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| Der Müll muss raus! |
Durch Fasten den Organismus entrümpeln Die närrischen Tage sind längst vorbei, das Häs wurde wieder auf dem Speicher verstaut und trotzdem hängt einem die Fasnet noch irgendwie nach. Nach dem tagelangen Honarro und Schnurre schleppt man meist nicht nur eine hartnäckige Erkältung mit sich herum, sondern leider noch was ganz anderes: lästige Pfunde und ein Gefühl der Trägheit und Schlappheit. Man hat es sich viel zu lange viel zu gut gehen lassen. Im Winter isst man generell gerne zu fett, an Fasnacht kommen dann noch zu viel Alkohol und fiese Leckerbissen wie knackige Thüringer, Berliner oder Fasnachtskuchen dazu. Das bleibt nicht ohne Folgen. Die Hose zwickt, man fühlt sich schwer und insgesamt einfach unwohl in seiner Haut. Es wird Zeit, wieder mehr auf den eigenen Körper zu achten und schlechten Gewohnheiten den Garaus zu machen. Dem christlichen Kalender entsprechend, beginnt nach der Fasnacht die Fastenzeit, die bis zum Ostersamstag andauert und an die 40 Tage erinnern soll, die Jesus fastend und betend in der Wüste verbrachte. Nicht jeder ist bereit und gewillt, konsequent zu fasten, schon gar nicht 40 Tage lang, aber egal ob religiös motiviert oder nicht, die Zeit nach dem winterlichen Schlemmen und vor Frühlingsbeginn ist der ideale Zeitpunkt, einmal freiwillig Verzicht zu üben oder sich zumindest in gewissen Bereichen zu mäßigen. Lassen Sie beispielsweise bestimmte Nahrungsmittel weg oder brechen Sie mit lieb gewordenen Sitten beziehungsweise Unsitten. Verzichten Sie auf Alkohol, Zigaretten oder Fast Food und verbringen Sie nicht so viel Zeit vor dem Fernseher oder dem Computer. Es lohnt sich, einmal in sich zu gehen und zu überlegen, wo die eigenen Laster und Schwächen liegen und was einen hemmt, weil es einem Schwung und Energie raubt. Damit wären wir übrigens wieder beim Fasten, denn dabei geht es unter anderem darum, durch den freiwilligen Verzicht, das Bewusstsein zu erweitern, in sich zu gehen und zu sich selbst zu finden. Von Beginn an waren Menschen immer wieder mit Hungersnöten und Nahrungsengpässen konfrontiert, bedingt durch Missernten, Naturkatastrophen oder Kriege. Schamanen oder Priester fungierten in der frühen Menschheitsgeschichte zumeist auch als Ärzte. Geist und Körper des Menschen wurde als eine Einheit betrachtet, die es im Falle einer Krankheit zu behandeln und heilen galt. Da man wusste, dass sich kranke Tiere oft selbst heilen, indem sie eine zeitlang ruhen und feste Nahrung verweigern, übertrug man die Kenntnisse auch auf den Menschen. Nach und nach wurde das zeitlich begrenzte Nicht-Essen dann religiösen Vorschriften unterworfen. Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxe Kirche praktizierten beide das vorösterliche Fasten, das ursprünglich von Papst Gregor dem Großen um 600 n.Chr. eingeführt wurde. Mit dem Konzil von Benevent im Jahr 1091 wurden die sechs Sonntage vor Ostern vom Fasten ausgenommen. So rückte der Beginn der Fastenzeit um sechs Tage nach vorne auf den heutigen Aschermittwoch. Aber nicht nur im Christentum, sondern in nahezu allen Kulturen und Religionen ist das Fasten tief verwurzelt. Gefastet wird zu bestimmten Zeiten oder Anlässen, beispielsweise um seiner Trauer Ausdruck zu verleihen, kollektiv oder individuell. Dabei verzichten die Fastenden entweder vollständig auf Nahrung oder vermindern lediglich die Nahrungsaufnahme. Das religiöse Fasten geht meist auch mit der Forderung nach sexueller Enthaltsamkeit und allgemeinem Verzicht auf sinnliche Genüsse und Vergnügungen einher. Das Judentum kennt insgesamt sieben Fasttage. Einer davon ist Jom Kippur, der Versöhnungstag. An diesem höchsten Feiertag des jüdischen Kalenders wird von Sonnenuntergang bis zum Sonnenuntergang des folgenden Tages sowohl auf feste wie auch flüssige Nahrung verzichtet. Im Islam ist das Fasten im Monat Ramadan (Saum) eine der „fünf Säulen“ neben dem Glaubensbekenntnis, dem Gebet, dem Almosen (Zakat) sowie der Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch). Während der Fastenzeit dürfen Muslime, sofern sie gesund, erwachsen, nicht auf Reisen oder