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Bach steht Kopf – Interview mit Red Bull Flying Bach

16.01.2019 | QLT Redaktion

Bach und Breakdance passen nicht zusammen? Das Gegenteil bewiesen die Flying Steps am 8.12. mit ihrer Show „Red Bull Flying Bach“. Die 1993 von Vartan Bassil, der momentan als Judge in der TV Show „Masters of Dance“ zu sehen ist, gegründete und vierfach als Weltmeister ausgezeichnete Tanzformation ist aus der urbanen Tanzszene nicht mehr weg zu denken. „Lil Zoo“, Mitglied der Flying Steps, gewann vor kurzem das „Red Bull BC One“, die weltweit größte one-on-one Competition für B-Boys und B-Girls. Mit einer einzigartigen Fusion aus Breakdance und Ballett, einem Clash zwischen Hoch- und Populärkultur begeisterte der „Flying Bach“ Cast bereits über 500.000 Zuschauer. Für ihre Show machten die Flying Steps nun in Kempten Halt. Dort konnten wir einen interessanten Einblick in den Probenprozess gewinnen und durften Benny Kimoto treffen, der nicht nur Tänzer, sondern auch Choreograph und Weltrekordhalter für 62 Head Spins ist. Fuge für Fuge und Ton für Ton übersetzten die Flying Steps mit ihrem Crossover Projekt Johann Sebastian Bachs „Wohltemperiertes Klavier“ mit Bewegung in die Sprache der Street Culture.

Seit wann bist du Teil der Flying Steps?
Schon sehr lange, seit 1998. Ich bin einer der letzten „Original Members“.

Welche Erinnerungen hast du an die Anfangszeit mit den Flying Steps?
Sehr viele! Damals war ich sehr jung. Der ganze Lifestyle war einfach krass. Wir hatten eine harte, aber auch coole Zeit, in der wir noch nicht so viele Shows hatten und ums Geld kämpfen mussten, damit wir unsere Mieten bezahlen konnten. Ich habe in Wedding gelebt, das damals eine sehr „toughe“ Gegend in Berlin war. Als junger Mensch musstest du dich da einfach durchkämpfen und das haben wir in den Battles ausgelebt. Wir wollten die Besten der Welt sein.


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Wie hast du das Breaken gelernt? Ging das klassisch über ein Jugendhaus und von der Straße auf die große Bühne?
Ja, genau. Damals gab es keine Tanzschulen, in denen man Breakdance lernen konnte. Daher haben wir alles auf der Straße, in der Schule und überall sonst, wo sich die Gelegenheit zu Trainieren bot, gelernt.

Zu eurer Show: Bach widmet sein „Wohltemperiertes Klavier“ explizit der Jugend. Habt ihr eine ähnliche Intention?
Nicht unbedingt. Wir widmen „Flying Bach“ allen Menschen, denn diese Show soll alle Menschen zusammen bringen. Ginge es dabei nur um Klassik, dann würde nur ein älteres Publikum kommen, ginge es jedoch nur um Hip Hop Culture, dann würden nur die Jungen kommen. Das Interessante ist ja, dass hier genau beides in einem Crossover aufeinandertrifft. Wir bringen sozusagen der jungen Kultur die Hochkultur bei und umgekehrt. Mit „Flying Bach“ können wir zeigen, dass das, was wir machen, Breakdance und Hip Hop, eine wahre Kunst ist, die anerkannt werden muss – viele Menschen tun sich damit aufgrund von Vorurteilen schwer.

Warum habt ihr euch denn für Bach entschieden und keinen anderen Komponisten?
Christoph Hagel, unser Pianist, der die Shows der Flying Steps schon kannte, hat das entschieden und uns gezeigt, dass es viele Parallelen zwischen Bachs klassischer Musiksystematik und der heutigen Popmusik gibt. Neue Musik ist in Aufbau und Struktur mit klassischer Musik verwandt.

