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Dass ich eine Schneeflocke wär… im Stadttheater Konstanz

15.12.2016 | QLT Redaktion

titelbildWenn ich zwei Leben hätt, dann würd ich’s einmal ausprobieren – Rezension zu einem außergewöhnlich vergnüglichen Liederabend von und mit Bettina Riebesel und Jörg Dathe (Dramaturgie Henrik Kuhlmann/Regieassistenz Armin Peterka)

Die Atmosphäre in der Werkstatt des Konstanzer Theaters ist schon sehr persönlich. Näher dran wäre auf der Bühne, so war es auch nicht weiter verwunderlich, dass sich Jörg Dathe vor der Vorstellung noch als Platzanweiser nützlich machen konnte: „Hinten links ist noch was frei!“ Ich habe es vorgezogen mich in die Kissen der ersten Reihe zu kuscheln und war gespannt auf eine musikalische Reise in die deutsch-deutsche Vergangenheit.
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Pragmatismus war in der DDR überlebenswichtig, schadet aber auch im Hier & Heute nicht. Vor dem Bühnenbild von „Der Mond und das Boot“ zeigten Bettina Riebesel und Jörg Dathe wie sich mit einem Tisch, zwei Sesseln, einem Klavier, einer Gitarre, zwei Mikros und einem kleinem Verstärker eine Zeitreise organisieren lässt. Anhand von Lieblingsliedern erzählen die beiden Mitglieder des Schauspielensembles zwei sehr persönliche Lebensgeschichten. Beide stammen aus dem Osten Deutschlands. Riebesel wuchs in Halle an der Saale auf, Dathe „im Tal der Ahnungslosen“. Zur Information für nicht Eingeweihte, hier handelt es sich unter anderem um den Elbtalkessel bei Dresden, in dem sich damals kaum das zweite ostdeutsche Fernsehprogramm, geschweige denn ein Westsender empfangen ließ. Gewürzt mit persönlichen Anekdoten startete also der musikalische Rückblick auf die Schlager der Deutschen Demokratischen Republik.
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„Dass ich eine Schneeflocke wär“ ist die Anfangszeile eines Schlagers von Veronika Fischer, auch die weiteren Balladen und Chansons wurden von Bettina Riebesel mit soviel Herzblut vorgetragen, dass man selbst mit einem westdeutschen Lebenslauf in eine nostalgische Stimmung verfällt. Nun, offensichtlich hat es in Halle zu dieser Zeit auch nicht anders als in Gelsenkirchen gerochen. Spätestens beim Warten auf den „Stargast“ zeigt sich die erstaunliche Wandlungsfähigkeit der beiden Schauspieler. Wenn Jörg Dathe (mit Vokuhila Perücke) den Puhdys-Frontmann Dieter „Maschine“ Birr gibt, ist das schon Kabarett pur, doch Bettina Riebesel in die Rolle der Nina Hagen ist ein Knüller! Und wenn Dahte sich als Udo Lindenberg dazu gesellt bleibt kein Auge mehr trocken. Schlussendlich wird auch noch mal klargestellt, dass Peter Maffey sich bei Karat bedient hat. Über sieben Brücken musst du gehen… Und ich ertappe mich schon wieder beim Mitsingen.
Weitere Infos & Spieldaten: www.theaterkonstanz.de
Christina Fischer-Bergmann
Fotos: Theater Konstanz/Bjørn Jansen

 


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Eva Bur