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ALLEIN MIR FEHLT DER GLAUBE – Jeremias Heppeler

06.11.2017 | QLT Redaktion

„Woran glaubst Du?“, ist die Frage, die am Beginn eines jeden Gesprächs stand, als Jeremias Heppeler die unterschiedlichsten Menschen aus Konstanz für seinen Film „Allein mir fehlt der Glaube“ interviewte.

Der Film, setzt sich natürlich mit der Glaubensfrage auseinander. Es kommen Vertreter der Weltreligionen zu Wort, aber auch Menschen, die auf die Eingangsfrage zunächst vielleicht keine Antwort parat haben. Der Film macht unter der Überschrift des Themas „Glaube“ ein sehr breites Feld auf. Es geht um Identität, Sinnsuche, um Religion im digitalen Zeitalter, um Humanismus und moralische Werte, um Fanatismus, Diskriminierung und Vorurteile. Jeremias Heppelers Gesprächspartner stehen in erster Linie als individuelle Menschen vor der Kamera. Man erfährt ihre Namen und Berufe nicht, sondern hört einfach nur, was sie über ihren Glauben zu sagen haben. Im Laufe des Films lernt man sie dann kennen, indem alle 15 Personen ihre Ansichten abwechselnd konkretisieren. Dabei sind die Auslegungen wohl so vielfältig und so zahlreich wie die Menschen auf der Welt.

 


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QLT: Wie kam es zu diesem Filmprojekt, an dem du nun fast ein Jahr gearbeitet hast und wie entstand die Idee, dich mit dem Thema Glauben auf diese Art auseinanderzusetzen?

JH: Zu dem Filmprojekt bin ich aus einem relativ einfachen Grund gekommen: Die Konzilstadt Konstanz vergab Fördergelder im „Jahr der Religionen“ für ein Projekt zum Thema Glaube. So kam ich dann auf die Idee: ich widme mich dem Diskurs, indem ich einfach nachfrage. Dann kommt man auch relativ schnell auf dieses Dialog-Thema, was bei Religionen ja schon über Jahre eine sehr große Rolle spielt und jetzt auch wieder präsenter ist.

 

QLT: Ein Gespräch über Glaube ist ja auch immer etwas sehr Persönliches. Wie hast du es geschafft, ein vertrauensvolles Setting herzustellen, sodass die Menschen mit dir und vor der Kamera darüber sprechen?

JH: Ich habe im Verlauf der Produktion gar nicht so viel darüber nachgedacht. Ich habe einfach versucht von vornherein klarzumachen, dass es nicht mein Ziel ist, irgendetwas kritisch zu hinterfragen, sondern dass es eigentlich ein ganz normales Gespräch ist. Du fängst mit dieser einen Frage an: „Woran glaubst du?“. Für den Film hab ich von den etwa einstündigen Interviews fast immer den Anfang oder das Ende benutzt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass es am Anfang eben die eine recht offene Frage gibt und das Gespräch dann zum Ende hin immer lockerer wird. Ich habe immer versucht, möglichst natürlich zu wirken und eben keine Drucksituation aufkommen zu lassen.

 

QLT: Als Fragesteller hast du dich sehr im Hintergrund gehalten, man hört im Film nur die Antworten deiner Gesprächspartner und nicht deine Fragen. Worauf zielt dann der Ich-Bezug im Titel „Allein mir fehlt der Glaube“ ab?

JH: Es ist eine interessante Überlegung, dass der Titel auch auf mich selbst referiert. Sonst wäre es eine falsche Spur, denn im Endeffekt ist ja die größere Aussage im Film, dass es eigentlich niemandem an Glaube fehlt. Jeder hat irgendetwas, an das er glaubt und glauben muss. Das hat häufig nichts mit Religion zu tun, aber enthält doch so etwas wie religiöse Abläufe. Man könnte es also tatsächlich als Ich-Bezug deuten und sagen „mir fehlt der Glaube, aber erzähl‘ mir doch mal wie das bei dir funktioniert.“. Das Spannende ist ja, dass das Publikum eigentlich in der gleichen Position wie der Filmemacher ist. Ich bin präsent, als derjenige, der das Ganze auf den Weg bringt, aber nicht kommentiert. Bei Dokumentarfilmen ist es ja oft so, dass der Filmemacher total ins Verborgene tritt, wenn man aber kurz drüber nachdenkt, ist er doch präsent.

 

QLT: Jeremias, woran glaubst du?

JH: Das zu beantworten ist gar nicht so einfach, weil ich jetzt so viele Antworten gehört habe. Ich glaube an Kino, Kunst, an Text oder an Literatur. Das soll gar nicht so prätentiös klingen, ich glaube ja nicht an die lebensverändernde Energie von Kunst oder Kino – ich glaube einfach, das muss es geben. Also etwas, das abseits vom echten Leben so vor sich hinflimmert, kommentiert und verortet und unterhält. Ich denke, es ist unfassbar wichtig für alle Menschen, dass es diese Parallelwelt gibt.

 

QLT: Wie geht es jetzt mit dem Film weiter? Sind noch Vorstellungengeplant?

JH: Ich habe natürlich extrem auf die Premiere hingearbeitet, bin erst kurz davor mit dem Schnitt fertig geworden. Es gibt auf jeden Fall noch eine Vorstellung am 12. November im Zebra-Kino. Weil der Film auch medial so präsent war, gibt es ganz verschiedene Anfragen und Ideen, von Kinos, Tagungen, Schulen, sogar Kirchen. Was ich noch sehr spannend finde, ist das Experiment, ihn in einem anderen Medium zu präsentieren, zum Beispiel als Loop in Dauerschleife oder als Literatur…

 

Das Interview führte Nina Maier



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