schwanger sind, zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang keine Speisen und Getränke zu sich nehmen, nicht rauchen oder intimen Umgang pflegen. Beim religiös motivierten Fasten geht es also meist um mehrere Dinge zugleich: Um Selbstbeherrschung, Verzicht, Demut und die Reinigung der Seele, aber auch darum, einem wichtigen religiösen Ereignis zu gedenken oder sich auf dieses innerlich vorzubereiten. Bei den Christen ist das die Auferstehung Christi, im Islam die Nacht der Bestimmung, an der der Koran herab gesandt wurde und im Judentum die Vergebung Gottes nach der schweren Verfehlung Israels. Fasten neu entdeckt Wer sich heutzutage entschließt zu fasten, macht das nicht unbedingt aus Glaubensgründen. Häufig steht der gesundheitliche Aspekt im Vordergrund. Die positiven Eigenschaften des Fastens sind zwar nur teilweise wissenschaftlich belegt, aber sowohl einige Ärzte als auch erfahrene Faster schwören auf dessen reinigende und belebende Kraft. Dass man zudem einige Pfunde verliert, ist ein angenehmer Nebeneffekt. Gegenüber vielen Diäten, hat das Fasten den großen Vorteil, dass man nicht ständig von Hungergefühlen geplagt wird, zumindest nicht, wenn man die ersten beiden Tage der Kur überstanden hat. Der menschliche Körper kommt uns in diesem Punkt sehr entgegen. Während wir ohne Zufuhr von Flüssigkeit nur wenige Tage überleben können, sind wir ohne Weiteres in der Lage, über einen langen Zeitraum ohne feste Nahrung auszukommen. Das liegt daran, dass unser Verdauungssystem etwa ein Drittel unserer Tagesenergie für die Verdauung und Verwertung der Nahrung verbraucht, die wir zu uns nehmen. Beim Fasten entfällt diese Arbeit. Dadurch verlangt der Körper nicht nach neuer Energiezufuhr durch Nahrung und greift stattdessen auf körpereigene Depots zurück und entschlackt. Fasten als gesundheitsfördernde Maßnahme wurde insbesondere Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts entdeckt, beziehungsweise wieder entdeckt. Als Begründer der Fastenbewegung gelten insbesondere der deutsche Arzt Dr. Otto Buchinger sowie der österreichische Arzt Dr. Franz Xaver Mayr. Beide kamen durch jahrelange Forschungen zu der Erkenntnis, dass der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden in einer gesunden, leistungsfähigen Verdauung liegt. Dr. Otto Buchinger hatte sich selbst durch Fasten von einem starken Gelenkrheuma geheilt. Er entwickelte seine Methode danach ständig weiter und gründete eine Klinik, in der sich bald Menschen aus aller Welt seiner berühmten Heilfastenkur unterzogen. Neben Mineralwasser und Kräutertee werden bei der Buchinger-Fastenkur Gemüsebrühe, Fruchtsaft und etwas Zitronensaft getrunken. Gefastet wird zwischen einer und vier Wochen, wobei den eigentlichen Fasttagen immer ein so genannter „Entlastungstag“ vorausgeht. An diesem Tag wird bereits sehr wenig gegessen, um dem Körper die Umstellung von der „normalen“ Nahrungsaufnahme auf die „Ernährung von Innen“ beim Fasten zu erleichtern. Danach folgt eine erste gründliche Darmreinigung, die entweder durch abführende Mittel wie Glaubersalz oder einen Darmeinlauf herbeigeführt wird. Auf die nahrungsfreien Tage folgen dann die „Aufbautage“, die den Organismus langsam wieder an das Zuführen von Nahrung gewöhnen. Fastenbegleitend spielen Bewegungs- und Entspannungsprogramme eine große Rolle sowie regelmäßige Körper- und Darmpflege. Dr. Otto Buchinger stellte insbesondere den ganzheitlichen Charakter des Heilfastens in den Vordergrund. Körper, Geist und Seele sollten durch das bewusste Fasten gereinigt und gestärkt werden, um bestehenden Krankheiten entgegenzuwirken oder Krankheiten vorzubeugen. Von der Buchinger-Methode unterscheidet sich das Fasten nach Dr. F.X. Mayr vor allem in zwei Punkten. Zum einen wird das ebenfalls strenge Fasten mit Wasser, Tee und Gemüsebrühe nach wenigen Tagen von der “Milch-Semmel-Kur” abgelöst und zum anderen gehören spezielle von Mayr entwickelte Bauchmassagen zum täglichen Programm, die die tägliche Darmentleerung unterstützen sollen. Zweimal täglich werden 2-4 altbackene Weißmehlbrötchen mit wenig Milch intensiv gekaut. Dadurch soll gutes Kauen, ein kräftiger