sprich:[kult] Kultblatt seit 1979

„Liebe Macht Nass“ – Ein Haus für die Hochkultur

23.01.2017 | QLT Redaktion

DSC01596Ein Hoch auf die Hauskultur!
Mit der Inszenierung „Liebe Macht Nass“ gab es mit drei Aufführungen im Januar im unkonventionellen Ambiente der Bodensee-Therme in Konstanz ein an Originalität und Skurrilität kaum zu übertreffendes Theaterstück zu sehen. Die Bodensee-Therme wurde in Zusammenarbeit mit der Südwestdeutschen Philharmonie und dem Theater Hochschule Konstanz kurzerhand zum Theater und Konzerthaus umfunktioniert. Mit riesigem Bildschirm und Live-Übertragungen von Szenen aus der Wasserrutsche und dem Restaurant Seelig entstand mit dem Vokalensemble und der Philharmonie unter der Leitung von Ari Rasilainen als musikalische Ergänzung eine künstlerische Gesamtperformance der besonderen Art. Ein Wechselbad aus Komik und Tragik durchzog das gesamte Geschehen und führte am Ende zu einem grandiosen Gesamtkunstwerk.
DSC01573 DSC01645
Alle drei Aufführungen waren restlos ausverkauft – das Publikum am Ende nicht nur Nass geschwitzt und Nass gebadet, sondern auch Nass gelacht von der Komik der Inszenierung und Aufführung. Der Auftritt des Dirigenten im Bademantel war dabei nur eines der vielen verdrehten Elemente. Die Komik inszenierte sich in der Wahl der Lokation, der Protagonisten im Badedress und der Umwertung des Stückes von Romeo und Julia in die Geschichte einer alten Konstanzer Familienfehde zwischen den Moosbruggers und den Amanns. Die Tragik war im Sujet des Stücks selbst zugrunde gelegt: Der Jammer über den Ausbleib eines Konzerthauses für die Philharmonie – für die das neu eröffnete Bodenseeforum durchaus keine Alternative darstellt und die tragische Geschichte um Romeo und Julia, neomodernistisch interpretierte Einlagen aus dem Stück Schwanensee mit tänzerischen Einlagen in Schwimmflügeln und gegen Ende des Stücks den Rekurs auf das heutige Weltgeschehen und den Weltschmerz… alles drehte sich um die Frage „Was in unserem Leben wirklich zählt und wofür oder für wen es sich lohnt sich einzusetzen.“
DSC01622 DSC01657
Gewürzt mit viel Lokalkolorit und Ironie ein glokales Stück mit Herz und Schmerz. Zwischen Hass, und Liebe, Gleichgültigkeit und dem Willen zum Guten, Kampf und Ohnmacht, Verdrängung und Veränderung, Humor und Drama. Ein mutiges Stück, das die Grenzen des konventionellen sprengt und beweist, was es bedeuten kann aus der Not eine Tugend zu machen.
Die „geheime Rebellion“ der Philharmonie auf der Suche nach einem Zuhause scheint weiter zu gehen mit einem Kammerkonzert am 1. Februar um 19:30 Uhr im Planetarium Kreuzlingen unter dem Titel „Musique pour faire plaisir.“


Anzeige
Eva Bur