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Chartstürmer Joris im Interview

29.05.2019 | QLT Redaktion

Über seine aktuelle Tour, seinen Halt am Honberg-Sommer und eine Welt voller Kontraste

Seit Joris 2015 mit seinem Debütalbum „Hoffnungslos hoffnungsvoll“ Kritiker und Fans im Sturm eroberte, geht es für ihn steil bergauf. Seine aktuelle Single „Du“ ist momentan der meistgespielte deutschsprachige Radiosong und schließt somit nahtlos an die Erfolge seines Debütalbums an, das ihm drei Echos sowie Gold und Platin Auszeichnungen bescherte. Nach seiner „Schrei es raus“-Tour, benannt nach seinem neuen Album, startet Joris im Mai eine gleichnamige Open Air-Tour, mit der er beim Honberg-Sommer in Tuttlingen erneut Halt machen wird. Mit uns hat er über sein neues Album und seine Tour gesprochen, gab uns Einblicke in die deutsche Musikszene und erzählt, wie er die Verbindung zwischen Freude und Melancholie in seinen Songs vereint.

QLT: Joris. Deine „Schrei es raus“-Tour startete im Mai. Dein gleichnamiges Album hat ja schon einen besonderen Titel. Was willst du damit ausdrücken?
J: Es gibt verschiedene Dinge, die ich damit ausdrücken möchte. In dem Song an sich, ist es ein Ausbrechen aus einem grauwerdenden, ewig gleichen Rhythmus. Es ist in der heutigen Zeit gut, eine gesellschaftliche Haltung einzunehmen und es reicht nicht mehr, für sich im stillen Kämmerlein eine Meinung zu haben. Sondern es ist wichtig, dass gerade z.B. jetzt zur Europawahl, die direkt vor der Tür steht, wir uns bewusst werden, dass wir alle eine Stimme haben und diese auch kundgeben müssen.


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QLT: Hast du sonst noch eine allgemeine Botschaft, mit all deiner Musik, die du den Menschen mitteilen möchtest?
J: Es gäbe jetzt natürlich Pathetisches, was man sagen könnte (lacht). Es ist auf jeden Fall so, dass jedes Lied eine andere Geschichte erzählt und auch eine andere Botschaft hat. Aber insgesamt, finde ich, ist das Schöne an Musik, dass sie alle Leute verschiedener Hautfarben, verschiedener Kulturen verbindet. Gerade bei einem Festivalsommer ist es so, dass zum Teil Menschen ein Wochenende lang gemeinsam im Matsch liegen, die sich vielleicht in der normalen Welt draußen gar nicht begegnen würden. Da kommen alle zusammen, um friedlich miteinander zu feiern und ich glaube, das ist etwas, was Musik eben kann und dadurch verbindet.

QLT: Apropos Festival: Du wirst bei uns in der Region wieder beim Honberg-Sommer auftreten. Du warst ja 2015 schon einmal hier als Support von Laith Al-Deen, welche Erinnerungen hast du an den Auftritt hier?
J: Ich erinnere mich daran, dass wir während des Festivalsommers große Festivals spielen durften, auch mit Clueso zusammen. Und dass wir dann auch ein paar sehr besondere Festivals gespielt haben, wozu der Honberg-Sommer auf jeden Fall zählt. Ich erinnere mich an eine Art Zirkuszelt, auf dem Berg und die Atmosphäre und das Ambiente waren sehr, sehr schön. Die Stimmung mit Laith sowieso auch, weil er ein toller Musiker mit einer tollen Band ist und wir hatten dort einen sehr schönen Abend. Ich freue mich, wieder zurück zu kommen und diesmal als Headliner auch ein bisschen länger spielen zu dürfen (lacht).

QLT: Was können deine Fans dieses Jahr von dir Neues erwarten?
J: Wir haben auf jeden Fall etwas anderes vorbereitet. Es ist natürlich Teil der „Schrei es raus“-Tour, es gibt jedoch einen bunten Mix aus beiden Alben. Wir überlegen uns immer viel für neue Touren, weil wir es irgendwie nicht aushalten, drei Jahre dasselbe zu machen. Wir haben ein paar Schätze ausgegraben und auch ein paar neue Nummern anders arrangiert. Ansonsten ist es so, dass wir auf der Bühne nach wie vor sehr spontan sind und es lieben, auf das Publikum zu reagieren und umgekehrt.

