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3 Premieren an einem Wochenende im Theater Konstanz

23.09.2021 | QLT Redaktion

Foto: Theater Konstanz, Ilja Mess

Anne-Stine Peters inszeniert HIN UND HER, nach Ödön von Horváth: Horváths Geschichte von Ferdinand Havlicek, der im Niemandsland zwischen zwei Staaten gestrandet ist, bildet für dieses erste Projekt des neu gegründeten STADTENSEMBLE die Folie für ein Nachdenken über Grenzen – nicht nur geografisch begriffen, sondern vor allem in den Köpfen der Menschen.

Die Komödie spielt auf einer Brücke, die über einen Grenzfluss führt. Auf der einen Seite wacht der Grenzer Thomas Szamek, am anderen Ende der Grenzer Konstantin. Ferdinand Havlicek soll nach dem Konkurs seiner Drogerie aus dem Staat, in dem er ein Vierteljahrhundert gelebt hat, abgeschoben werden. Über die Brücke muss er zurück in sein Geburtsland. Jedoch hat er vergessen, dort die alle fünf Jahre erforderliche Erneuerung der Staatsbürgerschaft vorzunehmen, und so wird er nun hin und her geschickt…

Die 13 Personen, die sich in Auswahlworkshops zu Beginn der Spielzeit 2020/21 zusammengefunden haben, brachten bei den Proben ihre Expertise in das Stück. Entstanden ist eine poetische Komödie, die Horváths Geschichte in einer Art skurrilen Sommernachtstraum fortschreibt. Das Projekt wird gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg.

Uraufführung: Sonntag, 26. September 2021 um 19 Uhr in der Spiegelhalle

Weitere Premieren:

DIE VERLORENEN von Ewald Palmetshofer, inszeniert von Franziska Autzen: Premiere am Freitag, den 24. September 2021 um 20 Uhr im Stadttheater.

Clara steht an einem Wendepunkt in ihrem Leben. Nach der Scheidung von ihrem Mann Harald, bei dem der gemeinsame Sohn nun lebt, entschließt sie sich, in das verlassene Haus ihrer Großmutter zu ziehen. Mitten im Nirgendwo, nur mit einer Tankstelle, kleinen Disco und ein paar skurrilen Typen in der Nachbarschaft, will sie in Klausur mit sich gehen. Als jedoch Harald mit seiner neuen Freundin und dem pubertierenden Sohn auftaucht wird deutlich, dass Clara ihrem Leben nicht einfach entfliehen kann.

Es liegt einfach etwas in der Luft. Das spürt auch der alte Wolf. Nach einer schlaflosen Autofahrt, die für eine Hirschkuh tödlich endet, sucht er bei seiner engsten Vertrauten an der Tanke nach…ja, was eigentlich? Irgendwie wird er das Gefühl nicht los, dass die Begegnung mit dem Tier mehr als ein Unfall war: „Wer sagt denn, dass der Unterschied, dass der sich nicht verkleinern kann und auch wieder quasi anti-evolutionär – was weiß denn ich, wie man das nennt – dass so ein Tier die Überlegenheit von uns ganz plötzlich nicht mehr anerkennt – warum auch nicht! – und die Gewohnheit einer Unterworfenheit verwirft, vergisst, in uns die Kreatur erkennt, sich selbst… Ist das ein Missverständnis in dem Tier? Ist’s unser Rückschritt, unser Sturz?“

„Hallo? Ist wer da? Ist da wer?“, fragt das Figurenensemble, die Gemeinschaft der Verlorenen, hoffnungsdüster zu Beginn und zum Ende von Ewald Palmetshofers Theaterstück. Erzählt wird eine hochsensible, wuchtige Geschichte über die menschliche Existenz, mit trockenem Witz, „in diesem wunderlich verdrehten, knorrig-eleganten Palmetshofer Deutsch“, so der Kritiker Stephan Reuter. „Die Verlorenen“ wurde in der Umfrage der Fachzeitschrift „Theater heute“ zum besten Theaterstück 2020 gewählt.

ALL DAS SCHÖNE von Duncan Macmillan , inszeniert von Carmen Schwarz: Premiere am Samstag, den 25. September 2021 um 20 Uhr in der Werktstatt.

Auf Platz 1 steht Eiscreme, gefolgt von 2. Wasserschlachten, 3. länger aufbleiben dürfen als sonst und fernsehen, und 4. die Farbe Gelb. Es soll eine Liste mit allen schönen Dingen werden, „nicht zu viele materielle“. Ein siebenjähriger Junge beginnt sie zu schreiben. Nach dem Selbstmordversuch seiner depressiven Mutter will er sie an all die großen und kleinen Ereignisse erinnern, für die es sich zu leben lohnt. Er hofft, dass sie die Liste auch wirklich liest, dass ihre Depressionen enden und alles wieder gut wird. Doch so einfach ist es nie.

…823. Nacktbaden… 1010. etwas lesen, was genau das ausdrückt, was du fühlst, aber du konntest es nicht in Worte fassen… Als Teenager schreibt er weiter: 2006. Vinyl Schallplatten… 9989. jemand ansehen, während er deinen Lieblingsfilm sieht… bis die Liste im Erwachsenenalter bei einer Million endet. 999999. eine Aufgabe abschließen.

Dem britischen Autor Duncan Macmillan ist es gelungen, einen lebensbejahenden Monolog über das todernste Thema Suizid zu schreiben. Hinreißend komisch, berührend und niemals sentimental. „Er findet das perfekte Gleichgewicht zwischen dem, was einen am Leben verzweifeln lässt, und dem, was es so wunderbar macht.“ (The Independent).

Alle Infos und Termine unter theaterkonstanz.de



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