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Ho Narro! – Narrengesellschaft Niederburg

01.02.2018 | QLT Redaktion

Als vor über 134 Jahren die Väter der Narrengesellschaft im Lokal „Buck“ zusammen saßen und sich an die Gründung der „NIEDERBURG“ machten, da verzichteten sie damals auf einen exotisch klingenden Namen, sondern sie wollten ihren heimatlichen Stadtteil stärken und erhalten. Die engen Gassen des Namensgebers brachten es mit sich, dass die „Niederbürgler“ ein ausgeprägtes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelten, welches die Gesellschaft bis heute auszeichnet. Dabei hat sich die „Niederburg“ nicht zu einem reinen Fasnachtsverein entwickelt, dessen öffentliches Auftreten sich ausschließlich auf die Zeit zwischen „Schmotziger Dunschtig“ und Aschermittwoch beschränkt. Gerade die einzelnen Abteilungen begeistern mit ihren Auftritten viele Menschen in Deutschland und Europa und zwar das ganze Jahr über. Dabei tritt der europäische Gedanke des kulturellen Austausches in den Vordergrund. Die Grenzen zwischen Brauchtum, Tradition und fasnächtlichem Ereignis sind fließend und werden auf wunderbare Weise verknüpft. Insbesondere diese kulturelle Vermengung zeichnet die Niederburg und ihre damit einhergehende Art Fasnacht zu feiern aus.

Auch das nun seit einigen Jahren stattfindende Adventskonzert ist ein Beleg dafür, dass sich die Narrengesellschaft Niederburg als Kulturträger etabliert hat. Höhepunkt der jährlichen Straßenfasnacht ist der „Schmotzige Dunschtig“. Farbenfroh und bunt feiern Tausende von Narren auf den Plätzen und Gassen der Altstadt. Fanfarenzüge, stolze Narrenhäs- und Maskenträger und kleine Schnurrgruppen feiern und tanzen gemeinsam während der tollen Tage. Dabei vermischt sich der fröhliche, rheinische Karneval mit den ursprünglichen schwäbisch-allemannischen Fasnachtsbräuchen zu einer besonderen Konstanzer Mischung.
Einer der ältesten Bräuche ist der „Hemdglonkerumzug“. Am Abend des Schmotzigen Dunschtig versammeln sich Schülerinnen und Schüler, in weiße Nachthemden gekleidet, um an diesem Umzug ihre Lehrerinnen und Lehrer mit Spottversen, die auf Transparente gemalt werden, aufs Korn zu nehmen. Die Transparente werden dabei von den Schülern selbst einige Tage vorbereitet und am Abend mit Kerzen hell erleuchtet. Fackeln und Laternen geben dem Umzug dabei einen ganz besonderen Zauber.

Der Umzug entstand Mitte des 19. Jahrhunderts als die Schüler des damaligen Bubeninternats St. Stephan, der heutigen Stephansschule, nicht an der Fasnacht teilnehmen durften. Des Nächtens kletterten sie heimlich über die Mauern des Internats, um doch an den tollen Tagen dabei sein zu können. Sie hatten aber keine Verkleidung an, sondern nur ihre weißen Nachthemden und Zipfelmützen. Heute nehmen alle Konstanzer Schulen sowie zahlreiche Eltern, Musikgruppen und Fasnachter am Umzug teil. Aufmerksamkeit erregen sie nicht nur durch die leuchtenden Spottverse, sondern auch durch die mitgeführten Topfdeckel und Rätschen, deren Lärm den Winter austreiben soll.
Waren es im vorletzten Jahrhundert noch die wenigen Schüler, die den Umzug auf die Beine stellten, so kümmert sich heute die große Konstanzer Narrengesellschaft Niederburg um das Gelingen des Umzugs. Ein ganz besonderer Hingucker sind dabei die Gole, die Hemdglonker im Goliath-Format, die ebenfalls den ein oder anderen närrischen Spaß mit den Zuschauerinnen und Zuschauern treiben. Zum Abschluss des Umzugs feiern die Schülerinnen und Schüler ein großes Fest auf dem St. Stephansplatz bis in die frühen Morgenstunden. Ho Narro!


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Text: Mario Böhler


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