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Sonderausstellung: Städtisches Museum Engen + Galerie

06.04.2017 | QLT Redaktion

Ida Kerkovius. Im Herzen der Farbe“

28. März – 30. Juli 2017

Sie wurde über 90. Und damit älter als jede andere Künstlerin der Klassischen Moderne: Ida Kerkovius (1879 – 1970). Berühmt wurde sie für ihre farbenprächtigen Blumenbilder, Reisepastelle und „freien Fantasien“, die bis heute an Faszination nicht verloren haben. Das Städtische Museum Engen zeigt nun einen Überblick zu Ida Kerkovius in einer speziell konzipierten Sonderausstellung: Ölbilder, Pastelle und Zeichnungen. Insgesamt 80 Arbeiten von 29 Leihgebern. „Nur das Beste“, wie Museumsleiter Dr. Velten Wagner versichert. Man darf gespannt sein. Denn als die in Riga geborene Künstlerin, hochbetagt und hochgeehrt, in ihrer Wahlheimat Stuttgart starb, endete eine Epoche. Da war die kleine Dame mit den blauen, wachen Augen als letzte Vertreterin der Moderne bereits zur Legende geworden.

In Stuttgart verbrachte Kerkovius die längste Zeit ihres Lebens, von hier ging sie auf Reisen nach S. Angelo auf Ischia, in die Bretagne, nach Norwegen und malte ihre farbintensiven Reisepastelle. Während ihres langen Lebens erlebte die Künstlerin aber auch die zahlreichen Katastrophen des 20. Jahrhunderts, darunter die Zerstörung ihres Ateliers im Bombenhagel des 2. Weltkriegs – und damit eines wesentlichen Teils ihres Frühwerks. Doch hatte sie die Gabe, die Widrigkeiten des Lebens in die Schönheit ihrer Kunst zu verwandeln. Den Gebrauch der Farbe musste sie nicht erst lernen, die Farbe war ihr angeboren, sie war ihr Lebenselixier. Durch die Farbe drückte sie ihre tiefsten Gefühle aus. „Ich bekenne mich zu keiner Kunstrichtung“, schrieb sie, „sondern bin immer bestrebt, wie am Anfang meiner Entwicklung den Gefühlen, die in mir leben, Gestalt, Qualität und Ausdruck zu geben.“


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Ida Kerkovius war Schülerin Adolf Hölzels an der Stuttgarter Akademie und gehörte, wie ihre berühmten Kollegen Willi Baumeister und Oskar Schlemmer, zur Avantgarde der deutschen Kunst. Ihre Offenheit und Wissbegierde ließen sie auch mit 41 Jahren nicht ruhen: Von 1920 – 23 besuchte sie als späte Studentin das fortschrittlichste Kunstinstitut ihrer Zeit, das Bauhaus. Hier eignete sie sich die Kunstlehren von Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee an. Und verließ Weimar als reife, autonome Künstlerin. Sie verstand es, eine komplexe Bildkomposition in einen emotionalen Bildausdruck zu verwandeln, um die Seele der Menschen unmittelbar zu berühren. Kerkovius, die Zauberin der Farbe, fesselt den Blick und inspiriert durch die sinnliche Ausstrahlungskraft ihrer Bilder.

Ihr undogmatisches, keiner Stilrichtung verpflichtetes Kunstverständnis brachte Kerkovius seitens der Nachkriegs-Kritik aber auch den Ruf einer „naiven“ Malerin ein, die der „weiblichen“ Intuition, nicht aber dem „männlichen“ Intellekt folge. So überholt dieses traditionelle Rollenklischee heutzutage auch ist, es blieb nicht ohne Wirkung. Hier setzt die Konzeption der Sonderausstellung im Städtischen Museum Engen an. In speziell aufeinander abgestimmten Konstellationen treten die Bilder miteinander in Dialoge. Die schöpferische Intelligenz ihrer zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion angesiedelten Bildsprache, das Sprühende und Inspirierende ihres Schaffens wird auf diese Weise unmittelbar erkennbar und erlebbar.

Neben den für Kerkovius charakteristischen Sujets „Reisebilder“ und „Stillleben“ werden speziellere Themen wie „Zirkusbilder“ und „Kinderkunst“ gezeigt. Das Thema „Kinderkunst“ – die für die Moderne so einflussreiche Wirkung kindlicher Bildwerke – wird mit Blick auf Paul Klee im Ausstellungskatalog ausführlich behandelt. In einem Dokumentarfilm von 1966 stellt sich die Künstlerin selbst vor – auf einer Reise nach Venedig.


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