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30 Jahre Musikwerkstatt Musambara

13.06.2018 | QLT Redaktion

Bernhard Gedrat gilt als der „Trommler vom Bodensee“. Seine musikalische Reise und Vision reicht jedoch weit über den Bodensee hinaus. Mit den Musambara World Friends taucht er ein in die klanglichen Welten der Weltmusik und sendet eine Botschaft zu interkultureller Begegnung und Vereinigung – gleich der Botschaft „Musik ist die Sprache, die wir alle verstehen.“ Er ist außerdem leidenschaftlicher Fussballfan und Trainer und tief verwurzelt in der Konstanzer freien Kulturszene als Mitinitiator vieler Projekte u.a. auch des QLT und K9. 2018 feiert er mit seiner Musikwerkstatt, die im Cherisy-Areal zuhause ist, sein 30-jähriges Jubiläum. Drei große Highlightveranstaltungen sind für den Sommer geplant, u.a. die legendäre Trommel-Feuer-Tanznacht am 4. August im Biergarten St. Katharina im Erlebniswald Mainau. Er produzierte bislang 5 CD‘s im eigenen Ton-Film-Label und veröffentlichte aktuell die CD „Touch the World“ mit den Musambara World Friends.

Weitere Infos zum Angebot der Musikwerkstatt und den Events unter www.musambara.de

QLT: Für Euch ist dieses Jahr ein Jubiläumsjahr – herzlichen Glückwunsch dazu! Wie ist Musambara entstanden?
B.G.: Ich bin seit 69 in Konstanz und habe damals auch die Freie Kultur – das FKK Konstanz mit aufgebaut und viele Projekte mit angestiftet. Die Musikwerkstatt mache ich seit 30 Jahren. Wir bilden mit der Musikwerkstatt einen Spannungsbogen mit musikalischer Pädagogik und musiktherapeutischer Arbeit, Klangtherapie, Musik-, Sport- und Naturerfahrung. Die Musikschule steht damit unter einem soziokulturellen Aspekt und Engagement. Es gibt bei uns nicht eine Schiene oder ein Konzept – wir haben verschiedene Projekte, Konzepte und Angebote. Es gibt Einzelunterricht, Gruppenkurse und besondere Events und Projekte.


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QLT: Wie der Fussball verbindet die Musik die Welt. Das ist Dein Spirit Deiner interkulturellen Arbeit.
B.G.: Ja ich bin auf der einen Seite der Musiker und auf der anderen Seite der Fussballcoach. Das sind meine Ressourcen seit Kindheit an. 2004 habe ich das Projekt „Spirit of Football“ im Cherisy Areal gegründet – was hier auch zur Sozialisation beigetragen hat. Leider ist uns durch die Neubebauung diese grüne Lunge verloren gegangen und wir mussten mit dem Projekt umziehen. Die Gruppenarbeit ist für uns besonders wichtig, weil Menschen darüber in Kontakt kommen mit Schwingung und Resonanz, denn die wichtigste Medizin für Menschen sind Menschen und wir arbeiten immer auch mit einem therapeutischen Hintergrund und „music is the best of therapy!“ Präventiv wie nachhaltig. Sport ist sekundär und sehr kämpferisch. Mir geht es um den Spirit, um den Gemeinschaftsgeist beim Sport als auch bei der Musik und darum miteinander den Herzschlag und einen inneren Frieden zu spüren. Das ist auch meine Friedensbotschaft: „Trommler aller Länder vereinigt Euch.“

QLT: Ihr habt auch ein Fördernetzwerk, das sich „Paten der Musikwerkstatt“ nennt. Wie funktioniert Euer Netzwerk?
B.G.: Das Fördernetzwerk dient uns als finanzielle Unterstützung, weil es schwierig ist alles alleine zu stemmen. Dafür brauchen wir Paten und Helfer, die uns und unsere Projekte unterstützen. Wir haben dafür ein Spendenkonto eingerichtet. Mein Fussballprojekt z.B. ist ebenfalls ehrenamtlich und wir haben für Flüchtlings- und Cherisykinder dafür einiges in die Hand genommen. Unser Netzwerk ist noch klein und ausbaufähig. Aber auch jeder Schüler trägt unsere Community mit. Meine älteste Gruppe ist bereits 27 Jahre hier.

QLT: Was ist bzw. bedeutet Musambara eigentlich genau?
B.G.: Die Musikwerkstatt ist die Musikschule und das Musambara ist ein Begriff für die pädagogische und künstlerische Arbeit. Es hat auch eine besondere Bedeutung dieses Wort. 1986 habe ich eine Wortschöpfung gesucht für eine vierschrittige Pulsation. Ich habe mich damals mit dem Zen-Buddhismus und mit dem Samba beschäftigt. Usambara ist eine Blume – die Rose der armen Leute. Samba steckt auch darin und das Mu kommt aus dem Buddhismus. Und so kam ich auf den Viererschritt Mu–Sam–Ba–Ra. Jahre später war ich in Afrika unterwegs in einigen Projekten und habe herausgefunden das Musambara soviel heißt wie „So ein Tag so wunderschön wie heute“. Aus Tansania kommen auch die Usambarafeilchen. Ich war sehr berührt über diese schönen zufälligen Zusammenhänge. Ich habe eine sehr starke Trommlerseele – das ist einfach Westafrika für mich und das ist von der Musik her das stärkste Element, das in mir schwingt. Trommeln haben Herzschlagfunktion und die Trommel transportiert und bewegt Schwingungen und Frequenzen, die uns innerlich regulieren. Jede Kultur hat seine Trommler – und ich mache das Trommeln für den Frieden als meine Friedensbotschaft und ich freue mich, wenn ich damit Menschen erreichen kann und mit ihnen in Kontakt gehen kann. Trommeln und Musik ist immer eine Reinigungsarbeit.

QLT: Ihr bezeichnet Euch auch als Musambara World Friends und habt 2017 das „touch the world“-Projekt ins Leben gerufen. Wie ist das Projekt entstanden und welche Zielsetzungen hat es?
B.G.: Die Musambara World Friends ist seit vielen Jahren ein Bandprojekt mit unterschiedlichen MusikerInnen aus Nah und Fern. Dieses Jahr haben wir unsere CD „Touch the world“ herausgebracht mit Eigenkompositionen von mir und dem Aufruf „berühre die Welt“. Unsere Vision ist die Friedensarbeit und einfach zusammen Konzerte zu machen und gemeinsam Spaß zu haben.

QLT: Wie wollt Ihr Euer Jubiläumsjahr genau gestalten? Was dürfen Eure Fans erwarten?
B.G.: Mein absolutes Lieblingsevent ist die Trommelfeuernacht, die dieses Jahr zum 31. Mal stattfindet, am 4. August. In der Natur nachts Musik zu machen mit Trommeln, Feuer, Tanzen, Trinken, Essen, Chillen – das ist Natur pur und da entstehen wunderbare Dinge in der Gruppe. Das erste Event ist am 20. Juli mit Live-Musik und Tanzparty und Mitternachtsdrumshow im Terracotta – dann gibt es Sommerworkshops und am 3. November im Wolkensteinsaal im Kulturzentrum nochmals eine Feier mit Vorträgen und Doku. Außerdem freue ich mich auf Konzerte mit all meinen Musikerfreunden dieser Welt.



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