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100 Jahre Bauhaus – Das Jubiläum 2019

16.01.2019 | QLT Redaktion

Die 1920er Jahre. Die Kaffeehäuser sind gefüllt – es wird diskutiert und gefachsimpelt. Es herrscht geschäftiges Treiben auf den Straßen. Die Industrialisierung hat dem Menschen neue Möglichkeiten eröffnet, ein neuer Zeitgeist weht durch die Gassen und Häuser, der dem einfachen Mann neue Perspektiven bietet. Eine neue Bildungswelle wird ausgelöst, die so auch später zum Spießbürgertum führt. Der Rückzug ins Private bei gleichzeitiger Öffnung in die Welt durch die Eisenbahn und Flugzeugindustrie öffnet Tür und Tor für eine globalisierte Welt. Die Reisenden bringen allerhand Neues mit – neues Wissen und neue Ansätze. Es war auch die Zeit der Psychoanalyse und der Suche nach Erklärungen für die geistigen Zustände des Menschen. In diesem Klima entstand die Bauhaus-Kultur. Walter Gropius war der Gründer des Bauhauses im Jahre 1919 in Weimar – dem Zentrum der Weimarer Republik und zahlreicher neuer geistiger Strömungen. Vor allem in Wien stieß die neue Bauhaus-Kultur auf großes Interesse – denn sie war die neue Gegenbewegung zur Wiener Klassik, der verschnörkelten Zeit des Jugendstils und des Art déco. Der alte Chic und Prunk sollte weichen – einem neuen Funktionalismus und der neuen Sachlichkeit. Funktional ästhetische Prinzipien werden auf Reduktion und Einfachheit, klare Linien und Formen zurückgeführt bzw. minimalisiert.

IDEAL STANDARD
Spekulationen über ein Bauhaus heute


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TG Kultur

Die jubiläumsbegleitende Ausstellung im Zeppelin Museum stellt sich die Frage, was heute Bauhaus ist und wie die formale und inhaltliche Auseinandersetzung mit diesem Thema in aktuelle künstlerische Positionen umsetzbar ist. Teils thesenhaft und spekulativ bringt die Ausstellung sehr heterogene Positionen zeitgenössischer Kunst in einen diskursiven Ideen-
zusammenhang. Eine originalgetreue Rekonstruktion der Passagierräume der LZ 129 Hindenburg erinnert an das funktional vereinfachte Prinzip eines Interieurdesigns. Ein Zukunftsprinzip, das den Menschen vom Überflussprinzip zum ausschließlich Notwendigen zurückführt. Weitere spannende künstlerische Positionen nutzen die Herangehensweise des Bauhausstils und entwerfen Prototypen eines neuen Denkens im Zusammenspiel zwischen Zeitgeist und Materialität.

IDEAL STANDARD verhandelt das Bauhaus als heute noch offenes Projekt, dessen utopische Konzepte weder abgeschlossen noch vollendet, sondern unter den Vorzeichen der Gegenwart von andauernder Relevanz sind. Die Ausstellung lädt zu einem offenen Diskurs über die Fragen des „Bauhaus heute“ ein. IDEAL STANDARD formuliert außerdem eine neue kuratorische Praxis, die zukunftsweisend für weitere Ausstellungen sein wird, in denen historische Gründe an heutige Fragestellungen und künstlerische Positionen angeknüpft werden. Laufzeit bis 28.4.
www.zeppelin-museum.de

1 Foto: Archiv der Luftschiffbau Zeppelin GmbH

2Foto:JH


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