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Stadt, Land, Fluss – Römer am Bodensee

02.11.2017 | QLT Redaktion

Das Museum für Archäologie Thurgau in Frauenfeld (CH) zeigt bis zum 18. Februar 2018 eine gemeinsam mit Museumspartnern aus Konstanz, Bregenz, Vaduz und St. Gallen gestaltete internationale Sonderausstellung über die römische Kaiserzeit am Bodensee.

Der Bodenseeraum war in der Römerzeit dicht besiedelt. Großflächige, moderne Ausgrabungen mit aussagekräftigen Funden in Bregenz, Eschenz sowie in vielen Gutshöfen liefern detaillierte Informationen aus dieser Periode. Neu gestaltete Lebensbilder, aussagekräftige Modelle sowie originales Fundmaterial machen den Ausstellungsbesuch zum Erlebnis. Um 15 v. Chr. eroberten römische Truppen die Bodenseeregion. Es fand damals angeblich sogar eine Seeschlacht zwischen den Vindelikern und den römischen Invasoren auf dem See statt, wie Strabo in seiner Geographika schildert. Bregenz wurde zu einer römischen Stadt mit Tempelbezirk, öffentlichen Bauten sowie Wohnquartieren ausgebaut. In Eschenz errichtete man gleichzeitig eine Straßensiedlung mit Brücke über den Rhein. Den Bewohnern standen dort u.a. ein öffentliches Bad, Tavernen sowie Geschäfte wie Drechslereien, Töpfereien, Schmieden oder Schusterwerkstätten zur Verfügung. Dank der wassergesättigten Sedimente haben sich in Eschenz, das gemäß Inschriften damals Tasgetium hieß, zahlreiche Befunde und Funde wie Schreibtafeln, Kämme, Fässer, Möbel oder Bürsten aus organischem Material erhalten.Das fruchtbare Umland wurde von über 120 römischen Gutshöfen bewirtschaftet. Ein dichtes Netz von Verkehrswegen zu Wasser und an Land verband die einzelnen Siedlungen. Auf diesen Routen gelangten viele Güter und Ideen in die Bodenseeregion. Erstmals wurden Gebäude mit gemörtelten Steinmauern und Ziegeldächern gebaut, Wasserleitungen, Mosaike sowie Bodenheizungen verlegt. Funde von Latrinen bezeugen einen gehobenen Wohnstandard. Nahrungsmittel und Luxusgüter wie Wein, Austern, Granatäpfel, Feigen, Olivenöl, Fischsauce, reich verziertes Geschirr usw. importierte man über teilweise große Distanzen. Diese Waren und Dienstleistungen waren teuer. Bezahlt wurde mit Gold-, Silber-, Messing-, Bronze- und Kupfermünzen, auf denen der jeweils regierende Kaiser – oder die „First Lady“ – mit ihrem Portrait abgebildet war. In kurzer Zeit übernahm die lokale keltische Bevölkerung um den Bodensee den „Roman Way of Life“. Sogar die eigene Götterwelt erweiterte und ergänzte man mit Jupiter, Merkur oder Venus. Auch Verstorbene und ihre Grabbeigaben auf Friedhöfen liefern interessante Hinweise auf das damalige Leben. So können beispielsweise Bestattungssitten, Gesundheitszustände oder die Zusammensetzung der Gesellschaft rekonstruiert werden.

Führungen für Gruppen sind jederzeit (außer Montag) möglich; Reservierung unter 0041 (0)58 345 74 00 oder naturmuseum@tg.ch. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, den man im Museumsshop oder unter www.archaeologie.tg.ch für CHF 22.- beziehen kann.


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Eva Bur