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125 Jahre Randegger Ottilien-Quelle

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Wasser ist nicht gleich Wasser

Jedes Mineralwasser ist so individuell wie ein Fingerabdruck. Jedes Wasser hat seine ihm eigenen Eigenschaften. „Unser Mineralwasser ist weich, wie die von der Eiszeit geschliffenen Hegauberge“, entlehnt Clemens Fleischmann, bei der Beschreibung seines Wassers, ein Bild seiner Heimat. Und tatsächlich schmeckt man auch die Kraft des Vulkangesteins der Hegauberge. Das natürliche Mineralwasser der Randegger Ottilien-Quelle, im westlichen Bodenseegebiet, ist vor vielen Jahrhunderten als Regen vom Himmel gefallen, und in den Untergrund versickert. Auf dem Weg durch die unterschiedlichen Gesteinsschichten wurde es gefiltert und gereinigt. Dabei empfing es die verschiedenartigsten Mineralien und Spurenelemente, die ihm seine besondere Note verleihen. Auf der Gemarkung Randegg, in 118 Metern Tiefe, wird das Mineralwasser durch eine wasserundurchlässige Schicht gestoppt. Hier kann es gewissermaßen wie Wein „reifen“, bevor es nach einer Jahrhunderte dauernden Reise zu Tage gefördert wird.

1892 beginnt die Familie Fleischmann das Wasser, als Sodawasser kommerziell aus dem Gestein zu fördern. Unter einer 85 Meter starken Kiesschicht und oberhalb einer mächtigen Tonschicht, sprudelt das klare Wasser mit 6,5 Litern pro Sekunde heraus. „Weil das Wasser so natriumarm ist, ist es auch für die Herstellung von Limonaden bestens geeignet“, sagt Clemens Fleischmann. Dennoch wird rund 75 Prozent reines Mineralwasser mit verschieden starken Kohlensäurezusätzen produziert.

Natürlich regional!“

Mit diesem Slogan wirbt die Randegger Ottilien-Quelle für ihr Mineralwasser, das eines der natriumärmsten Mineralwässer überhaupt ist. Die enthaltenen Mineralstoffe, die das Mineralwasser aus den Erd- und Gesteinsschichten aufgenommen hat, sind in erster Linie für den Geschmack verantwortlich. Diesen Ur-Geschmack will Clemens Fleischmann erhalten. „Wir sind zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Glasflasche die perfekte Verpackung für unser Mineralwasser ist, denn sie lässt den Inhalt so naturbelassen, wie es sein soll. Außerdem bedienen wir nur Kunden in der Region.“ PET-Flaschen beeinflussen den Geschmack, besonders im Sommer, bei warmen Temperaturen. Aus der Glasflasche schmeckt man die Frische und den Vulkangestein des Hegau-Wassers.

Randegger Ottilien-Quelle schreibt Geschichte

Mit einer Ohrfeige fing alles an

Georg Fleischmann, der Urgroßvater der jetzigen Geschäftsführer, seines Zeichens Revierförster im Schloss des Fürsten Leopold von Sigmaringen, musste in dieser Funktion Treibjagden für die adligen Gäste organisieren. Der Fürst, als auch der anwesende Kaiser, trafen zielsicher die extra für diese Jagd gezüchteten Füchse. Dagegen schoss ein junger belgischer Erbprinz stets voll daneben. Das erboste ihn derart, dass er vor lauter Wut den Hund des Revierförsters erschoss. Georg Fleischmann platzierte im Durchlauchten Gesicht eine saftige Ohrfeige und musste daraufhin den Dienst quittieren, damit zumindest der Fürst sein Gesicht wahren konnte.

Es klingt wie ein Märchen der Gebrüder Grimm, aber diese Maulschelle liess den Pioniergeist erwachen und führte zur Gründung der Unternehmer-Dynastie Fleischmann, die bis zum heutigen Tage wie ein Vulkan-Fels im Hegau existiert. Georg Fleischmann erfuhr damals von der Verkaufsofferte des Randegger Bad-Hotels, legte die Mitgift seiner Ehefrau Franziska – der Tochter des Gasthaus Bären in Meersburg – und Erspartes zusammen und übernahm das Anwesen nebst Mineralquelle in Randegg im Jahr 1892 für 14.000 Mark und war somit fortan Hotelier und Sodawasserfabrikant – hier half selbst das Gesuch des Fürsten nicht, er möge doch wieder für ihn arbeiten.

