nicht als Masthähnchen, weil sie kaum Brustfleisch ansetzen und es dadurch länger dauert, sie zu mästen. Aus diesem Grund wird die große Mehrheit der männlichen Küken derzeit kurz nach dem Schlupf in den Brütereien getötet.

VITALE HÄHNE STATT TOTE KÜKEN
Bei der Huhn & Hahn Initiative werden Huhn und Hahn groß gezogen, anschließend erhalten die Hähne einen separaten Stall und dürfen, idealerweise, sobald sie alt genug sind, auch auf die grüne Wiese. Bisher dürfen circa 40 % der Freilandhähne schon auf die grüne Wiese, das Ziel ist es, zukünftig alle Hähne der Freilandhennen auch als Freilandhähne groß zu ziehen. Die Hähne der Legelinie brauchen fast dreimal so lange bis sie groß sind wie konventionelle Masthähnchen. Das verlangt von den Landwirten einen enormen zeitlichen, personellen und finanziellen Mehraufwand. Dafür sind diese Hähnchen aber extrem fit – das langsame Wachstum und die Möglichkeit der Freilandhaltung sorgen dafür, dass sie vital, gesund und beweglich bleiben. Die höheren Kosten für die Aufzucht der Hähne werden neben dem Verkauf des Hähnchenfleisches auch durch einen Preisaufschlag bei den Eiern der zugehörigen Hennen finanziert.

SELBST AKTIV WERDEN
Sie möchten die Huhn & Hahn Initiative auch gerne unterstützen? Kein Problem, die Produkte der Huhn & Hahn Initiative gibt es schon eine ganze Weile: Unter anderem bei Edeka, Rewe, Norma, Kaufland, Landmarkt
und bei vielen Bio-, Naturkost-, Hof-und Bauernmärkten in der Region.

EIN HERZ FÜR DIE MÄNNER WG
Auf der grünen Wiese neben dem gläsernen Legehennenstall sind vor ein paar Tagen  männliche Küken in den Mobilstall des Hönig-Hofs eingezogen. Denn der Hönig Hof ist treibende Kraft hinter der Huhn & Hahn-Initiative und übernimmt damit die Verantwortung für die Aufzucht der männlichen Küken und Geschwister der Legehennen. Inzwischen ist es gesetzlich klar geregelt, dass ab nächstem Jahr die männlichen Küken nicht direkt nach dem Schlüpfen getötet werden dürfen.

Die Discounter setzen vielmals darauf, dass die Geschlechtsbestimmung im Ei, im sogenannten „In-Ovo“-Verfahren, zuverlässig funktioniert. „Damit wird das Kükentöten aber nur ins Ei verlagert und deshalb ist die Früherkennung im Ei ist nicht der Weg, den wir gehen möchten. Für uns gehören Henne & Hahn zusammen und deshalb setzt der Hönig Hof als Teil der Huhn & Hahn-Initiative auf die Aufzucht der Hähne“, so Christoph Hönig.

Dies braucht zwangsläufig entsprechende Ställe für die kleinen Küken. Sie werden in den Ställen in circa 12 bis 14 Wochen heranwachsen. Die Aufzucht ist damit im Vergleich zur reinen Mast deutlich langsamer.
Doch dafür sind Hähne auf dem Hönig Hof quicklebendig und bewegen sich munter im Stall und auf der Freilandfläche von 1qm für jeden Hahn. Die Qualität des Fleisches ist wegen des langsameren Wachstums und der Bewegung deutlich höher. Da die Hähne etwas weniger Fleisch ansetzen wird die Aufzucht durch einen kleinen Aufpreis von 3 Cent pro Ei quersubventioniert. Gerade Fachleute kritisieren dabei häufig die Nachhaltigkeit, da die Hähne entsprechend länger den Stall belegen und mehr Futter benötigen.

Diese Kritik ist aus Sicht des Hönig Hofes jedoch nicht gerechtfertigt, denn das Ziel sollte so oder so sein, den Fleischkonsum zu verringern. „Weniger Fleisch, dafür aber richtig gutes sollte das Motto für die Zukunft sein“, so Christoph Hönig weiter.

Damit übernimmt der Hönig Hof mit dem eigenen Mobilstall nicht nur eine ideelle, sondern eine ganz aktive Rolle für die Aufzucht der männlichen Küken und engagiert sich damit für eine nachhaltige Tierhaltung.

www.youtube.com/Eierhöfe


Betriebe welche an der Huhn & Hahn Initiative Teilnehmen



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