QLT: Denkst du es ist hilfreich oder vielleicht sogar auch nötig, dass man in der Musikszene andere Künstler wie Laith hat, die einen unterstützen?
J: Auf jeden Fall ist es nötig, dass man sich überall im Leben gegenseitig unterstützt, um es mal positiv zu formulieren. Natürlich ist der Werdegang von Musiker zu Musiker unterschiedlich. Es gibt Bands wie ‚AnnenMay
Kantereit‘, die diese Straßenmusiker-Vergangenheit haben. Auch die werden irgendwann an Leute geraten sein, die ihnen geholfen haben. Bei mir ist es so, dass ich aus verschiedenen Bandprojekten kam, dieser klassische Weg, bei dem ich immer viel gespielt habe. Irgendwann habe ich durch Zufall die Produzenten meines ersten Albums kennen gelernt, mit denen ich dann zusammen gearbeitet habe. Das waren auch glückliche Fügungen und um ehrlich zu sein, profitiere ich heute noch davon (lacht). Insofern ist es natürlich immer gut, Leute zu kennen. Es ist auch so, dass ich viel zurückgeben kann. Ich habe einige Bands, die ich toll finde. Unter anderem auch ‚Mary Lou‘, eine ganz neue Band, von denen man einen Song hört und denkt: Hey, es wäre doch voll schön, wenn die mal ein paar Konzerte mit uns mitspielen und mitkommen würden.

QLT: Wenn wir gerade schon von Bands sprechen, gibt es spezielle Bands oder Künstler, durch die du zur Musik gekommen bist?
J: Die Blues Brothers waren es bei mir. Mein Vater hat mir als ich fünf war, in sehr jungen Jahren, den Film gezeigt. Ich habe damals Schlagzeug gespielt und dazu dann immer ganz viel getrommelt und fand es sehr beeindruckend, wie gut die alle an ihren Instrumenten sind und wie viel Freude und Spaß das in mir auslöst.

QLT: Herz über Kopf ist wohl dein bekanntester Song, welcher ist dein persönlicher Lieblingssong und warum?
J: Das ist gar nicht so leicht zu sagen, jeder Song ist wichtig für mich. Trotzdem bin ich gerade sehr glücklich mit der aktuellen Single „Du“, die im Moment überall läuft. Es geht in diesem Song um das Leben. Jeder von uns hat vom ersten Tag an eine Beziehung zum Leben und ich finde, der Song macht Spaß, man kann mitsingen und –tanzen und trotzdem gibt es auch eine tiefere Botschaft, die jeder daraus mitnehmen kann. Im Moment spiele ich den Song sehr gerne, aber ich habe keinen Lieblingssong.

QLT: Deine Songs sind oft sehr tiefsinnig und poetisch aber gleichzeitig auch kraftvoll und transportieren Freude, was auch dein erster Albumtitel „Hoffnungslos hoffnungsvoll“ ausdrückt. Wie schaffst du es immer wieder, diese beiden Gegenpole in deinen Songs zu vereinen?
J: Indem ich sie leider jeden Tag in mir drin habe. Ich bin sehr empathisch und wenn man die Augen aufmacht, ist die Welt voller Kontraste. „In all den Augen“ ist ein Song auf meinem letzten Album, indem es eine Strophe gibt, die beschreibt, wie ich eine Freundin nach langer Zeit wieder getroffen habe auf einen Kaffee und sie kam lächelnd auf mich zu. Ich bin auf sie zugegangen und oben rechts war ein riesengroßer Screen in der Stadt, auf dem stand, dass es wieder 100 Tote bei einem Anschlag in Afghanistan gegeben hat. Du siehst diese Dame lächelnd auf dich zukommen und freust dich, aber zur selben Zeit liest und sieht man dieses Elend in der Welt, das gleichzeitig passiert. Wenn man die Augen aufmacht, erkennt man, dass die Welt leider oder vielleicht auch zum Glück, voller Kontraste ist. Dementsprechend ist es wichtig für mich, das in der Musik aufzugreifen.

Das Interview führte Alexandra Rink, Foto: Klaus Sahm



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