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Von Pathos und Weltflucht – Gespräch mit Simon Czapla

15.02.2017 | QLT Redaktion

Simon-Czapla-foto-oliver-rath-IMG_6875sbbbQLT: Simon – mich interessierst zunächst, wie deine Kunst entsteht – arbeitest du nach Intuition oder nach klarer Intention?

Simon Czapla: Ich glaube es ist intuitiv aber vor allen Dingen reaktiv – d.h. ich bin eher jemand, der auf sein Umfeld reagiert und der natürlich auch aus der Auseinandersetzung mit sich selbst heraus arbeitet. Ich versuche darauf zu reagieren, was in der Welt passiert und was mich sowohl politisch, aber auch persönlich berührt – gleich der pathetischen Vorstellung des Künstlers seit der frühen Moderne, dass der Künstler immer ein Spiegel seiner Zeit ist. Ich wäre gerne ein zeitgenössischer Künstler – dabei ertappe ich mich selbst immer wieder, dass man sich doch am Altbekannten orientiert. Im besten Fall schafft man etwas Neues als Künstler. Ich schaffe das nicht über den reinen Malakt, der sehr klassisch, beinahe verstaubt anmutet, sondern ich sprenge den Rahmen bzw. die Grenzen über meine Bildmotive, die visuell ansprechen. Bei meiner aktuellen Ballonarbeit sieht man, dass meine Arbeiten noch konzentrierter geworden sind und ich durch diese darin implizierte oberflächliche Künstlichkeit auch wieder Rückschlüsse ziehe auf diese oberflächliche Scheinwelt unserer westlichen Gesellschaft und der Totenkopf als Kontrast zu dem, was es eigentlich ist und worauf alles hinausläuft!

QLT: Ja diese Ballons stehen gleichsam für diese gesellschaftliche Blase der schönen Scheinwelt, die jeden Moment zu zerplatzen droht – aber auch für das persönliche Schicksal eines jeden Menschen – in letzter Konsequenz symbolisiert in dem Totenschädel…


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SC: Exakt und das ist auch das, was alle meine Bilder, egal wie reduziert sie sind, ausdrücken – es ist immer etwas Schönes, Buntes im Bild, das kontrahiert mit dem Unschönen oder Realen und den Abgründen unserer Existenz. Gerade der Tod nimmt in meinem Leben einen großen Raum ein und schleicht sich unbewusst immer wieder in meine Bilder – durch meinen eigenen
Verlust in meiner Schicksalsgeschichte. Diese Verlustangst beeinflusst natürlich auch mein Schaffen. Die Kunst ist da für mich ein Ventil und ein Moment mich abzulösen von solchen Ängsten und um mich von solchen Emotionen frei zu machen. Man kann diese Ängste nie restlos abstreifen, aber daraus neue Energien schöpfen und den Prozess positivieren.

QLT: Jeder fürchtet sich vor der Auseinandersetzung mit solchen Themen – man lebt lieber in seiner schönen Luftblase oder flüchtet sich in diese Scheinwelt – sie hilft uns ja auch ein Stück weit. Doch lass uns noch auf deine Affenserie eingehen, die ja sehr beliebt bei den Kunstkäufern ist und auch ich für höchst spannend empfinde. Wo kam da die Idee her?

SC: Der Affe steht dem Menschen in seiner Physiognomie und seinem gesamten Wesen so nah und dennoch so fern. Er gleicht in seinen Merkmalen und Verhaltensmustern dem Menschen – aber er stellt sich nicht die Frage nach der eigenen Existenz. Er ist stark in seinem archaischen Dasein und Naturell, in dem es um den Überlebenskampf und Machtpositionen innerhalb der Gruppe geht. Manchmal hat man jedoch das Gefühl, der Mensch entwickelt sich emotional zurück. Man müsste den Menschen nur wieder Knüppel in die Hand geben und jeder würde darum kämpfen, wer das größte Stück Fleisch bekommt – gleich den Höhlenmenschen – da sind die Affen dann doch wieder wesentlich sozialer innerhalb ihrer eigenen Strukturen und der Affe wird fast menschlicher als der Mensch selbst. Daher wirkt er in meinen Bildern sehr menschlich und steht als Sinnbild für den Menschen. Das macht das Motiv sehr spannend. Eigentlich möchte ich ein Thema nicht unendlich ausreizen, aber bei den Affen reizt es mich doch immer wieder noch ein neues Werk zu schaffen. Und scheinbar habe ich da ein Motiv gefunden, das den Menschen in seinen Grundfesten berührt oder erschüttert. Es scheint doch diese Essenz, dieses Urbild und diese Urtriebe in uns anzusprechen.


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