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Auf einen Kaffee in der Schatzkammer des Herrn Zobel

11.07.2018 | QLT Redaktion

Goldschmied Michael Zobel Prof. h.c. arbeitet seit 5 Jahrzehnten in Konstanz. Zu diesem feierlichen Anlass besuchten wir den international renommierten Schmuckdesigner in seinem Atelier in der Kreuzlingerstraße 50. Der schlichte, zurückgenommene Raum lässt die an den Wänden ausgestellten Preziosen um die Wette funkeln. Benannt nach seiner Frau steht die Annick GmbH für exklusives, innovatives Schmuckdesign in Konstanz, das durch unkonventionelle Materialien, wie mundgeblasenes Glas, Kamelbein, Muscheln oder Kokosnussschalen in ferne Länder entführt. Michael Zobel bearbeitet die Edelmetalle so, dass die inneren Struckturen hervortreten. Metalle und Edelsteine scheinen sich in den Händen des Schmuckkünstlers fast wie von selbst zu exquisiten Unikaten zu fügen. Bei einer Tasse Kaffee durften wir mehr über den Weltenwanderer erfahren.

QLT: Sie feiern 50-jähriges Jubiläum als Schmuckdesigner und Goldschmied in Konstanz. Zu diesem Anlass stellen Sie ab 27. Juli unter dem Thema „Die Goldene“ aus. Inwiefern spiegelt dieser Material- und Farbschwerpunkt das Jubiläum wieder und welche besonderen Schmuckstücke werden hier zu sehen sein?

M.Z.: Ich bin Goldschmied, daher steckt das Gold schon in der Berufsbezeichnung. In den letzten 50 Jahren durfte ich miterleben, wie Konstanz sich verändert hat. Ein Jahr bevor ich nach Konstanz kam, wurde die Universität gegründet und das war mitunter ein Grund, weshalb ich hierher gezogen bin. Die dadurch geschaffene Öffnung der Stadt schuf auch Interesse und Akzeptanz für meinen Kunst- und Unikatschmuck. Ich wurde hier mit offenen Armen aufgenommen und feiere somit auch eine goldene Hochzeit mit Konstanz. In der Jubiläumsausstellung werden kombinierte Schmuckstücke zu sehen sein, bei denen Gold dabei sein wird, auffällige, große, aber auch zierliche Stücke. Ich stelle zum Beispiel Schmuckstücke aus, in die Ashantis, ghanaische Goldgewichte, eingearbeitet sind.


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QLT: Was zeichnet die Schmuckkunst für Sie aus?

M.Z.: Das Schmuckstück selbst ist Attribut und Komplement, kann jedoch auch für sich selbst stehen. Viele Leute besitzen meine Schmuckstücke auch gerne als besonderes künstlerisches Objekt. Wenn das Schmuckstück über diese Wertschätzung dann noch getragen wird, dann ist das für mich das Richtige, dann stimmt es. Ich sehe Schmuck lieber an einer Frau, bei einer schönen Gelegenheit, zu schöner Kleidung, als im Museum. Ich mache diese Sachen natürlich nicht nur für die Vitrine.

QLT: Sie spielen damit schon auf meine nächste Frage an: Welche Rolle spielt es in Ihrem künstlerischen Schaffensprozess, dass es sich um ein tragbares Kunstwerk handelt? Ist der Mensch sozusagen die Leinwand für den Schmuckkünstler?

M.Z.: Das kann man so sagen. Ich muss im Schaffensprozess immer darauf achten, dass größere Schmuckstücke nicht zu viel Gewicht bekommen, sodass sie auch angenehm für die Trägerin sind. Eine Brosche darf die Kleidung nicht beschweren. Mein Schmuck lässt sich aber auch anpassen, oder ich fertige ihn nach Auftrag an. Viele Schmuckstücke sehen zwar schwer aus, sind aber federleicht. Man kann sagen, dass der Mensch die Leinwand für meine Kunst ist. Das Schmuckstück muss eben für seinen Träger passend sein. Das ist wichtig.

QLT: Wie wird man ein international gefragter Schmuckdesigner? Wie kamen Sie zu diesem Beruf und welche Stationen Ihrer Karriere sind besonders prägend für Sie gewesen?

M.Z.: Ich wollte schon immer künstlerisch arbeiten. Mein Vater fand das Schmuckmachen toll, jedoch eher im Sinne von Fabrikation und Vertrieb, doch als er meine Stücke begutachtete, entdeckte er schnell den Kunstcharakter. Ich begann eine Lehre in Pforzheim, die sich vor allem mit klassischem Schmuck beschäftigte. Nach Beendigung der Lehre bekam ich einen Preis für gute Leistungen verliehen, woraufhin mir mein Berufsschullehrer riet, die Meisterschule zu besuchen. Gerade mein Professor in der Kunstgewerbeschule hat mir dann die Augen geöffnet, mir gezeigt was Schmieden und Gestaltung bedeutet, wie man verschiedene Materialien miteinander verbinden kann und welche Kraft und Organik in Metallen steckt. Ich habe das sehr dankbar aufgenommen und zehre immer noch davon. Später arbeitete ich in Paris, wo ich meine Frau Annick kennenlernte und machte mich 1968 dann in Konstanz selbstständig, genau hier in der Kreuzlingerstraße, gegenüber vom jetzigen Atelier.

QLT: Welche Erfahrungen und Begegnungen nehmen Sie aus den letzten 50 Jahren in Konstanz mit? Wie sieht die Zukunft aus?

M.Z.: Ich freue mich über die sehr positive Entwicklung von Konstanz, das zu einer sehr offenen Stadt geworden ist, es war nämlich nicht immer so. Vor 50 Jahren gab es noch starke rechte Kräfte, Jugendliche wurden verfolgt, die einen anderen Hintergrund hatten. So etwas ist heute glücklicherweise nicht mehr da. Leute aus unzähligen Städten und Ländern kommen zu mir und ich freue mich dass mein Atelier auch zur Weltoffenheit der Stadt beitragen kann. Ebenso erfreue ich mich sehr an meinen vielen „Ablegern“ in Konstanz. Frühere Lehrlinge oder Mitarbeiter von mir haben sich auch erfolgreich hier niedergelassen.
Ich fühle mich sehr wohl hier und ich mache so lange weiter wie es Spaß macht, die besten Werke von Picasso sind ja auch im hohen Alter entstanden!

www.annick-schmuckdesign.com

Interview: Lea Lynn Asiklar
Fotos: Jasmin Hummel



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