Wie war deine Reaktion, als du diese Musik zum ersten Mal gehört und dich mit ihr befasst hast?
Obwohl wir uns eigentlich anderer Musik bedienen, sollte ein guter Tänzer zu jeder Musik tanzen können. Wir tanzen auf House, Funk, Jazz, Hip Hop oder eben auch Klassik! Die Entscheidung für die klassische Musik kam aus dem Gedanken heraus, etwas Neues zu erschaffen, die Leute aus verschiedenen Welten zusammen zu bringen und unsere Kunst den Menschen vorzustellen. Wenn man zu Klassik tanzt, muss man jedoch erst die Musik verstehen.
Ich kannte vor dem Projekt klassische Musik, deshalb war das nichts vollkommen Unbekanntes. Christoph hat uns dann die Musik auf dem Piano vorgespielt und erklärt, Schritt für Schritt. Im „Wohltemperierten Klavier“ gibt es verschiedene Stimmen – hohe, mittlere und tiefe. Diese wiederholen sich ineinander und es entstehen verschiedene Themen.
Zum Teil erklingen diese in „Flying Bach“ in elektronischer Version, orientieren sich aber am Original. Gerade für Menschen, die klassische Musik in konventionellen Umsetzungen hören, bringt die elektronische Version die alte Musik in die moderne Zeit.

Ihr habt Fuge für Fuge dann visualisiert. Hast du an diesem Prozess mitgewirkt?
Ja, das haben wir alle gemeinsam vor acht Jahren konzipiert. Es gab keinen Hauptchoreographen, sondern es ist ein Kollektivprojekt der Flying Steps. Vartan, Mikel und ich waren sicher so etwas wie die „Hauptköpfe“, da wir auch schon am längsten dabei sind.

Ihr habt in Berlin ein Zentrum für Tanz geschaffen, die „Flying Steps Academy“. Unterrichtest du auch dort? Was ist euch in der Vermittlung dort wichtig?
Momentan nicht mehr, da ich wegen der Tour kaum noch in Berlin bin. Wir stehen aber im Austausch mit unseren Dozenten. Uns ist wichtig, dass unsere Lehrer technisch und musikalisch gut ausgebildet sind und Raum lassen für freies Tanzen, da Breakdance vom Freestyle lebt. Im „Education Raum“ unserer Academy haben wir eine „Library“ aufgebaut, in der wir alle Tanzschritte, die technische Basis, festhalten. Die Menschen sollen sehen, welche Foundation, welche Basic Moves und welche Bezeichnungen hinter Breakdance und Hip Hop stehen. Es geht uns dabei um die Etablierung unseres Tanzstils als Kunstform. Gleichzeitig möchten wir aber nicht zu viele Regeln aufsetzen, da sich B-Boying und Hip Hop vor allem durch Freiheit auszeichnen.

Bei Flying Bach betrachtet eine Kunstform die andere und interpretiert diese, sodass ein wechselseitiges Spiel in Gang gesetzt wird. Sind eure Projekte bewusst ein Experiment, dessen Ausgang anfangs unerwartet ist? Wie waren die Reaktionen?
Genau, am Anfang wussten wir das gar nicht und viele aus der Hip Hop – aber auch Klassikszene, das ist aber immer so, waren dagegen. Als B-Boy möchte man natürlich immer „real“ bleiben und seinen Stil repräsentieren und als Opernregisseur hat Christoph auch einen Ruf. Wir sind kreativ, haben viele Competitions gewonnen und uns den Respekt erarbeitet, deshalb haben wir keine Angst vor den Meinungen der Leute und sind offen. Mut, Respekt und ein Standing in der Szene sind uns wichtig. Wir möchten eigene, ganz neue Sachen kreieren und dabei „real“ und gleichzeitig innovativ sein.

Text: Lea Lynn Asiklar
Fotos: Evelyn Grossmann

 

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