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Animalerisch – Kunst zwischen Leben und Tod

10.07.2017 | QLT Redaktion

Studierende der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaften der Universität Konstanz stellten in einem Seminar mit Prof. Dr. Karin Leonhard und Kuratorin Sybille Omlin eine Ausstellung im Kunstraum Kreuzlingen auf die Beine. Gezeigt werden die Werke der Berliner Künstlerin Nikola Irmer. In dem Seminar beschäftigten sich die Studierenden mit der Geschichte des Ausstellens von der Wunderkammer bis zum White Cube, und auch intensiv mit der Kunst Irmers, die über zwei Semester hinweg in engem Kontakt zur Ausstellungsgruppe stand. Nikola Irmer wurde in Starnberg geboren. Sie studierte in San Francisco und an der Glasgow School of Art. Direkt im Anschluss absolvierte sie den Master of Fine Arts in New York. Irmers Ölmalereien, die oft großformatig sind, zeigen Darstellungen ausgestopfter Tiere, die sie in Naturkundemuseen und deren Depots studiert. Sie holt die Präparate ans Licht und malt oder zeichnet sie, erweckt sie auf eine bestimmte Art wieder zum Leben.

Die Tiere blicken im gemalten Raum umher oder blicken aus dem Bild heraus den Betrachter an, und doch sind sie tot. Der Vorgang des Zum-Leben-Erweckens doppelt sich, wenn erst der Tierpräparator den Körper ausstopft – das ist ja auch schon eine Kunst am Kadaver. Das Ausstopfen belebt den Tierkörper wieder, indem es ihn in einer lebendigen Pose der Bewegung doch unbeweglich versteinern lässt und mit Glasaugen versieht. Das Tier wird zweimal vermeintlich wiederbelebt, einmal durch eben dieses Ausgestopft-Werden, und zum zweiten durch die Malerin.

Ein weiterer wichtiger Aspekt Nikola Irmers Arbeit: sie fertigt Skizzen und Farbproben an, bevor sie auf die große Leinwand geht. Denn die Farben und Flächen sind wichtig für den Effekt den die großflächigen Bilder erzielen. Farbflächen arbeiten hier gegen- und miteinander, und dadurch dass sie in Verbindung treten und miteinander interferieren entsteht dann erst die gegenständliche Darstellung der Tiere. In dieser Hinsicht zeigt sich auch das Interesse der Künstlerin am Zusammenspiel der Farben. Beim Mediengespräch am 5. Juli zeigten sich alle Beteiligten des Projektes zufrieden. Sowohl Sybille Omlin als auch Nikola Irmer selbst lobten die engagierten Studentinnen und zeigten sich beeindruckt von deren Einsatz in den vergangenen zwei Semestern. Die Studentinnen selbst freuten sich über die Möglichkeit der Teilnahme an einem praktischen Seminar, zumal es diese im Studium der Geisteswissenschaften viel zu selten gebe.


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Das Projektseminar „Ausstellen! Ein kuratorischer Dialog zwischen Kunstwissenschaft und Gegenwartsmalerei“ war Grundlage der Ausstellung und beschäftigte sich mit der Geschichte des Ausstellens, es reflektierte die Rezeptionsbedingungen der Malerei Irmers, und schuf natürlich mit Hilfe der Kuratorin eine Praxiserfahrung für die Studentinnen, indem sie alles selbst organisierten. Neben der Präsentation der Malereien haben diese sich noch etwas spezielles ausgedacht: Im Keller des Kunstraumes haben sie eine Wunderkammer eingerichtet, die auf das barocke Konzept des Sammelns und Ausstellens zurück geht, allerdings neu interpretiert und in zeitgenössischen Kontext gesetzt wurde. Sie enthält taxidermische Exponate, Skelette, Geweihe und allerlei Sammelobjekte und verknüpft so zwei unterschiedliche Ausstellungskonzepte miteinander. Auf diese Weise werden Mensch und Tier, Natur und Kunst, Ästhetik und Taxidermie miteinander in Beziehung gesetzt.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Juli im Kunstraum Kreuzlingen zu sehen.

Beitragsbild: Nikola Irmer, Specola; Text und Fotos: Nina Maier


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