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Heimat Alpstein – Ausstellung zur Appenzeller Bauernmalerei

04.09.2017 | QLT Redaktion

Gemalte Kühe für wohlhabende Bauern: Die farbenfrohe Ausstellung des Konstanzer Rosgartenmuseums stellt mit Werken bedeutender „naiver“ Malerei aus der Sennen- und Bauernkultur des 18. bis 20. Jahrhunderts alte Traditionen der Appenzeller Geschichte vor: Meist waren es arme Knechte, die für wohlhabende Bauern Vierherden und Alpaufzüge malten und damit ihren kargen Lohn aufbesserten.
In der Ausstellung und im Begleitbuch werden neben der Präsentation ausdrucksstarker Kunstwerke der großen Meister – und der wenigen Meisterinnen – der Bauernmalerei auch besondere Momente der Appenzeller Geschichte beleuchtet: Die immer wieder kriegerische Emanzipation des Bauernvolkes von der Herrschaft des St. Galler Abts, die machtvolle Expansion der Eidgenossenschaft in Richtung Bodensee und der damit einhergehende Anschluss des Appenzells 1513 an den Bund der zwölf eidgenössischen Orte. Die Reformation führte schließlich zur Glaubensspaltung, der eine friedlich vollzogene, bis heute bestehende Aufteilung des Appenzells in zwei Halbkantone folgte.
Im katholisch geprägten Halbkanton Appenzell Innerrhoden entwickelte sich die Sennen- und Alpwirtschaft weiter, im protestantischen Teil Ausserrhoden entstand ein überregional erfolgreiches Textilgewerbe. Im 19. Jahrhundert wurde das Appenzellerland mit dem Säntis als höchstem Berg von europäischen Reisenden „entdeckt“: Naturmedizinische „Molkenkuren“, Sommerfrische und Bergbesteigungen kennzeichnen diese Frühform des Tourismus, der damals im ganzen Bodenseeraum seinen Anfang nahm. Doch im Schatten der neu erwachten Schweiz- und Naturbegeisterung der ersten Touristenströme bestimmte ein harter, jahreszeitlich geprägter Alltag weiterhin das Leben der Sennen, Bauern und Heimweber der Textilindustrie. In dieser kargen Welt aber entstehen seit fast 200 Jahren die schönsten Motive einer volkstümlichen Malerei: Vorwiegend heitere Szenen vom Jahreslauf der Alpwirtschaft und des Bauernlebens rund um Säntis und Alpstein.

Die Ausstellung kann noch bis zum 30. Dezember jeweils Di. – Fr. 10-18 Uhr und Sa & So 10-17 Uhr im Kulturzentrum am Münster besichtigt werden. Weitere Infos unter www.rosgartenmuseum.de
Im Südverlag Konstanz ist ein anschaulich geschriebenes, reichhaltig illustriertes Bilder- und Lesebuch zum Thema erschienen: Tobias Engelsing (Hg.): Heimat Alpstein – Appenzeller und Toggenburger Bauernmalerei, 208 Seiten, 19,90 €

Foto: Blick in die Ausstellung


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