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Björn Graf Bernadotte af Wisborg: Kunst macht einen Raum komplett

15.04.2021 | QLT Redaktion

Björn Graf Bernadotte af Wisborg vor dem Gemälde von Bo Beskow, Prinz Wilhelm von Schweden, © Insel Mainau/Andrea von Maur

Als Dr. Tobias Engelsing, Direktor der städtischen Museen Konstanz, das Portrait von Prinz Wilhelm von Schweden für seine 2018 im Rosgartenmuseum geplante Ausstellung „Charakterköpfe“ ausleihen wollte, war die erste spontane Antwort von Björn Graf Bernadotte af Wisborg: „Nein!“ Man weiß, dass das Portrait des Prinzen als Leihgabe der Lennart-Bernadotte-Stiftung dann doch in den Ausstellungsräumen hing, aber: „Der Entscheidungsprozess war ein langer und spannender Prozess“, erinnert sich Graf Björn und lächelt dabei. Im Nachhinein ist er sehr froh, dass er sich dazu entschlossen hat, aber dennoch: „Es war mir immer klar, dass mich mit diesem Bild etwas ganz Besonderes verbindet, aber dass es so schwer sein würde, für ein paar Monate auf dieses Bild zu verzichten, das hätte ich im Vorfeld nicht vermutet.“ Im Schloss hängen viele Bilder aus verschiedenen Jahrzehnten, aber dieses Portrait gehört für den Geschäftsführer der Mainau GmbH, seit er denken kann, ganz genau an diesen Ort.

„Der Raum ist nicht komplett, wenn das Bild nicht da ist“, erklärt er freundlich und räumt ein, dass er sich sehr gefreut hat, als es dann wieder an seinem angestammten Platz hing. Seinen darauf dargestellten Großvater hat er nie persönlich kennengelernt, aber nach Aussage seines Vaters ist das Portrait treffend gelungen und stellt ihn so dar, wie er war: freundlich und humorvoll. Zu sehen ist ein entspannter Herr in einem
blauen Sessel, im Hintergrund eine schwedische Landschaft. Das Portrait hing schon immer im Wohnzimmer der Familie Bernadotte, sodass der Großvater auch gefühlt ständig präsent war. „Durch das Portrait hatte ich wirklich das Gefühl, ihn zu kennen“, erzählt er weiter: „Bilder sind nicht einfach nur Bilder. Man baut emotionale Bindungen zu ihnen auf und das macht sie einmalig und besonders.“ Auf die Frage, ob er sich vorstellen könnte, sich auch einmal portraitieren zu lassen, kommt eine erfrischend ehrliche Antwort: „Ja!“. Offen bleibt, in welchem Stil das Portrait anzufertigen wäre, aber dafür gibt es noch ein paar Jahre, vielleicht bis zum nächsten runden Geburtstag, Zeit.
@Jana Mantel / traumtextraum.blogspot.com – März 2021

Über „Kunst im Wohnzimmer“

Seit Beginn des Jahres läuft das von Jana Mantel initiierte Kunstprojekt »Kunst im Wohnzimmer«, das vom Kulturamt Konstanz gefördert wird, die VHS Landkreis Konstanz ist Kooperationspartner.
Jana Mantel möchte in dem Projekt die Kunst über die Corona Pandemie Zeit hinweg am Leuchten halten und ihren sozialen und kommunikativen Wert in den Vordergrund rücken. „Kunst ist für mich in erster Linie Kommunikation“, sagt sie: „Kunst ist ein Thema, das kein richtig oder falsch kennt. Kunst verbindet Menschen, auch wenn die Geschmäcker verschieden sind. Es ist ein wunderbar neutraler und dennoch emotionaler Gesprächsaufhänger. Ich selbst könnte auch zu jedem meiner kleinen Kunstschätze eine spannende Geschichte erzählen.“

Ursprung der Idee für das Projekt war die Erfahrung, dass Menschen fast nie die Kunst entsorgen, wenn ein Haus oder eine Wohnung geräumt wird. Und das unabhängig davon, ob das Kunstwerk der Person selbst gefällt oder nicht. Diese spezielle Verbindung, die es da ganz offensichtlich zwischen Kunst und Eigentümer gibt, möchte Jana Mantel in Gesprächen mit Kunstbesitzern thematisieren. „Es gibt immer eine Geschichte hinter, vor oder neben einem Kunstwerk“, sagt sie. Niederschwellig soll so gezeigt werden, welchen Wert Kunst für Menschen hat oder haben kann. Im Vordergrund steht nicht, welchen Wert das Kunstwerk hat, sondern der Wert den es für den Menschen hat.

Alle, die Kunst daheim haben, können sich bei Jana Mantel per E-Mail melden. Jana Mantel: „Es kommen Menschen über instagram auf mich zu oder auch aufgrund des Aufrufs im Litzelstetter Blättle. Diese tragen das auch weiter zu den Nächsten.“ Das knapp einstündige Gespräch mit dem Kunstbesitzer mündet dann in einem kurzen von Jana Mantel geschriebenen Text, außerdem gibt es ein Foto der Person zusammen mit dem Kunstwerk.

Diese Beiträge werden bis Ende 2021 auf ihrem Blog: (traumtextraum.blogspot.com) und der Internetseite der VHS vorgestellt. Das Kulturamt Konstanz teilt diese Aktion in den sozialen Medien. Ein eigener Instagram Account (kunst.im.wohnzimmer) dient außerdem dazu, alle Besuche zu dokumentieren. So können sich die Personen, die mitgemacht haben, auch als Teil dieses Projekts begreifen. Bislang gibt es schon über 25 Personen, die sich gemeldet haben. Einzige Bedingung ist, dass man nur ein Kunstwerk vorstellen kann, das nicht von einem selbst oder von einem Familienmitglied stammt. Wer noch mit dabei sein möchte, kann sich melden unter: traumtextraum@gmail.com.



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