In wenigen Jahren war das Bad-Hotel weit und breit als „pflegliches Haus“ bekannt, was vor allem seiner Frau zu verdanken war. Georg war zwar ein Organisationstalent und für seine Zeit sehr gebildet. „Diese Hand hat schon drei Kaisern und fünf Königen die Hand gedrückt“ pflegte er zu sagen. Er selber war aber nicht in der Lage zu arbeiten, nur zu delegieren, auch das will gelernt sein.

Im schön angelegten Parkgarten ließen sich damals auch zahlreiche Schweizer bewirten, die mit Kutschen über die nahe Grenze anfuhren. Das Gästebuch von 1899 weist bekannte Namen aus Politik, Wirtschaft und Kunst aus. Besonders eine Gruppe von Professoren und Künstlern traf sich immer wieder im Bad-Hotel. Beständiger Gast in der Zeit von 1905 bis 1907 war Professor August Groh, welcher oft mit Familie und Dienstboten anreiste, zum Leidwesen des Hotelbesitzers Fleischmann gleich das halbe Hotel belegte und seine erheblichen Hotelrechnungen nicht beglich. Statt dessen versah der Malerprofessor den Speisesaal mit Wandfresken – Tafel- und Jagdszenen – und ließ sie sich obendrein noch mit 10.000 Reichsmark bezahlen, was Georg Fleischmann fast in den Ruin trieb. Die Wandmalereien der frühen Jugendstil-Epoche wurden 1994 von Mitarbeitern des Stuttgarter Landesdenkmalamtes sachkundig restauriert. Heute sind diese Kunstwerke im Degustationsraum zu bewundern. Das Landesdenkmalamt zeigte sich bei den entstandenen Kosten von 52.000 Mark sehr großzügig und hat 80 Prozent übernommen, mit der Auflage, dass die nun unter Denkmalschutz stehenden Gemälde der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen. Das geschieht in hohem Maße bei Betriebsbesichtigungen

Obwohl das Bad-Hotel gut lief, wurde es 1919 geschlossen und der Schwerpunkt auf Abfüllung und Versand des Mineralwassers gelegt. Aber auch die Landwirtschaft bot der Familie eine solide Existenzgrundlage. Gebräuchlich für das Mineralwasser waren um die Jahrhundertwende schon die Glasflaschen. Sie hatten den – bis dahin praktizierten – Tonkrug abgelöst und überhaupt erst einen Versand möglich gemacht. Aus der Anfangszeit stammende Flaschen-Etiketten bezeichnen die Randegger Ottilien-Quelle als älteste und bedeutendste Versandquelle Oberbadens. 1951 wurde im SÜDKURIER über den 93-jährigen Mineralwasserfabrikant als ältester Einwohner von Randegg berichtet. Er verriet als Geheimrezept seines hohen Alters: „Wenig essen, heimlich trinken und sich nicht von der Frau ärgern lassen“.

Wechselvolle Vergangenheit

Die Spuren des Randegger Mineralbrunnens gehen freilich noch weiter zurück. Randegg im Hegau, an der ehemaligen Landstrasse Konstanz-Schaffhausen, erfährt erste Erwähnung im 13. Jahrhundert durch die Nennung der Ritter von Randegg. Sechs Jahrhunderte später, anno 1816, liest man im historisch-statistisch-topographischen Lexikon des Großherzogtums Baden: „In dem oberen Dorfe befindet sich eine reiche Quelle von Gesundheitswasser, welches Eisen und Schwefel mit sich führet. Es ist wirklich schade, dass diese Quelle nicht besser benutzt wird, da schon mancher Kranker diesem Wasser seine wieder erlangte Gesundheit zu danken hat.“ Die Herkunft des Namens Ottilien-Quelle ist zurückzuführen auf die im Mittelalter beliebten Wallfahrten zum Gnadenbild der Heiligen Ottilia, Kirchenpatronin der Pfarrkirche zu Randegg und Schutzpatronin der Blinden. Nachweislich war die Quelle bereits im Jahr 1609 gefasst gewesen.

1864 gab der damalige Besitzer der Quelle, Conrad Gantert, bekannt, dass das neu hergerichtete Bad zu Randegg eröffnet wird und das Universalwasser durch Zeugnisse berühmter Ärzte besonders heilsam gegen Rheumatismus, Gicht, Lähmungen, Kopf- und Brustschmerzen, Hämorrhoiden und Schwindel sei. Doch schon bald wechselten die Besitzer in rascher Folge. Brauerei, Badekur-Betrieb, Bad-Gesellschaft mit Aktienanteilscheinen, Wirtshaus, alles wurde unternommen, trotzdem nahm die Bedeutung der Mineralwasserquelle rasch wieder ab und 1892 musste der stark verschuldete Besitzer Johann Harder das Anwesen zum Kauf anbieten.

