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DAS THEATER IN DEN ZEITEN DER PANDEMIE

29.04.2020 | QLT Redaktion

DAS THEATER IN DEN ZEITEN DER PANDEMIE – EIN REALISTISCHES KONZEPT ZUR UMSETZUNG DER FREILICHTINSZENIERUNG HERMANN DER KRUMME ODER DIE ERDE IST RUND

Das Theater Konstanz hat heute der Presse ein Konzept für die Münsterfestspiele auf dem Konstanzer Münsterplatz vorgestellt. Damit ist das Haus eines der ersten im Land, das nach der Schließung der Theater wegen der Corona-Krise mit Plänen für die Wiederaufnahme des Theaterbetriebes an die Öffentlichkeit geht.

Auf dem Münsterplatz Konstanz soll im Sommer 2020 das eigens für diesen Ort geschriebene Stück HERRMANN DER KRUMME ODER DIE ERDE IST RUND von Christoph Nix uraufgeführt werden. Mit diesem Werk wird Hermann von Altshausen, dem Benediktinermönch von der Insel Reichenau und einem der wichtigsten Gelehrten des 11. Jahrhunderts, ein Denkmal gesetzt. Hermann war Musiker, Erfinder, Mönch, Astronom, Spastiker, Dichter und nahe bei Gott – ein Stephen Hawking des ersten Jahrtausends. Mit dem Stück wird das Theater Konstanz ein deutliches Zeichen setzen, dass die Künstlerinnen und Künstler des Theaters ihren kulturellen Auftrag für die Menschen der Region ernstnehmen und mit ihrer Arbeit weiter Reflexionsräume für die Gesellschaft schaffen und offenhalten – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Das Team des Theaters hat alle hygienischen, infrastrukturellen, technischen und künstlerischen Aktionsmöglichkeiten abgeschritten, um für eine Freilichtinszenierung Bedingungen zu schaffen, die weder Zuschauerinnen und Zuschauer noch die Spielerinnen und Spieler, noch die bühnentechnische Mannschaft im Sinne des Infektionsschutzes gefährden. Sachkundig unterstützt wird das Haus durch Prof. Dr. Hartmut Hengel, den Ärztlichen Direktor des Instituts für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg. Mit der Bitte um Unterstützung hat sich das Theater in einem offenen Brief an die Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin und Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Frau Prof. Monika Grütters, gewandt. Prof. Ulrich Khuon, der Präsident des Deutschen Bühnenvereins hat seine Zusage, das Projekt zu unterstützen, bereits gegeben.

Statt einer wird es drei Zuschauertribünen geben, die Zahl der Plätze wird von 692 auf 228 reduziert. Dabei werden für jeden Zuschauer Abstände
eingehalten von wenigstens 150 cm. Das Modell sieht weiterhin vor, insgesamt 4-6 Zugänge für die Zuschauer einzurichten. Das Publikum begibt sich dabei auf unterschiedlichen Wegen zu den Zuschauerblöcken. Das Einlasspersonal trägt und verteilt Mund-Nasen-Schutzmasken.
Außerdem werden im Umfeld der Tribünen abgesperrte Räume geschaffen, in denen man sich aufhalten und genügend Distanz wahren kann. Die Sanitäreinrichtungen der Toiletten und Waschgelegenheiten werden verdreifacht. Das Stück wird ohne Pause gespielt. Auf gastronomische Angebote wird verzichtet.

Die acht Spielerinnen und Spieler sowie 12 Statistinnen und Statisten agieren auf Distanz. Die gregorianischen Gesänge der 16 Chorsänger werden auf einer Tribüne stattfinden, auch hier können die Mindestabstände problemlos eingehalten werden. Die Akteure schminken sich selbst und nehmen die Kostümwechsel allein vor. Es wird Requisiten geben, die dazu dienen, Berührungshandlungen symbolisch darzustellen.

Mit Beginn der Proben, die ausschließlich im Freien stattfinden, wird sich das gesamte Ensemble Corona-Tests unterziehen. Mit diesem Konzept schafft das Theater Konstanz einen Ort im Freien, an dem die Kunst, die Kunstfreiheit, gelebt werden kann, ohne das Publikum mehr zu gefährden als an anderen öffentlichen Orten. Wir brechen eine Lanze für Hermann der Krumme oder die Erde ist rund.

www.theaterkonstanz.de



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