Speichelfluss und das Erleben eines Sättigungsgefühls eingeübt werden. Eine Mayr-Kur dauert in der Regel mindestens drei Wochen und wird vor allem zur Magen-Darm-Sanierung eingesetzt. Ergänzend zur Heilfasten-Kur werden je nach Bedarf des Fastenden einige Vitalstoffe eingenommen u.a. Vitamine und Mineralstoffe, Basenpulver oder der Kräuterauszug Legalman, der Leber, Galle und Magen beeinflusst. Aus der Fastenbewegung um die Jahrhundertwende sind unterschiedliche Fastenformen entstanden, die sich im Kern aber meist auf die Erkenntnisse von Buchinger und Mayr stützen. Allerdings setzen nicht alle Fastenmethoden auf den strengen Verzicht von Nahrung. Beim Basenfasten beispielsweise, das auch als Entsäuerungs- und Entlastungskur bezeichnet wird, darf im Vergleich zu den Kuren von Buchinger und Mayr richtiggehend geschlemmt werden. Während einer Woche Basenfasten sind täglich drei rein basische Mahlzeiten erlaubt sowie basische Snacks als Zwischenmahlzeiten. Vom Speiseplan gestrichen werden alle Säurebildner in der Nahrung, wobei man sich natürlich nicht zu früh freuen sollte, denn sehr viele Grundnahrungsmittel sind so genannte „saure Lebensmittel“ u.a. Fleisch, Fisch, Milch- sowie Getreideprodukte, Zucker etc. In den letzten Jahren wurden auch immer mehr asiatische Ernährungs- und Lebensweisheiten in die traditionellen Fastenmethoden integriert. In asiatischen Räumen wurde das uralte Wissen um die zentrale Funktion des Darms und die heilende Kraft des Fastens seit Jahrhunderten weitergegeben und angewandt. Der indischen Heilkunst Aryuveda entsprechend, lässt sich jeder Mensch einem oder auch einer Mischung aus zwei von insgesamt drei Temperamenten (Dishas) zuordnen. Und entsprechend seines Temperaments soll ein Mensch auch fasten. Während es für den einen gut ist, einmal im Jahr über einen längeren Zeitraum zu fasten, wird anderen empfohlen, lieber kürzer aber dafür häufiger zu fasten. Letztendlich lassen sich bei allen Varianten des Fastens positive Erfolge verzeichnen, sowohl bei Buchinger, Mayr, Basenfasten und Co. Es ist mehr eine Frage der persönlichen Vorliebe, für welche Fastenart man sich entscheidet und ob man lieber stationär, in einer Gruppe oder für sich alleine fasten möchte. Wenn Sie sich ganz bewusst auf die Erfahrung „Fasten“ einlassen möchten, können Sie in der nächsten Ausgabe mit QLT fasten. Wir werden zwei verschiedene Kuren vorstellen, die ein gesunder Erwachsener selbständig durchführen kann, sofern er sich innerlich bereit dazu fühlt. Wir geben Ihnen einen „Fastenfahrplan“ mit übersichtlichen Tagesplänen an die Seite und unterstützen Sie bei Ihrem Vorhaben mit Einkaufslisten, Saft- und Teevorschlägen, Rezepten für die Aufbautage und hilfreichen Tipps. Es empfiehlt sich allerdings nicht „einfach drauf los zu fasten“. Vorab sollten Sie sich gründlich mit dem Thema auseinandersetzen und am besten Ihren Hausarzt oder einen Fasten-erfahrenen Arzt zu Rate ziehen. Am Schönsten ist es, im Urlaub zu fasten, weil man dann sowohl sich als auch dem Körper die nötige Ruhe und genügend Freiraum geben kann. Zu Bedenken ist auch der recht unangenehme Körpergeruch, den ein Fastender unweigerlich ausströmt, weil er den körpereigenen „Sondermüll“ auch über die Atemwege und die Haut „entsorgt“. Sie sollten während des Fastens in jedem Fall mehr Zeit für die tägliche Körperpflege einplanen als gewöhnlich. Um sich den Kureinstieg zu erleichtern, ist es ratsam, bereits in den Tagen vor Ihrer Fastenkur weniger zu essen und auf gewisse Speisen möglichst ganz zu verzichten: • Gebackenes, Frittiertes und im Fett Gebratenes • stark fetthaltige Lebensmittel wie Wurst und Schweinefleisch • schwer verdaubare Kost wie Rohkost oder zu viel Obst • Süßigkeiten • Alkohol und starken Kaffee Teilen Sie Ihre Erfahrungen mit uns! Ob Sie die Gelegenheit beim Schopfe packen und mit QLT in der folgenden Märzausgabe zum ersten Mal fasten oder bereits ein alter Hase auf diesem Gebiet sind: Wir interessieren uns dafür, wie Sie die Zeit des bewussten Verzichts erlebt haben. Schreiben Sie uns per Mail an: caro@qlt.de oder per Post an: Rößler & Partner Medien GmbH Turmstr.9 78467 Konstanz Caro B. |