Das Glück gehört dem Tüchtigen

In Folge der starken Nachfrage und der sich ändernden Verbrauchergewohnheiten – vor allem in den 80er und 90er Jahren – reichte das Mineralwasser der historischen Ottilien-Quelle nicht mehr aus und es wurde eine Tiefbohrung in Auftrag gegeben. 1996 fand man in 118 Meter Tiefe, nach einer 85 m starken Kiesschicht, oberhalb einer mächtigen Tonschicht ein großes Wasservorkommen. Mit einer gleichbleibenden Schüttung von 6,5 l /sec scheint es unerschöpflich und die Analysen bestätigten Grund zu grosser Freude. Die 1988 erbaute Lagerhalle mit 800 qm Fläche wurde im März 2004 als Produktionsstätte mit modernsten Maschinen umfunktioniert. In der Stunde können nun 18.000 Flaschen produziert werden. Die Anfang 1997 fertig gestellte neue Lagerhalle mit 3.000 qm Fläche bot nun ausreichend Platz für die neuen Kapazitäten. Visitenkarte und Siegel für die Qualität ist das grüne Etikett mit dem historischen Schriftzug Randegger Ottilien-Quelle und dem Randegger Schloss als Logo.

Denk global, trink lokal

Umweltschutz und Nachhaltigkeit als Firmen-Philosophie

So lautet die Firmen-Philosophie und hier praktiziert die Firma den Umweltschutz, denn die Abfüllung erfolgt ausschliesslich in Mehrweg-Glasflaschen und der Vertrieb im Radius von ca. 50 km in Eigenregie. Dies garantiert kurze Wege und leistet einen wesentlichen Beitrag zur Müll- und Verkehrsvermeidung. Die Gebrüder Christoph und Clemens Fleischmann leiten heute das Unternehmen in der 4. Generation. Insgesamt sind 21 Mitarbeiter fest angestellt. Christoph ist für Technik und Qualitätssicherung zuständig, Clemens kümmert sich um den Vertrieb, das Marketing und das Personal. „Unsere Käufer sind überwiegend Familien und gesundheitsbewusste Verbraucher in der Bodenseeregion“, so Clemens Fleischmann.

Engagement im Umweltschutz

Die Familie Fleischmann ist sich bewusst, dass ihr mit Mineralien angereichertes Mineralwasser günstigen geologischen Gegebenheiten zu verdanken ist, die in direktem Zusammenhang mit der Wirkungsweise der Natur stehen. Aus dieser Erkenntnis sieht sich der Betrieb in der Verantwortung gegenüber Natur und Umwelt und möchte diese mit konkreten Maßnahmen unterstreichen. So bestehen enge Verbindungen zu Naturschutzverbänden, vorrangig zum NABU welcher alle zwei Jahre neben einer Spende auch auf drei Millionen Flaschen für seine Aktivitäten kostenlos werben darf. Außerdem wird seit vielen Jahren Strom aus 100% regenerativen Energiequellen eingesetzt. Seit dem Jahr 2005 bezieht das Unternehmen den Strom vom Singener Wasserkraftwerk direkt aus der Aach.

Im Frühjahr 2006 wurde eine weitere bedeutende Energiewende eingeleitet; seit diesem Datum wird nämlich die Flaschenwaschmaschine mittels Holzpellets befeuert. Somit werden 70.000 l. Heizöl pro Jahr eingespart und es wird gleichzeitig ein aktueller Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Im Dezember 2009 wurde eine Photovoltaikanlage mit 30 KW Leistung auf dem Dach der Produktionsanlage in Betrieb genommen, im Februar 2015 wurden nochmals 265 KW auf dem Dach der Lagerhalle installiert. Bundesweit ist die Randegger Ottilien-Quelle das einzige Unternehmen der Branche mit komplett CO2-neutraler Produktion und erhielt hierfür im Dezember 2006 den Aesculap-Umweltpreis. Der Mineralbrunnen sieht sich als Bestandteil eines natürlichen Systems und wird sich der Herausforderung, neue Wege zu gehen, konkret stellen.

Wasser ist ein Lebenselixier

Für die Randegger Unternehmerfamilie Fleischmann ist es sogar mehr als das – es ist ihre Lebensaufgabe. Seit vier Generationen ist die Familiengeschichte eng mit dem kostbaren Nass aus den Tiefen des Hegauer Vulkangesteins verknüpft. Mit jährlich 20 Millionen Flaschen und 16 verschiedenen Getränkesorten hat sich die Randegger Ottilien-Quelle zu einem der beliebtesten Mineralwässer der Region entwickelt. Das Produkt, das die Randegger Ottilien-Quelle herstellt, ist ein Geschenk der Natur.

 

 



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