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Arte Romeias – Kunstfestival meets Altbau

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2018 wird in der Singener Romeiasstraße die Wohnanlage „Praxedis-Gärten“ gebaut. Doch bevor die alten Häuser abgerissen werden, lässt die Baugenossenschaft Hegau noch ganz besondere „Mieter“ einziehen: Vier Wochen lang dürfen kreative BürgerInnen, ProfikünstlerInnen, Flüchtlinge, Studierende und Künstlergruppen aller Sparten in die 86 Räume, um die leerstehenden, ausgedienten Wohnblocks aus den 30er Jahren mit ihren Werken zu füllen und in einen Freiraum für die Kunst zu verwandeln. Der Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt, alles ist möglich, und sogar der riesige Garten hinter den Häusern steht zur Verfügung. Was hier entsteht, ist natürlich nicht für die Ewigkeit, denn schon im Frühjahr 2018 soll mit dem Bau für die neuen Gebäude begonnen werden. Aber Axel Nieburg, Geschäftsführer der Baugenossenschaft Hegau sieht in genau dieser Vergänglichkeit das Potenzial des Projekts. Schon das Graffiti an der Hauswand, das Arte Romeias schon seit einigen Wochen ankündigt, deutet auf den vergänglichen Charakter hin. Das Werk, das in bunten Lettern „Arte Romeias“ schreit, kommt aus der Sprühdose von Tuttlinger Graffitikünstler Kemal Kirik, für den es nichts Negatives ist, dass seine Wandbilder meist nur für ein Foto überleben, danach aber oft direkt wieder übersprüht werden. Seit einiger Zeit kann man auch über das Graffiti hinaus sehen, dass sich in der Romeiasstraße bereits einiges tut: Fensterläden strahlen in bunten Farben und einige kleinere Kunstwerke und Schriftzüge kündigen das besondere Projekt an.

Wenn man hinter der Häuserreihe in den Garten tritt, sieht man schon von Weitem einige Künstler auf den ausgedienten Sofas sitzen. Hosen mit bunten Farbflecken, Farbe an den Händen: Hier gönnen sich die Künstler eine kleine Pause und tauschen sich aus. Sie interessieren sich für die jeweiligen Projekte und Lebensgeschichten und helfen sich gegenseitig. Neugierige können auf der Arte Romeias-Facebookseite einen Einblick in die Gebäude aufschnappen. Dort posten einige Teilnehmer nämlich Fotos, die die Fortschritte ihrer Wohnungen und Zimmer zeigen.

Jörg Lillich ist Lehrbeauftragter an der Universität Konstanz und betreut das Projekt. Im Rahmen eines Seminars über zeitgenössische Kunst wird er mit seinen Studierenden die kreative Schaffensphase sowie das Kunstfestival dokumentieren. Festgehalten wird das außergewöhnliche Kunstereignis in einem Katalog, für den die Studierenden Texte und Fotos anfertigen. Außerdem werden sie in einem Video den Prozess auch filmisch dokumentieren. Von Donnerstag, 20. Juli bis Sonntag, 23. Juli werden die zahlreichen und vielseitigen Arbeiten dann nach vier Wochen intensiven, kreativen Schaffens der Öffentlichkeit präsentiert. Bei einem großen Kunstfestival werden die Besucher die Möglichkeit haben, alle Räume zu besichtigen. Es wird Musik, Theater, Performances und verschiedenste kulinarische Köstlichkeiten geben. Der zum Gebäudekomplex dazugehörige Garten wird ebenfalls bespielt. Am Freitag und am Samstag gibt es auf „Underground-Dancefloors“ in den Kellern der Häuser Parties.

Text/Fotos: Nina Maier