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Buchrezension – Die Höhle von Jaroslaw Marek Spychala

12.02.2020 | QLT Redaktion

Juniorredakteur Björn Kaminsky mit dem Autor Jarosław Marek Spychała

„Die Höhle. Der Weg der Rebellen“ ist nach den Worten des 47-jährigen, polnischen Autors Jaroslaw Marek Spychala eine „art graphic Novelle“. Es fundiert auf dem Höhlengleichnis Platons und soll darauf basierend Denkanstöße liefern, in Bezug auf philosophische Kernthemen, wie auch deren Gültigkeit in der Moderne. Sein Ziel ist es die Neugierde des Lesers für die Philosophie zu erwecken und deren allgegenwärtige Bedeutung für das Leben aufzuzeigen. Die Wahl des Höhlengleichnisses als Ausgangspunkt für seine Argumentation ist darauf begründet, dass die meisten philosophischen Strömungen und Annahmen in ihrem Kern auf Platons Gleichnis zurückgeführt werden können.
Das Buch ist in zwei grundlegende Teile gegliedert. Der erste Teil des Buchs soll einen Blick zu Platons Idee und der Mythenkultur zur Zeit der Entstehung der elementarsten Philosophien liefern. Es werden diverse Beispiele für Interpretationsmöglichkeiten geliefert. Insbesondere durch die wissenschaftliche Schreibweise des Autors, soll der Leser angeregt werden, sich seine eigenen Gedanken zu machen. Dies wird vereinfacht durch die Verknüpfung mit der Moderne, durch Anspielungen und Metaphern zu Filmen oder Literatur wie bspw. „Star Wars“, „Der Name der Rose“, oder „Die unendliche Geschichte“.
Der zweite Teil des Buchs besteht hauptsächlich aus Illustrationen und dem Kommentar des Autors zu diesen. Der Bezug zur Moderne sticht hier noch weiter heraus, denn wer genau hinschaut wird unzählige Metaphern (u.a. von Descartes, Nietzsche, Heidegger) erkennen, welche zwar schon seit ein paar hundert Jahren bestehen, jedoch heute eventuell noch mehr Gültigkeit haben, als damals. Durch die beeindruckenden Illustrationen soll der Leser inspiriert werden, dem Individualitätsverlust entgegenzuwirken und sich seine eigene Lebensphilosophie zu „erarbeiten“. Dies steht auch in starkem Zusammenhang mit Platons Philosophie: „Sehen ist der Weg des Verstehens“. Deswegen hat der Autor bewusst Bilder in den Vordergrund seines Werks gestellt.
Durch die Zweiteilung des Werks entsteht eine Spannung zwischen Wort (Verstand) und Bild (Herz), welche in einer Ekstase mündet, „die den Leser von seinen Ketten befreit, um selbst zur Erkenntnis zu gelangen“.
Das Werk ist ab dem 3.3. auf Amazon und tusiecyta.pl und ab dem 23.4. in Deutschland erhältlich. Mit 367 Seiten, davon knapp 150 Illustrationen ist es recht günstig für 34,90 € zu erwerben. Ich würde das Buch vor allen denjenigen empfehlen, die sich für Philosophie interessieren oder sich schon mit ihr auseinandergesetzt haben. Auch für komplette Neueinsteiger ist das Werk bereichernd, insbesondere der zweiter Teil des Buchs mit seinen vielschichtigen Illustrationen sticht hier hervor.

Text: Björn Kaminsky